Rottmersleben. Unter frenetischen Protestgesängen der Rottmersleber Schüler und Kindergartenkinder überreichte am Freitag auf der Baustelle des Kita-Neubaus Verwaltungsamtleiterin Steffi Trittel ein Schreiben an Rottmerslebens Bürgermeister Hans Eike Weitz. Darin wendet sich die Gemeinde an Ministerpräsident Wolfgang Böhmer mit der Bitte, noch einmal sämtliche Sachverhalte in Zusammenhang mit dem geplanten 128 Hektar großen Hartgesteinstagebau und der im Landesentwicklungsplan 2010 vorgesehenen Ausweisung eines großflächigen Vorranggebietes für die Rohstoffgewinnung eingehend zu prüfen. Die Verwaltung hatte das Schreiben im Auftrag der Gemeinde Rottmersleben verfasst.

Auch ein Team des MDRFernsehens war vor Ort und drehte einen Beitrag über die derzeitige Situation. Der Filmbeitrag war am Sonntagabend in der Sendung " Sachsen-Anhalt heute " zu sehen.

Gegner wollen Ängste berücksichtigt wissen

Nach wie vor ringen die Gegner des geplanten Stein-Tagebaus zwischen Rottmersleben und Schackensleben um eine Berücksichtigung ihrer Ängste. Vor allem der gegenwärtig vom für Raumordnung zuständigen Landesverkehrsministerium

vorbereitete Landesentwicklungsplan ( LEP ) 2010 ist Stein des Anstoßes für die Bürgerkritik. " Wir sehen nicht ein, weshalb hier ein neuer Tagebau aufgeschlossen werden soll, wo beispielsweise in Flechtingen ein Tagebau noch für 40 Jahre genügend Rohstoffvorräte besitzt. Im aktuellen Entwurf des Landesentwicklungsplans werden die Flechtinger Steinvorräte auf 20 Jahre heruntergespielt, obwohl vorher immer von 40 Jahren die Rede gewesen ist. Hier sind so viele Ungereimtheiten enthalten, für die wir eine Klarstellung fordern ", meinte Bürgermeister Weitz.

Gegenwärtig liegt der zweite Entwurf des neuen Landesentwicklungsplanes zur Einsicht für alle Betroffenen aus. Bereits zum ersten Entwurf hatten so gut wie alle Gemeinden eine Stellungnahme abgegeben, die sich im Kern gegen die großflächige Ausweisung von Vorranggebieten für die Rohstoffgewinnung ausgesprochen und auf befürchtete Folgen hingewiesen hatten.

" Nicht einer dieser Hinweise ist im aktuellen, zweiten Entwurf des Landesentwicklungsplans berücksichtigt worden ", hatte Amtsleiterin Steffi Trittel bereits am Dienstag während der Sitzung des Gemeinschaftsausschusses der Hohen Börde berichtet.

Bis Ende des Jahres sollen nun die Gemeinden erneut Stellungnahmen, insbesondere zum Umweltbericht des LEP, abgeben. Die Bürgermeister fragen sich nur, warum sie überhaupt eine Stellungnahme abgeben sollen, wenn ihre Kritikpunkte ohnehin nicht berücksichtigt würden. " Wir geben nicht auf und kämpfen bis zuletzt ", bekräftigte Weitz am Freitag. " Wir bauen hier derzeit eine 1, 8 Millionen Euro teure Kita und keine 500 Meter weiter entsteht hier ein gigantisches Abraumloch mit erheblichen Auswirkungen auf die Infrastruktur, die Lärm- und Staubbelästigung, das Eigentum der Bürger und die Grundwassersituation. Unsere Bauern fürchten um ihren fruchtbaren Boden. Aber keiner hört darauf ", sagte Weitz vor laufenden Kameras.