Wer weiß, wie viele Frauen dem smarten Schönling noch auf den Leim gegangen sind. Ein 31-jähriger ehemaliger Oebisfelder Geschäftsmann musste sich jetzt vor dem Haldensleber Amtsgericht verantworten, weil er zwei Frauen die große Liebe vorgaukelte, sie belog und betrog und gnadenlos abzockte.

Oebisfelde / Haldensleben.

Auch eine Mitarbeiterin eines Callcenters in Leverkusen war auf den 31-Jährigen hereingefallen, den sie im Januar 2007 im Internet auf einer Homepage für Singles kennenlernte. Als erfolgreicher selbständiger Vertriebspartner einer Kosmetikfirma hatte er sich präsentiert, mit Büroräumen in Oebisfelde.

Fast täglich schickte er ihr Kurznachrichten aufs Handy mit Liebesbeteuerungen und dem Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft. Im April 2007 heuerte er die 24-Jährige als Vertriebspartnerin an und kassierte Provision. Als ihre Umsätze ins Minus gerieten, forderte der Angeklagte bis Juni 2007 per SMS unter Vortäuschen von Notsituationen Geld von der Freundin. " Ein russischer Gläubiger will die Kohle zurück, sonst schlägt er mich zusammen ", hieß es da. Aus Angst und Sorge um den Geliebten überwies die Frau etappenweise Beiträge von insgesamt 4 300 Euro oder übergab ihm das Geld persönlich. Danach wollte er weitere 1 000 Euro mit der Begründung, dass ihn der Russe sonst entführe und sie seine lange Abwesenheit wohl kaum ertragen würde.

Doch die 24-Jährige war pleite, und ihr Traummann hüllte sich wochenlang in Schweigen.

Am 16. Juli 2007 gibt sie dann bei der Polizei in Oebisfelde eine Vermisstenanzeige auf und erfährt, dass der Mann wenige Straßen weiter bei seiner Lebensgefährtin wohnt. Verzweifelt fährt sie zurück nach Leverkusen, während die Beamten den Sachverhalt ermitteln und Strafantrag gegen den Betrüger stellen. " Ich war blind in ihn verliebt, naiv und finanziell total am Ende ", so die enttäuschte junge Frau als Zeugin vor dem Haldensleber Amtsgericht. Genauso ergeht es der damaligen Lebensgefährtin des Angeklagten, die für ihn ein Darlehen über 27 500 Euro aufnahm und nun tilgen muss.

Auch eine Urkundenfälschung im April 2007 in der elterlichen Wohnung der 24-Jährigen in Leverkusen konnte dem äußerst selbstbewussten Mann, der alle Vorwürfe zunächst bestritt, nachgewiesen werden. Der Vater bestellte damals zwei Tuben Handcreme für 18 Euro bei ihm und hatte danach ein Abo für 160 Euro mit Pflegeprodukten am Hals. Der " so gut aussehende und erfolgreiche " vermeintliche zukünftige Schwiegersohn hatte auf dem Bestellformular dreist mit dem Namen des Vaters unterschrieben.

Der Angeklagte ist dreimal wegen Verkehrsdelikten vorbestraft, lediger zweifacher Vater, arbeitslos und lebt heute in Baden-Württemberg. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Er hat sich einem Bewährungshelfer zu unterstellen und muss 150 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.