Bei Wind und Wetter sind zwei Archäologen und ihr Team derzeit damit beschäftigt, südöstlich von Elbeu Überreste der Hildagsburg auszugraben. Bis zum Jahresende wollen sie die Arbeiten abschließen, damit der Ausbau des Mittellandkanals weitergeführt werden kann.

Elbeu. Vor 7000 Jahren ließen sich Siedler in der Nähe von Elbeu nieder – genau dort, wo sich heute die Eisenbahnlinie und der Mittellandkanal kreuzen. In den 1920 er und 1930 er Jahren, als die Bahnstrecke beziehungsweise der Kanal errichtet wurden, kam es zur Zerstörung von archäologisch wertvollen Überbleibseln aus vergangenen Zeiten.

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt ist schon seit einigen Monaten vor Ort, um bei einer Ausgrabung wertvolle Funde zu sichern und auf diese Weise einen Teil der Geschichte rekonstruieren zu können.

" Die ersten Ackerbauern, die hier siedelten, fanden nur Bäume vor ", erklärt Projektleiterin Dr. Susanne Friederich, " deshalb rodeten sie kleine Inseln in die Waldfläche, um Nutzpflanzen anbauen zu können ". Funde aus dieser Zeit bestehen hauptsächlich aus Stein und Knochen. Diese Materialien wurden damals unter anderem zu spitzen Gegenständen, wie etwa Nadeln oder kleinen Beilen, verarbeitet. Die Funde, so Dr. Friederich weiter, würden untersucht, dokumentiert und im Anschluss inventarisiert und katalogisiert.

Das 30-köpfige Team um die beiden Archäologen Dirk Dödtmann und Marcus Schneider ist auch gerade dabei, Überreste der mittelalterlichen Hildagsburg freizulegen. Diese wurde im achten Jahrhundert am westlichen Ufer der Elbe errichtet und beherrschte den Verkehr auf dem Fluss. Etwa um 1300 begann die Elbe einen östlichen Nebenarm zu bilden, der sich zum Hauptarm entwickelte. Die Hildagsburg verlor ihre strategische Bedeutung und verfiel.

Letztes Zeugnis ist eine 1376 erwähnte Kapelle. Die Innenfläche der Burg befand sich früher dort, wo heute Mittellandkanal und Bahnschienen kreuzen. Im Innenbereich sind noch Hausstrukturen erhalten. Außerdem wurden ein Wall sowie ein Graben freigelegt, der noch heute zweieinhalb Meter in den Boden ragt. Die Hausstrukturen, die das Archäologen-Team entdeckt hat, sind Überreste so genannter Grubenhäuser. Die Innenfläche dieser Gebäude war eingetieft und der Boden bestand aus gestampftem Lehm. " Die Bauweise und das Material trugen dazu bei, dass es im Sommer kühl war und im Winter die Wärme gespeichert werden konnte ", erklärt die Projektleiterin.

Bis zum Jahresende wollen die Archäologen ihre Arbeit südöstlich von Elbeu beenden. Grund dafür ist der Ausbau des Mittellandkanals für eine moderne und leistungsfähige Binnenschifffahrt. Da während der Baumaßnahmen der Schiffund Bahnverkehr so wenig wie möglich beeinträchtigt werden soll, entsteht neben dem vorhandenen Damm eine Ausweiche als Ersatzbauwerk. Diese führt dann die Schiffe über die zweigleisige Bahnlinie und quert auch die fast drei Hektar große Ausgrabungsfläche.