Die 18. Landesliteraturtage wirken über die Grenzen von Haldensleben in den ganzen Kreis hinaus. Am Kurfürst-Gymnasium fanden gestern zwei Veranstaltungen in diesem Rahmen statt. Nach der Präsentation der Literatur-Zeitschrift " Ort der Augen " konnten Nachwuchsautoren ihre Werke bei einer Poetensprechstunde vorstellen.

Wolmirstedt. Einer der ersten, der sich traute, seine selbstverfassten Werke bei der Poetensprechstunde zu öffentlichem Gehör zu bringen, war der elfjährige Darius Nöldge. Der Gymnasiast aus Haldensleben stellte ein Frühlingsgedicht und das Märchen " Tieferschneid " vor. Das Publikum in der Bibliothek des Kurfürst-Gymnasiums belohnte den Nachwuchspoeten mit Applaus. Auch für sein jüngstes Werk. " Das Gedicht entstand in den Herbstferien bei einem Kultururlaub in Weimar und heißt ‚ Du, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ‘", moderierte der Siebentklässler seine Lesung an.

Für die Bewertung und Diskussion der vorgestellten Beiträge waren neben dem Publikum die Autoren Sascha Kokot und Ralf Meyer zuständig. Die beiden Schriftsteller wissen, worauf es ankommt, wie Geschichten spannend erzählt werden und was man bei der Platzierung von Pointen beachten muss. Nachwuchspoet Darius erhielt von allen Seiten Lob.

" Erstaunlich für einen Elfjährigen " und " wunderschön " sei das, was der Junge zu Papier gebracht hat, lobten die Zuhörer. Das bestätigten auch die beiden hauptberuflichen Schriftsteller, die dem Jungen rieten, unbedingt weiter zu schreiben und ihm dafür noch Tipps gaben. Dass auch die Art, wie Darius seine Texte las, gefiel, war nicht verwunderlich. Ist der Schüler doch Landessieger der Vorlesewettbewerbe, erreichte auf Bundesebene den zweiten Platz und wird demnächst in der " Möwe ", unserer Landesvertretung in Berlin, lesen.

Insgesamt dreieinhalb Stunden dauerte die Poetensprechstunde. " Schreiber aller Altersklassen – von der Seniorin bis zum Schüler – haben ihre Texte vorgestellt ", erzählt Jürgen Jankofsky, Geschäftsführer des Friedrich-Bödecker-Kreises.

Egal, ob 8 oder 80 – laut Jankofski sei die Poetensprechstunde, die immer im Rahmen der Landesliteraturtage stattfindet, eine gute Gelegenheit, erste Kontakte zu knüpfen und das, was man im stillen Kämmerlein zu Papier gebracht hat, der Publikumskritik auszusetzen. " Was natürlich Mut erfordert ", weiß der Experte, der beeindruckt davon war, wieviele Schreibanfänger sich gestern eingefunden hatten.

Auch, oder gerade weil die Ansätze und die Qualität der vorgestellten Texte unterschiedlich waren, ist es für die Autoren wichtig, dass sie kontinuierliche Betreuung erfahren. " Das leisten wir beispielsweise mit unseren Schreibwerkstätten ", erklärt Jankofski. Das gestern anwesende Publikum, das aus dem ganzen Kreis und von noch weiter her angereist war, diskutierte lebhaft. " Kritik gibt es auch bei Profis. Und wenn sie ehrlich ist, dann kommt sie auch an und nutzt den Autoren ", weiß Jankofski aus seinen Erfahrungen in der Arbeit mit dem schreibenden Nachwuchs.

Nicht nur er war mit dem Verlauf der Poetensprechstunde vollauf zufrieden. Jeder der Autoren, der gestern Nachmittag die Bibliothek des Gymnasiums verließ, hatte durch die öffentliche Vorstellung seiner Texte Anregungen bekommen, die er zuhause am Computer oder an der Schreibmaschine umsetzen kann.