Die Lindhorster feiern morgen ein Jubiläum : die erste urkundliche Erwähnung ihres Dorfes vor 625 Jahren am 29. November 1384. Ein Wermutstropfen trübt allerdings die Festfreude. Seit Monaten fehlt das Ortseingangsschild. Jetzt griffen die Lindhorster zur Selbsthilfe.

Lindhorst. " Vor mehr als einem halben Jahr haben vermutlich Trophäenjäger unser Ortseingangsschild gestohlen. Seitdem hießen wir nicht mehr Lindhorst, sondern nur noch 50 ", spielt Ortsbürgermeister Ralf Ganzer auf das Geschwindigkeitsbegrenzungsschild an, das vom Eigenbetrieb Straßenbau und -unterhaltung an Stelle des gestohlenen Ortseingangsschildes gesetzt wurde. Der Eigenbetrieb ist Baulastträger der Kreisstraße, die von der Bundesstraße 189 nach Lindhorst führt.

Jedes einzelne Schild kostet etwa 400 Euro

" In den letzten Monaten sind im Landkreis Börde zahlreiche Ortseingangsschilder gestohlen worden ", informierte Karin Neuendorf, Leiterin des Eigenbetriebes auf Volksstimme-Nachfrage. " Wir werden diese Schilder wieder ersetzen, auch wenn uns jedes einzelne Schild etwa 400 Euro kostet. "

Warum das bislang noch nicht geschehen ist, kann Karin Neuendorf begründen. " Wegen der Gemeindegebietsreform entstehen ab 1. Januar 2010 zahlreiche neue Gemeindestrukturen, so dass sich auch die Bezeichnung auf den Ortseingangsschildern ändern wird. Wir wollen aus Kostengründen abwarten, bis die korrekten Bezeichnungen feststehen. Solange stellen wir nur die 50-Schilder auf. "

Der Eigenbetrieb Straßenbau und -unterhaltung erwartet von den künftigen Einheitsgemeinden beziehungsweise Verbandsgemeinden verbindliche Informationen, wie die korrekte Bezeichnung auf den Schildern lauten muss. " Die neuen Schilder können dann nach Beendigung der Frostperiode im Frühjahr 2010 aufgestellt werden ", so Karin Neuendorf.

Aber so lange wollten die Lindhorster nicht warten. Ortsbürgermeister Ralf Ganzer hat bei einer Werbeagentur ein Schild in Auftrag gegeben, dass dem offiziellen Schild täuschend ähnlich sieht. Gestern Vormittag machte sich Ganzer mit Spaten und Waserwaage daran, das Schild aufzustellen. " Es war ein unhaltbarer Zustand. Ein 625 Jahre alter Ort hat keinen Namen mehr ", begründete der Ortsbürgermeister sein Engagement. Die Kosten für das neue Schild bestritt Ganzer übrigens aus eigener Tasche.

Namen der Dörfer sollen erhalten bleiben

Ganzer weist auch auf die etwas provokatorische Inschrift auf dem Schild hin. Dort steht " Lindhorst, Verbandsgemeinde Elbe-Heide, Landkreis Börde ". Da Lindhorst aber ab 1. Januar 2010 seinen Ortschaftsstatus verliert, ein entsprechender Bürgerentscheid für eine kommunale Selbständigkeit scheiterte bekanntlich, ist die Gemeinde dann ein Teil von Colbitz.

" Es wäre schön, wenn auf den künftigen Ortseingangsschildern aber der Name des Dorfes weiter erscheint ", befürchtet Ganzer, dass dann nur noch " Colbitz, Landkreis Börde " zu lesen sein wird. " Das betrifft ja auch viele andere Dörfer in unserer Region, beispielsweise unser Nachbardorf Dolle, das ab 1. Januar zur Gemeinde Burgstall gehören wird. "

Ob das eigengefertigte Schild lange am Lindhorster Ortseingang stehen wird ? " Ein eigenmächtig aufgestelltes Schild bedeutet ebenso wie das Entfernen der Schilder einen Eingriff in die Straßenverkehrsordnung ", weist Monika Darlong vom Straßenverkehrsamt des Landkreises Börde auf mögliche Konsequenzen hin.

Auf jeden Fall dürften morgen die zahleich erwarteten Besucher des Jubiläumsfestes den Weg nach Lindhorst finden.