Haldensleben. Gestern konnten wir uns nochmal über fast sommerliche Temperaturen freuen. Guter Anlass für einen Rückblick auf den Sommer : Juni durchwachsen, Juli verregnet, August sehr warm. Doch der August entschädigte für den vorangegangenen Juli. Die Sonne schien länger als im langjährigen Durchschnitt. Die Meteorologen sprachen von einem Schaukelsommer oder einem Achterbahnsommer.

" Der ganze August verspricht herrlich schön warm und trocken zu werden, mitunter auch heiß, mit etlichen Gewittern durchzogen. " Das war Verheißung aus dem hundertjährigen Kalender. Und sie wurde erfüllt, wobei sich die Gewitter in Grenzen hielten.

Mit durchschnittlich 18, 7 Grad war der August um rund 2, 2 Grad zu warm gegenüber dem vieljährigen Mittel. Am 20. August wurden Spitzenwerte von rund 35 Grad und sogar darüber registriert. Einige Meteorologen sprachen vom drittwärmsten August seit Beginn der Messungen im Jahr 1893.

Für Sachsen-Anhalt wurde im diesjährigen August eine Monatstemperatur von 19, 5 Grad ermittelt, der Durchschnittswert liegt bei 17, 2 Grad. Die Sonne schien im Durchschnitt 254 Stunden lang, der Durchschnitt liegt bei 193 Stunden. Am längsten schien die Sonne übrigens in Berlin und Brandenburg. In unserer Region war Ummendorf Spitzenreiter.

Nicht erfüllen konnte der August die Erwartungen an die Niederschläge. Vor allem im Norden und Osten Deutschlands gab es ein erhebliches Niederschlagsdefizit. Nur die Hälfte der durchschnittlichen Niederschlagsmenge, die bei 60 Liter je Quadratmeter liegt, stand in Sachsen-Anhalt zu Buche, nämlich 30 Liter pro Quadratmeter.

... so der ganze Herbst

Nur spärliche 9 bis 15 Liter Regen pro Quadratmeter waren zwischen dem Großraum Hannover und den nordöstlichen Teilen Sachsen-Anhalts gefallen. Als ein Minimum wird 5 Liter je Quadratmeter in Fassberg in der Lüneburger Heide genannt. Da war es bei uns doch etwas nasser. In Döhren wurden 16, 7 Liter je Quadratmeter registriert. Am meisten regnete es am 3. August mit 5, 6 Litern je Quadratmeter und am 21. August mit 6, 3 Litern je Quadratmeter. Den Sommer insgesamt gesehen, war Sachsen-Anhalt übrigens das trockenste Bundesland.

" Ist’s Petrus bis Laurentius ( 1. bis 10. August ) heiß, dann bleibt der Winter lange weiß ", heißt eine Bauernregel. Und der August war nicht nur in der ersten Monatsdekade heiß. " Auf Sankt Laurentius Sonnenschein folgt gutes Jahr und guter Wein " haben unsere Altvorderen ebenfalls festgehalten. Und noch eine Regel : " Wie sich Bartholomätag hält, so ist der ganze Herbst bestellt " – der 24. August war wie die meisten Augusttage warm und trocken.

Vor 100 Jahren gingen in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August enorme Regenmengen nieder, berichtete das Wochenblatt 1909. Am 4. August war zu lesen : " Gott Pluvius scheint auch gar kein Einsehen zu haben für das auf den Äckern zum Trocknen und Ausreifen liegende Getreide ; denn dem Sonnabend- und Sonntag-Regenguss folgten am Montag und Dienstag Regenschauer und Montag-Abend ein Nahgewitterregen, so dass mit dem bereits am Sonntag gemessenen Niederschlag von 37, 5 mm heute über 50 mm zusammen vorhanden sind. Der Landmann nicht allein, auch die Konsumenten von Getreide blicken mit Bangen in die Zukunft. "

" Gewitter und Wolkenbrüche " bestimmen auch am nächsten Tag das Wochenblatt. " Beständiges und sonniges Wetter ist für die Einbringung der ohnehin schon um zwei bis drei Wochen verspäteten Getreideernte dringend notwendig, wenn nicht die Qualität der Ernte gefährdet sein soll. Dem, staubfreien’ Juli, der tagtäglich Regenfälle brachte, ohne damit jedoch den Durchschnitt der Juli-Regenmenge zu erreichen, ist der August gefolgt, der sich beeilt, das Fehlende nachzuholen. "

Am 7. August hieß es dann : " Endlich Sommer ist es seit gestern geworden, und die Wetterkarte sieht – zum ersten Male in diesem Sommer – beinahe so aus, als ob das gute Wetter uns jetzt für etwas längere Zeit als 24 Stunden treu bleiben wollte. Freilich, die Pessimisten haben’s ja schon seit Wochen vorhergesagt : sobald die Schulferien zu Ende sind, wird das schöne Wetter und wird die große Hitze anfangen !"

Gewitter vor 100 Jahren

Am 10. August kam allerdings schon das nächste Gewitter. Und es blieb nicht das einzige, die mittäglichen Tagestemperaturen in diesem Monat wurden mit 15 bis 22 Grad angegeben. Die Wassertemperaturen in der Ohrebadeanstalt lagen an einigen Tagen sogar darüber. Am 16. August verkündete das Wochenblatt : " Die Roggenernte ist jetzt in vollem Gange und die Erträge sind sehr befriedigend, u. a. wurden auf der Gänsebreite von einem Morgen 16 Zentner Roggen geerntet. " Mit Tagestemperaturen von 15 bis 17 Grad verabschiedete sich der August 1909.