Gestern war der Weltgesundheitstag. In diesem Jahr stand er unter dem Motto " Gesundheitsförderung in Städten ". Die Selbsthilfe ist inzwischen zu einem anerkannten Partner im System der Gesundheitsförderung geworden. Im Landkreis Börde gibt es mittlerweile mehr als 70 Gruppen und Selbsthilfeverbände.

Landkreis Börde. Es ist noch gar nicht lange her, dass man bei persönlichen Problemen und schwierigen Lebensumständen damit rechnen musste, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Es war nicht üblich, über Sorgen zu reden und Hilfe zu suchen. Es fehlte an Netzwerken, an Vertrauen, an Informationen und am Wissen, dass es für den Menschen lebensnotwendig ist, über schwierige Dinge reden zu dürfen.

" Auch vor der Wende gab es zwar schon Zusammenschlüsse, welche eigentlich den Charakter einer Selbsthilfegruppe hatten, das Wort Selbsthilfe gab es aber so gut wie gar nicht ", erinnert sich Dr. Sabine Dutschko, Regionalleiterin des Paritätischen.

Nach der Wende haben sich schnell überall im Land Selbsthilfegruppen gebildet, auch im Landkreis Börde. Mittlerweile sind 20 Jahre vergangen. " Es war das ungeheure Engagement einzelner Frauen und Männer, die Miterkrankte und Mitleidende, von Missständen und Fehlentwicklungen Betroffene um sich versammelten, die die Abhilfe in die eigene Hand nehmen wollten, Erfahrungsaustausch, Wissen und Solidarität suchten ", sagt Dutschko.

Heute gibt es mehr als 70 Gruppen und Selbsthilfeverbände im Landkreis Börde. Viele haben ihr Zuhause unter dem Dach des Paritätischen, der Selbsthilfekontaktstelle des Gesundheits- und Behindertensportvereins Haldensleben gefunden. Noch vor ein paar Jahren mussten die Selbsthilfegruppen und Kontaktstellen noch nach fachlicher und sozialpolitischer Anerkennung ringen. " Das Klischee, das Selbsthilfegruppen Kaffeekränzchen sind, in denen über Ärzte geschimpft und sich in medizinische Entscheidungen eingemischt wird, haben die Selbsthilfegruppen mit ihrer Arbeit schon lange abgelegt ", sagt Dutschko. " Der Austausch miteinander hilft den Menschen. Das Spüren, nicht allein zu sein mit einer ungewohnten Lebenssituation ; die Erfahrungen anderer anzuhören und davon zu profitieren ; all das macht den Besuch von Selbsthilfegruppen so wertvoll und stärkt und vereint die Menschen, und es macht die Betroffenen selbstbewusster, im Umgang mit der eigenen Erkrankung oder dem eigenen Schicksal, im Umgang mit dem Arzt oder Therapeuten, und im Umgang mit sich selbst und anderen Menschen ".

Und weil kein anderer so verständlich und authentisch zum Leben mit der Erkrankung und ihren Beeinträchtigungen informieren kann wie die Betroffenen selbst, werden diese inzwischen auch als Experten angesehen, so Dutschko. Das hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Professionelle aus den Krankenhäusern und der Rehabilitation inzwischen die enge Kooperation mit den Selbsthilfegruppen suchen.

Allerdings : Selbsthilfegruppen werden zwar von geschulten Selbstbetroffenen geleitet, sie stellen aber keine Konkurrenz zu professionellen Dienstleistungsangeboten im Gesundheitssystem dar, sondern ergänzen die Versorgung, so Dutschko. Mit dem Gefühl der Wärme und Geborgenheit, welches sonst die Selbsthilfe gibt, sagt Dutschko im Namen des Paritätischen anlässlich des Weltgesundheitstages 2010 dem langjährigen freiwilligen Engagement in der Selbsthilfe Dank.

• Kontakt- und Beratungsstelle für Selbsthilfegruppen

Gesundheits- und Behindertensportverein Haldensleben e. V. Magdeburger Str. 44 39340 Haldensleben Ansprechpartnerin : Frau Krüger Telefon : 03904 / 65210 Fax : 0391 / 665210 Email : selbsthilfe @ gbs-hdl. de

• PARITÄTISCHE

Regionalstelle Magdeburg / Landkreis Börde Wiener Str. 2 39112 Magdeburg Ansprechpartnerin : Regionalleiterin Dr. Sabine Dutschko Telefon : 0391 / 6293 371 Fax : 0391 / 6293 375 Email : sdutschko @ mdlv. paritaet. org