Im Juni 2004 machten sich Herbert Müller und zwei weitere Colbitzer auf den Weg, um Spuren der ehemaligen Förstereien Schnöggersburg und Bockelberg aufzusuchen. Die Förstereien mussten 1934 dem Schießplatz der Heeresversuchsanstalt weichen.

Colbitz. " Der eigentliche Auslöser war unser gemeinsames Interesse an der Pilzsuche ", erinnert sich Herbert Müller. Der Colbitzer Hobbyhistoriker hat schon mehrfach mit seinen Nachforschungen und Vorträgen über die Colbitzer Geschichte für Aufsehen gesorgt. Auch über die damalige Heidewanderung will Herbert Müller einen Vortrag halten. " Voraussichtlich im Februar ", so Müller, der damit die Colbitzer Forstgeschichte, weiter aufarbeiten möchte und der Volksstimme eine Vorabinformation gab.

" Mit einem Kleintransporter transportierten wir unsere Fahrräder bis in die Nähe des Dorfes Brunkau. Auf streckenweise ziemlich sandigen Wegen ging es zunächst durch den mit Kiefern bestandenen Brunkauer Bauernwald. Mit den Fahrrädern durchfuhren wir den nord–nordöstlichen Teil der Colbitz–Letzlinger Heide. Das erste Ziel war die ehemalige Försterei am Bockelberg ", beginnt Müller seinen Bericht. " Ein Laubwald-Gebiet, das uns Colbitzern nicht so sehr bekannt ist, das aber einigen Pilzsuchern schon sagenhafte Erträge beschert haben soll. Deutliche Siedlungsreste markieren den Standort. Ein alter Brunnen, von der Bundeswehr instandgesetzt, könnte das Zentrum der Ansiedlung gewesen sein. "

Weiter ging es in nordwestliche Richtung, nun aber schon durch das Truppenübungsgelände, zu der alten Försterei Schnöggersburg. " Es geht durch ein fast kahles Gelände, in dem die Munitionsräumung bereits geschehen ist. Zu diesem Zweck ist der Bewuchs der Flächen weitestgehend entfernt. Bei dem Regenwetter ein seltsam düsterer Anblick. Häufig liegen im Gelände große Pyramiden von Feldsteinen und Findlingen, die bei der Bergung der Munition mit aus der Erde herausgeholt wurden. In der unmittelbaren Umgebung der ehemaligen Försterei Schnöggersburg sind umfangreiche Jagdeinrichtungen wie Wildäcker, Heu-Reuter und Hochsitze angelegt. Die Reste der alten Forsteinrichtung sind erkennbar an einem Restfundament, einem ausgetrockneten Teich und einem Brunnen. Als ganz besonders verwunderlich gibt es im vormaligen Garten nach fast sieben Jahrzehnten Wüste eine blühende Pfingstrose. Hier war einst auch eine Gastwirtschaft, ein beliebtes Ausflugsziel ", heißt es in dem Bericht, dem Müller einige Bemerkungen anfügt.

Kritische Gedanken

" Eigentlich ungewollt gehen beim Anblick der Umgebung die Gedanken von der alten Forstgeschichte hin zu der Nutzung durch die Armeen internationalen Spektrums. Es drängt sich die Frage auf, wieviel Material, wieviel Zeit, wieviel geistige Arbeit sind wohl für die Erprobung des mörderischen Spektakels aufgewendet worden ? Wieviele Menschen mussten ihr Leben, ihr Hab und Gut auf Grund der Entscheidung von Politikern, die Erprobungs-Ergebnisse im Ernstfall anzuwenden, hergeben ? Wieviel Arbeit macht es, die materiellen Folgen zu beseitigen, von seelischem und körperlichem Elend mal ganz zu schweigen. Eigentlich müsste doch die Menschheit auf Grund der Erfahrungen in der gesamten Weltgeschichte, besonders aber wir Deutschen, von der Lust auf Krieg geheilt sein. Es kann einfach nicht sein, dass die Diskussion über fehlende Arbeitsplätze einer solchen Handhabung Vorschub leistet. Es sei denn, man sieht die Sache so, dass ein Krieg die effektivste Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sei. "