Gute Laune und konzentriertes Arbeiten prägten den zehnten Gospelworkshop. Wie in den Jahren zuvor wurde drei Tage lang in der Werkstatt für Behinderte des Bodelschwingh-Hauses unendlich viel gesungen.

Wolmirstedt. " Die Musik ist so voller Lebensfreude, ich habe das Gefühl, ich muss die ganze Zeit grinsen ", sagt Grit Gehrmann aus Dahlenwarsleben. Die junge Frau ist zum ersten Mal dabei, singt aber schon lange im Chor ihres Heimatortes. " Dort haben wir allerdings keinen Leiter ", erzählt sie, " und es ist sehr angenehm, beim Singen so viele Hinweise zu bekommen. "

Die Hinweise kommen von Helmut Jost, der den Workshop bereits zum dritten Mal hintereinander leitet. " Er haucht der Melodie Leben ein ", sagt Günter Bednarz. Der singt bereits lange im Wolmirstedter Gospelchor und nimmt schon zum wiederholten Mal am Workshop teil. " Es ist ganz anders, mal drei Tage lang konzentriert bei dieser Musik zu bleiben ", sagt er, " wir nehmen die Lebensfreude dieser Musik viel intensiver auf. Das ist bei unseren wöchentlichen Proben gar nicht in dem Maße möglich. " Dann ist die Pause vorüber. " Helmut klimpert schon wieder ", sagt Roswitha Natzel und schon strömen die fast 80 Teilnehmer wieder in den Saal. Auch Roswitha Natzel singt schon lange im Wolmirstedter Gospelchor, zu dem derzeit etwa 40 Sängerinnen und Sänger gehören. Konstanze Schlegel hat ihn 1998 ins Leben gerufen und leitet ihn noch. Die Mitglieder dieses Chores bilden den Löwenanteil beim Workshop, doch noch einmal so viele sind " von außen " dazu gekommen. " Ich singe sonst nur für meine Enkelkinder ", sagt Elke Bertram, " aber im vergangenen Jahr war ich zum ersten Mal dabei und es hat mir so gut gefallen, dass ich wieder hier bin. "

" All because of Jesus ", alles wegen Jesus, steht jetzt auf dem Plan, ein Gospelsong, der alle Stimmlagen fordert. Der Chor singt die Strophen, dann lässt Helmut Jost nur den Sopran singen. Jetzt, wo der restliche Klangkörper schweigt, spürt man, wie zurückhaltend nur so wenige Stimmen wirken. Dann fällt der restliche Chor wieder ein und die Musik wird gewaltig. " Yeah ", ruft jemand nach dem ersten Durchlauf des Liedes, es ist in die Herzen und in alle Poren gedrungen.

" Was bedeutet eigentlich das Dabadabada ", fragt eine Frau, die den Notenzettel sehr genau studiert hatte. Helmut Jost fragt, wer von den Altstimmen Lust darauf hat. Vier Hände heben sich, also wird das Dabadabada in das Lied eingebaut. Gar nicht so einfach, " denn ihr müsst punktgenau atmen ", sagt Jost und macht einen " Atmer " an der richtigen Stelle vor.

Notenkenntnisse sind übrigens nicht zwingend vonnöten. Beim Gospelworkshop wird nicht schulmeisterlich gearbeitet, sondern das Singen beim Singen erlernt. Jost erzählt außerdem die Geschichte zu den Liedern, so dass auch Teilnehmer, die in der englischen Sprache nicht so zu Hause sind, eine Beziehung zum Inhalt des Liedes bekommen. Sechs bis sieben neue Lieder werden innerhalb dieser drei Tage einstudiert. " Ganz schön schwierig, sich alles zu merken ", erzählt Roswitha Natzel. Helmut Jost weiß das auch. " Wir müssen die Lieder und besonders die Nahtstellen so oft singen, bis sie in Fleisch und Blut übergehen ", sagt er, " erst dann wird es Musik. " Dann lässt er " Al because of Jesus " noch einmal singen und jeder im Chor gibt alles, denn das erste Ziel ist verdammt nah. Beim großen Abschlusskonzert in der Colbitzer Kirche muss das neue Repertoire vor der Öffentlichkeit bestehen.

Zum Werkstattkonzert luden die Sängerinnen und Sänger bereits am Sonnabend Abend in die Katharinenkirche. Die neuen Songs werden hier noch nicht preis gegeben, aber der Wolmirstedter Gospelchor eröffnet mit zwei Liedern des eigenen Programmes. Dann folgen zehn sehr unterschiedliche Beiträge der Workshop-Teilnehmer. " Jeder, der Lust hatte, konnte sich mit seinem Beitrag für das Programm bewerben ", sagt Konstanze Schlegel, " und viele von denen, die Sie hier sehen, haben sich erst beim Workshop kennen gelernt. " So spielen Raimund und Tessa vierhändig Klavier, Rolf begeistert mit einem Beatles-Medley auf der Orgel, Peter, Stefan und Konstanze interpretieren einen irischen Song. So manche Stimme, die sonst Teil des Chores ist, machtbeim Sologesang Gänsehaut.

Am Sonntag sitz Helmut Jost wieder vor dem Chor und eines ist klar : Die Lieder, die er zum Workshop mitgebracht hat, werden nicht in Wolmirstedt bleiben. " Ich singe im Leipziger Gospelchor ", sagt Sylvia Maune, " und dorthin werde ich alles, was ich über Gospelmusik gelernt habe, mitnehmen. "