Einmal im Jahr darf die hölzerne Figur der Heiligen Barbara das Kaliwerk Zielitz verlassen und umgeben vom Lichterglanz brennender Kerzen den Bergleuten in der Katharinenkirche bei ihrer Barbara-Feier zuschauen. Den Weg nach Wolmirstedt tritt das Abbild der Schutzheiligen jeweils zum 4. Dezember an, dem Tag der Heiligen Barbara. Dort wird sie stets mit dem ureigenen Lied der Bergleute begrüßt, mit " Glück auf ".

Wolmirstedt. " Bergleute begeben sich tagtäglich unter die Erde, dorthin, wo man die Toten bettet ", sagte Superintendent Uwe Jauch. " Und viele Generationen von Frauen erlebten die tägliche Angst, bis der Ehemann wieder in die Familie zurück kehrte. Darum schätzt man unter Bergleuten besonders das Licht. "

Die Sicherheit eines Bergwerkes gehorcht in der heutigen Zeit zum Glück längst anderen Gesetzen als früher, Unfälle sind selten geworden. " Die K + S Kali GmbH gibt einen nicht unerheblichen Teil des erwirtschafteten Geldes für den Arbeitsschutz aus ", betonte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Krüger. Superintendent Jauch sprach im Namen der Bergleute : " Sie sind am heutigen Barbara-Tag dankbar, dass Sie auch das vergangene Jahr ohne große Unfälle überstanden haben. " Von der Finanz- und Wirtschaftskrise blieb das Werk hingegen nicht verschont. Das machte Werkleiter Hans-Joachim Kind in seiner Ansprache deutlich. " Die Krise hatte bereits Anfang des Jahres die Agrarmärkte erfasst und die Preise für landwirtschaftliche Produkte einbrechen lassen. Damit haben auch die Kunden den Zukauf und Einsatz von Kalidüngern drastisch reduziert. " Im Jahre 2009 schätzt man einen Weltkaliverbrauch von 30 Millionen Tonnen, im Jahre 2007 war es noch doppelt so viel.

Einen ähnlichen Einbruch hatte es schon 1993 gegeben, " aber damals hatte das Werk nur ein Standbein ", erinnerte Kind, " inzwischen sind die Industriekaliproduktion, die Untertagedeponie und die Untertageverwertung von Verbrennungsrückständen dazu gekommen. " Außerdem haben sich im Werk die Produktion von Kali in Lebensmittelqualität und die Rückstandsvermarktung zur Herstellung von Salzbeton etabliert. Alle Geschäftsfelder werden wirtschaftlich betrieben.

Dennoch machte die Krise um Zielitz keinen Bogen. " Trotzdem, die Kurzarbeit ist überschaubar ", betonte auch Superintendent Jauch und erklärte die Krise zum Teil des gewöhnlichen Lebenszyklus. " Wir hatten uns daran gewöhnt, dass es immer besser wird, dass der Absatz immer größer wird, aber so mancher hat im Beruf und im Persönlichen erfahren, man hat es nicht bis zum Ende in der Hand. Das ist eine Erkenntnis, die weise macht. " Hoffnung bleibt immer. Das Symbol dafür sind die Barbarazweige, sind Kirschzweige, die am 4. Dezember geschnitten werden und zu Weihnachten aufblühen.

Der Barbara-Tag wird schon viele Jahre in der Katharinenkirche gefeiert, doch am vergangenen Freitag reichten die Stühle nicht aus. " Ich freue mich, dass so viele gekommen sind ", staunte Klaus Krüger und stellte noch zwei Reihen dazu. Worin dieser Zuspruch begründet war, vermochte niemand zu sagen.

Fakt ist, die Barbara-Feier wird alljährlich sehr feierlich und würdig abgehalten. Die Mitglieder des Bergmannsvereins tragen ihre Uniform, die weißen und grünen Federn auf den Hüten ragen weit aus der Menge heraus. Die Musik wird sehr sorgfältig ausgesucht und vorgetragen von einem großen Ensemble, das sich aus dem Bergmannschor, dem Gemischten Chor Wolmirstedt und dem Dahlenwarsleber Zupforchester zusammensetzt und dirigiert wird von Thorsten Kahler.

Als Gäste sind die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden dabei. In den ersten Reihen saßen Dyrk Ruffer, Bettina Seidewitz, Gerrit Rosenboom und Dr. Hans-Jürgen Zander, auch Landtagsabgeordneter Holger Stahlknecht und Bundestagsabgeordneter Manfred Behrens ließen sich diese Feier nicht nehmen. Selbstredend sind auch Vertreter des Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie ( IG BCE ) dabei, Vorstandssekretär Bernd Westphal war aus Hannover gekommen.

War an diesem Abend oft die Rede von Sicherheit und Produktion, so ist das Kaliwerk Zielitz auch eng verbunden mit Sport und Kultur der Region. Hans-Joachim Kind erinnerte an das Siegerboot der Kaliwerker beim Großbootcup, und " ein Team unserer Auszubildenden hat beim bundesdeutschen Sicherheitswettbewerb von insgesamt 100 Teams den dritten Platz belegt. " Nicht zu vergessen sind 15 ausgebuchte Theateraufführungen des Holzhaustheaters auf der Halde, beziehungsweise bei Regen im Speisesaal des Werkes. " Hier gilt auch ganz besonders dem Bergmannsverein großer Dank. "

Zum Ende der Feierstunde mochten die Gäste in der Katharinenkirche das Zupforchester und die beiden Chöre gar nicht aus der bewegenden Musik entlassen, der Applaus wollte nicht verklingen. Doch Klaus Krüger lockte mit einem herzhaften Tscherper-Essen im Katharinensaal. Und der Zulauf war – wie schon in der Kirche – immens. " Wir müssen mal schauen, wie wir das im kommenden Jahr mit den Sitzplätzen machen. Wenn sie in Wolmirstedt nicht ausreichen, dann ziehen wir halt in den Dom um ", erklärte Krüger schmunzelnd.