Freitag Nachmittag, sonniges Herbstwetter, Vorabend des Reformationstages in Luthers Land – und dennoch waren etwa 120 Persönlichkeiten der Kommunalpolitik, der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens in das Gebäude der Werkstatt für Behinderte in der Angerstraße gekommen. Der Grund : Das Bodelschwingh-Haus verband den Tag der offenen Tür in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen mit der offiziellen Inbetriebnahme seines Biomasseheizkraftwerkes.

Wolmirstedt. Nach erfolgreichem Umbau raucht der Schornstein. Den Liegenschaften des Bodelschwingh-Hauses kann richtig eingeheizt werden. Alle Beteiligten – nicht zuletzt die Freitag zahlreich erschienenen Nachbarsleute – hoffen, dass der Betrieb des Holz und Hackschnitzel aus kirchlichen Waldressourcen verbrennenden Kraftwerkes nunmehr mit weniger Problemen und weniger Krach für die Anrainergrundstücke von statten geht. Jelto Papendieck und Jürgen Block von der Betreibergesellschaft Bodelschwingh Energy Consult erinnerten an den Leidensweg des Biomassekraftwerkes seit der Erstinbetriebnahme vor zwei Jahren, in dessen Abfolge auch eine Havarie ( Verpuffung ) mit Personenschaden zu verzeichnen gewesen ist. Wie Block im Rahmen eines geführten Rundganges durch die Anlage wissen ließ, habe die ursprünglich vorgesehene Wirbelschichtfeuerung nicht funktioniert. Man habe auf klassisches Feuerungssystem umstellen müssen. Mit den Reparatur- und Umbauarbeiten unter Hinzuziehung ausgewiesener Experten aus unserem Nachbarland Österreich sei im Juli 2008 begonnen worden. Der Umbau sei vor wenigen Tagen erfolgreich abgeschlossen worden. In einer zweiten Ausbauphase sei nunmehr an die Beheizung von Gewächshäusern gedacht.

Peter Hugo, Vorstand des Bodelschwingh-Hauses, erinnert daran, dass sich die Einrichtung des Diakonischen Werkes mit dem Betrieb des Biomasseheizwerkes im Rahmen der Energiewende ein Stück Unabhängigkeit und Sicherheit für die Zukunft schafft. Wohl deshalb stehe ihr die Ehrung mit dem Titel " Unternehmen mit Weitblick " bevor. Laut Peter Hugo soll die Ehrung im November in Coburg erfolgen.

Zum Tag der offenen Tür hatte die Stiftung eingeladen, um der Region und den Auftraggebern der Werkstatt für Behinderte öffentlich Dank zu sagen. Die anerkannte Werkstatt besteht seit 1991. Sie ist aus der ehemaligen Arbeitstherapie hervorgegangen. Chronische Raumnot wurde mit dem Neubau an der Angerstraße beendet. In ihr arbeiten Menschen, die wegen der Schwere ihrer Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können. In Bereichen wie Montage / Demontage / Verpackung, Wäscherei / Näherei, Dienstleistungen / Küche, Landschafts- und Gartenpflege sowie Recycling / Metall stehen ca. 200 Arbeitsplätze zur Verfügung. Der Recyclinghof ist als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert. Auf einer Demontagelinie werden Fernseher, Videorecorder, Hifi-Geräte, Waschmaschinen und Kühlschränke fachmännisch zerlegt. Die Einzelteile werden nach Wertstoffen sortiert und den Entsorgungsfirmen zugeführt.