Wolmirstedt. Magdeburg ist ja nun eine Otto-Stadt, aber ein bisschen ist das Wolmirstedt auch. Denn wir haben auch einen Otto, sogar einen, der Geburtstag hat. Unser Ottchen – Otto Zeitke – wird heute 85 Jahre alt.

Er ist immer noch fit, unterwegs in der Stadt, an der Ohre, und immer hat er seinen schwarzen Lederbeutel dabei. Auf seinen Streifzügen sammelt er Geschichten, manche schieben sich aus der eigenen Erinnerung ins Bewusstsein, weitere Begebenheiten erfährt er von anderen " Eingeborenen ". Die Eindrücke und Erinnerungen bringt er auf seine überbordende Art zu Papier. Jeden Tag schreibt Otto Zeitke sein Tagebuch, " selbst im Urlaub ", weiß sein engster Freund Alfred Wiese zu berichten. Auf diese akribische Weise entstand über Jahrzehnte ein persönliches Archiv, schwarz auf weiß, immer wieder nachlesbar, nicht durch die üblichen Streiche des menschlichen Gedächtnisses verklärt und geschönt.

Neben dieser persönlichen Form gießt Otto Zeitke sein Wissen in Bücher, sein zwölftes heißt " In Ufernähe ", und der Titel verrät, wo sich Otto am liebsten aufhält. Die Ohre ist so etwas wie sein Lebensfluss. Als Kind badete und tauchte er dort, davon schreibt er, auch vom Kohlenklau in der Nachkriegszeit. Verflochten mit seinen Geschichten setzt er der Geschichte der Stadt ein Denkmal, erzählt von der Lederherstellung, den Belagerungstruppen, von jeder Straße, die noch am Beginn seines Lebens zum Ortsbild gehörte. " Straßengesichter meiner Stadt ", und " Zeitsprünge " sind Bände, die er nach der Wende zusammen mit Erhard Jahn erarbeitete, sie können getrost als Wolmirstedter Bestseller gelten. Für sein unermüdliches Wirken wurde Otto Zeitke als Erster mit der höchsten Auszeichnung Wolmirstedts, der Heiligen Katharina, geehrt.

Unermüdlich ist er in seinem Schaffen, das dreizehnte Buch ist gedruckt. " Schreiben ist wie eine Geliebte, die niemanden neben sich duldet ", sagte er einmal, und nebenher lief sein Lebensweg. Nach der Schule lernte er in der Kreisverwaltung, meldete sich 1942 als Freiwilliger bei der Kriegsmarine. 1946 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, arbeitete beim Rat des Kreises, studierte Volkswissenschaft, Philosophie und Staatswissenschaft, wurde schließlich Leiter der Kreisstelle für Statistik in Wolmirstedt.

Außerdem kümmerte er sich lange um den schreibenden Nachwuchs, war um die Jahrtausendwende Vorsitzender des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt, hielt die Verbindung zwischen Literatur, Autoren und Schülern.

Seine eigenen Kinder sind schon lange erwachsen, seine Frau Erika kümmert sich um das Haus und den Garten. Das gehört alles zu Otto Zeitkes Biografie und ist doch nicht das, was ihn ausmacht. " Die Heimat ist für Otto sein Ein und Alles ", verrät Alfred Wiese sicher nichts Neues. " Es ist für mich fast unmöglich, inmitten der Stadt mit ihm zu reden, denn jeder Zweite kommt auf ihn zu und hat etwas zu erzählen. Und Otto, der hört immer geduldig zu. " Es ist sein großes Herz, das die Leute auf den Dichter zu gehen lässt, das Gefühl, dass jeder darin einen Platz findet. Otto Zeitke hört nicht nur zu, er gibt sein Wissen gern weiter, nicht nur in seinen Geschichten und lyrischen Ergüssen, sondern auch im Gespräch. " Von Otto erfahre ich viele Zusammenhänge, die ich nicht wissen kann ", erzählt Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander, " schließlich wohne ich erst 30 Jahre lang hier. "

" Im Heimatverein ist er immer noch die treibende Kraft, der Ideengeber ", gesteht Alfred Wiese. " Auch die 1000-Jahr-Feier wäre ohne Otto so nicht denkbar gewesen ", ergänzt Zander, " er hat als Arbeitsgruppenleiter die Festschrift wesentlich mitgestaltet, und dabei hat man ihm sein Alter nicht angemerkt, sondern nur die dazugehörige Weisheit. " In diesem Sinne wünscht Wolmirstedt seinem Otto ein ganz herzliches Happy Birthday.