" Wenn das Herz aus dem Takt gerät ... " hieß das Thema des Medizinischen Sonntags und das lockte wieder viele Besucher in den Katharinensaal. Der Kardiologe Dr. Stephan Hobrack referierte.

Wolmirstedt. Im Alltag ist das Herz weit mehr als ein Organ. Wer vom Herzen spricht, meint nicht immer nur den Muskel. Es ist eng verbandelt mit der Seele, mit unserem Gemütszustand, es ist Ausdruck des Fühlens. Verliebte haben Herzklopfen, Erschrockenen bleibt das Herz stehen, große Aufregungen verursachen " Herzattacken ". All das sind keine Krankheiten, sondern bildhafte Beschreibungen für alle Facetten zwischen Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Doch manchmal gerät das Herz auch ganz von allein aus dem Takt. Dann ist der Kardiologe gefragt und der betrachtet das Herz als einen Muskel. Dr. Stephan Hobrack von Sana-Ohre-Klinikum ist so ein Kardiologe und er hatte die " Taktlosigkeiten " des Herzens bildhaft und aus medizinischer Sicht aufbereitet.

" Wir können nicht beeinflussen, wie unser Herzmuskel arbeitet ", stellte er klar, " anders als die Muskeln in unseren Armen, die können wir nutzen oder auch nicht. " Im Herzen fließt Strom, es arbeitet allein. Die Zuverlässigkeit nimmt im Alter ab, besonders bei älteren Menschen nehmen Herzrhythmusstörungen zu. Manchmal haben die Betroffenen eine Ahnung davon, weil das Herz rast oder stolpert, des Nachts oder bei körperlicher Belastung, das heißt aber lange noch nicht, dass der Kardiologe das auch sehen kann. " Die Diagnostik ist schwer, weil Herzrhythmusstörungen sehr unregelmäßig auftreten und nicht immer ein EKG-Gerät zur Vefügung steht ", sagt Dr. Hoback, " Patienten, die über nächtliche Beschwerden klagen, liefern am Tege in der Praxis ein völlig normales Elektrokardiogramm ". Beim EKG wird der Strom im Herzen sichtbar gemacht. " Das ist das Wichtigste vor jeder Behandlung. "

Dr. Hobrack hatte einen humorvollen Einstieg in das Thema gewählt, das im richtigen Leben gar nicht komisch ist. Er zeigte, wie Mr. Bean plötzlich zum Retter wurde, einem Passanten, der zusammen gebrochen war, ins Leben zurückhalf. Mr. Bean fand auf der Straße zum Glück Elektroden und brachte den Strom des Patienten wieder zum Fließen. Ganz abwegig war die Szene nicht, denn manchmal wird Vorhofflimmern tatsächlich mit Elektroschocks - natürlich unter Narkose - behandelt.

" Überhaupt hat sich in der nichtmedikamentösen Behandlung von Herzrhythmusstörungen in den letzten 25 Jahren eine Revolution vollzogen ", sagt Dr. Hobrack, " Störungen, die früher kaum therapierbar waren, bekommen wir jetzt gut in den Griff. " Herzschrittmacher sind eine segensreiche Erfindung. Das A und O sind jedoch immer Diagnose und Ursachenforschung. " Herzrhythmusstörungen haben manchmal ihre Ursache im Bluthochdruck oder in einer Diabetis. Dann müssen diese Krankheiten behandelt werden. Manchmal erledigen sich die Herzrhythmusstörungen dann von allein. "

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall. " Ich hatte einen Patienten, der sagte ... jut jeschlafen, nix jemerkt ... und dessen EKG zeigte eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung ", berichtete Dr. Stephan Hobrack. Dem Mann konnte geholfen werden. Andere erliegen dem plötzliche Herztod, weil auch sie nichts gemerkt haben.

Das weite Feld der Herzrhythmusstörungen hatte viele Menschen interessiert, auch nach dem Vortrag des Kardiologen stellten die Besucher viele Fragen. Dr. Hobrack verwies auf die Schwierigkeit der Diagnostik und ermunterte zum Besuch beim Herzdoktor, denn : " Kardiologen find ich gut. "