Gleich zweimal mussten die Stadt- und Ortschaftsfeuerwehren am vergangenen Wochenende zum Biomasseheizkraftwerk des Bodelschwingh-Hauses ausrücken. Die Volksstimme hakte nach, wieso es zu dieser Einsatzhäufung in dem Ende Oktober offiziell in Betrieb genommenen Objekt kommt.

Wolmirstedt. Im Frühsommer 2007 rauchte im Biomasseheizkraftwerk des Bodelschwingh-Hauses erstmals der Schornstein. Während der Phase des Testbetriebes mussten die Stadtund Ortschaftsfeuerwehren mehrfach ausrücken, weil die Brandmeldeanlage fälschlicherweise Alarm geschlagen hatte. Daran erinnert sich nicht nur Stadtwehrleiter Dirk Bischoff. Im Mai 2008 kam es dann in dem Objekt in der Angerstraße zu einem ersten Großeinsatz – durch eine Verpuffung wurden zwei Mitarbeiter schwer verletzt.

Diese Negativschlagzeilen führten natürlich auch bei den Betreibern zum Umdenken. Bevor Ende Oktober dieses Jahres 120 geladene Gäste die offizielle Inbetriebnahme, wurde die Art der Feuerung des Heizkraftwerkes verändert – von ursprünglich Wirbelschicht- auf klassische Feuerung.

" Befinden uns bis

Januar noch in der Testphase des neuen

Feuerungssystems "

Nach Aussagen der Betreiber sei mit den Reparatur- und Umbauarbeiten unter Hinzuziehung ausgewiesener Experten aus Österreich bereits im Juli 2008, also kurz nach der Havarie, begonnen worden. Das Biomasseheizkraftwerk, das derzeit in einem gewissen Einzugsbereich den Objekten der Behinderteneinrichtung einheizt, wird von der BEC-Bodelschwingh-Haus Wolmirstedt Energy Consult GmbH betrieben. Diese ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Bodelschwingh-Hauses Wolmirstedt und der PMB Energy GmbH mit Stammsitz in Braunschweig, verrät Bernadette Olma.

" Nach dem Umbau, der mit zahlreichen Auflagen verbunden ist, befinden wir uns derzeit immer noch in einer Testphase des neuen Befeuerungssystems, die voraussichtlich noch bis Januar oder Februar 2010 dauern wird. Für diesen Zeitraum sind die Abnahmemessungen vorgesehen ", erklärt die Pressesprecherin des Bodelschwingh-Hauses.

Die Betreiber bedanken sich für die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr und bedauern die Häufigkeit der Alarmierungen. " Auch aufgrund der Auflagen durch das Brandschutzgesetz ist die Meldeanlage sehr sensibel, schlägt bei kleinster Rauchentwicklung aus. Natürlich ist das aber grundsätzlich gut, für den Fall, dass wirklich mal etwas passiert ", so Bernadette Olma.

Grund für die Einsätze am vergangenen Wochenende seien Druckschwankungen gewesen. " In dem Feuerraum besteht – im Vergleich zur Atmosphäre außerhalb – ein Unterdruck. Dieser ist nötig, damit nicht ständig Rauch austritt. Es gibt ein Messgerät, das die Druckdifferenz zwischen Innen und Außen anzeigt und diese Informationen an einen Ventilator weitergibt, der – je nach Notwendigkeit – unterschiedlich stark läuft ", erklärt die Pressesprecherin im Namen des Betreibers.

" In den beiden konkreten Fällen vom Wochenende zeigte das Messinstrument die falschen Werte, weswegen der Ventilator nicht ausreichend lief und es zu dieser Rauchentwicklung kam. Dieser Fehler ist aber mittlerweile behoben ", versichert sie.

" Wir als Feuerwehr fahren – besonders nach der Verpuffung – bei jedem Alarm scharf hin, gehen also nicht davon aus, dass es sich um einen Fehlalarm handeln könnte ", erklärt Dirk Bischoff, wie die Wolmirstedter Feuerwehr auf die Meldungen reagiert.

" Gehen immer

zuerst davon aus,

dass es sich um einen

Notfall handelt "

Nach den zahlreichen Alarmierungen der Anfangszeit vor zwei Jahren möchte er nicht mehr von einer besonderen Häufung sprechen. Bischoff selbst war auch schon bei Informationsgesprächen vor Ort, hat mit der Stadtwehr, allerdings noch nicht mit den Kameraden aus den Ortschaften, im Objekt auch geübt. " Wichtig ist, dass die Betreiber die Brandmeldeanlage auf keinen Fall abstellen, auch oder gerade weil sie so sensibel ist. Schließlich dient dieses Gerät dem Schutz des Objektes und vor allem dem der Mitarbeiter ", gibt Bischoff einen wichtigen Hinweis.

" Gemeldete Brandeinsätze sind für die Objektbetreiber solange kostenfrei, wie kein Vorsatz vorliegt ", erklärt der Wehrleiter. Anfallende Kosten für die Feuerwehrleute trage in diesem Fall die Stadt. Nur bei Fehlalarmierungen bestünde die Möglichkeit, diese den entsprechenden Verantwortlichen in Rechnung zu stellen. Das sei aber bei den Einsätzen der jüngsten Vergangenheit nicht mehr der Fall gewesen, so Bischoff auf Nachfrage der Volksstimme.