Wolmirstedt. Der Schriftsteller Frank Schroeder kam nach Wolmirstedt und es wurde schaurig. Im Schlosskeller trat er hinter sein Pult, las, flankiert von flackerndem Kerzenlicht, seine abgründigen Geschichten.

Zuerst begann er ganz harmlos mit einem Gedicht, in dem eine Mäusedame ihr Liebesleben reanimiert und noch einmal die höchsten Wonnen erlebt. Doch dann beschwor er seine nuraghischen Geister herauf. Seltsame Wesen sind das, nämlich die toten Seelen der sardinischen Ureinwohner, die in stürmischen Gewitternächten ihr Unwesen treiben. " Nuraghische Geister " heißt sein Erzählungsband und daraus las Schroeder dann ganz und gar keine Geistergeschichten, sondern blieb sehr pragmatisch in den Abgründen der menschlichen Seele und erzählte die Geschichte des " Rumpanschers von Padua ".

Der panscht nicht nur den Rum, sondern hintergeht seine Ehefrau, die sich dafür auf furchtbare Weise rächt und auch vor einem Vielfach-Mord nicht zurückschreckt. Angeklagt und verurteilt wird sie dafür nicht, denn schuldig kann nur der Rumpanscher sein, und der landet dafür im Folterkeller und wird zum Opfer einer in die Enge getriebenen Ratte.

" Ich habe mich ausgiebig mit Foltermethoden beschäftigt ", erzählt Frank Schroeder und nennt das Museum in London als Fundgrube für gesteuerte Grausamkeiten. Für die Zuhörer waren die Geschichten aber schon dadurch erträglich, dass Adrian Kehlinger zwischendurch Klavierstücke spielte. Der Haldensleber Musikschüler wurde von Frank Schroeder ordentlich angekündigt und herzlich verabschiedet. Damit, aber auch mit der betonten Vortragsweise, verriet er seinen Beruf.

Schroeder ist Moderator bei Berliner Rundfunkanstalten, " aber seit ein paar Jahren schreibe ich auch. " Sein erstes Buch beschreibt übrigens eine authentische Spurensuche. In Verbindung mit einem Moderationsauftrag erfuhr er von zwei Wissenschaftlern, die 1908 in Island verschollen sind. Die Verlobte einer der beiden Männer macht sich auf die Suche nach ihnen und hält ihre Wegstrecken und Gedanken in einem Tagebuch fest. Davon erfährt Frank Schroeder und folgt mit diesem Tagebuch im Gepäck ebenfalls den Verschollenen. Spuren fand er keine, weder von den Wissenschaftlern noch vom Aufenthalt der Verlobten. Aber inmitten der Einsamkeit isländischen Vulkangesteins entwickelte sich seine Geschichte.

Das Buch " Die Eisumschlungene " wurde auch ins Isländische übersetzt, die isländische Übersetzerin hatte Frank Schroeder am Freitag nach Wolmirstedt begleitet. Um so bedauerlicher war deshalb die geringe Besucherzahl, leider hatten nur wenige Interessierte den Weg in den Schlosskeller gefunden.