Wolmirstedt. In diesem Jahr wurde Wolmirstedt 1000 – Es gab für die Wolmirstedter verschiedene Souvenirs zu kaufen : eine Festschrift, Bildersammlungen, ein Hörbuch mit Sagen, Tassen, Anstecknadeln, Einkaufsbeutel, T-Shirts, Poloshirts – als Geheimtipp vor allem für an Archäologie interessierte Heimatfreunde mag wohl jene Broschüre im A 5-Format gelten, die es an der Kasse des Museums auf der Schlossdomäne zu kaufen gibt und über die auf dieser Seite noch nicht geschrieben wurde. Die 42 Seiten dicke Büchlein wurde mit freundlicher Unterstützung der Stadt gedruckt. Es trägt den Titel " Kleine Hefte zur Archäologie in Sachsen-Anhalt ", ist Heft sechs in dieser Schriftenreihe und dokumentiert Grabungen am Schlossberg in Wolmirstedt im Zeitraum von 1988 bis 2007. Herausgeber der Broschüre ist Dr. Harald Meller vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle ( sehr bekannt geworden durch die Himmelsscheibe von Nebra und das Editha-Grab im Magdeburger Dom ).

Das 3, 50 Euro teure Heft enthält Beiträge von Götz Alper, Brigitte Dahmen, Juliane Huthmann, Ralf-Jürgen Prilloff, Christoph Schaufert, Maik Tews und David Tucker.

Vom Maik Tews, Mitarbeiter des hiesigen Museum, stammt das mit acht Seiten umfangreichste Kapitel. Tews schildert Grabungen am Burgwall. Den Wall hatte bereits Thietmar von Merseberg ( 975 bis 1018 ) in seiner Chronik erwähnt. Bei den archäologischen Untersuchungen wurde unter anderem ein vergoldeter, 1000 Jahre alter Ring mit milchig-weißer Glasflusseinlage zu Tage befördert. Er muss zwischen Schutt und Asche gelegen haben. Brandspuren lassen das vermuten. Wer das besondere Fundstück getragen hat – Erbauer oder Zerstörer der Burg – ist nicht mehr zu klären. Auf alle Fälle kommt Tews in seinem Kapitel zu dem Schluss, dass die Untersuchungen der Archäologen die schriftlichen Überlieferungen Thietmars bestätigt hätten.

Aufgrund der Entscheidung der Stadt, die Schlossdomäne im Hinblick auf die 1000-Jahrfeier neu zu gestalten, fanden ab 2003 mehrere Baumaßnahmen an diesem geschichtsträchtigen Ort statt. Der grundhafte Ausbau der gesamten Fläche sowie die Neuverlegung diverser Versorgungsleitungen riefen die Archäologen auf den Plan. Aufsätze von Brigitte Dahmen und Juliane Hartmann im Heft fassen zum ersten Mal die Ergebnisse dieser baubegleitenden Grabungen zusammen.

Christoph Schauferts und Ralf-Jürgen Prilloffs Ausführungen am Ende Büchleins machen das Alltagsleben im Mittelalter auf der Burg deutlich. Erhellende Rückschlüsse ließen sich 2003 aus dem Fund eines Mist- / Abfallhaufens und eines Zaunes aus Flechtwerk ziehen. Tierreste, hauptsächlich Tierknochen, ließen Erkenntnisse über die Energieund Rohstoffquellen der damaligen Menschen zu.