Nach fast zwanzig Jahren aktiver politischer Arbeit im Kreistag, Stadt- und Ortschaftsrat, zieht sich Karl-Josef Grau zurück. Seine Weggefährten aus dem CDU Ortsverband bereiteten ihm am Mittwoch einen würdigen Abschied aus dem politischen Leben.

Wolmirstedt. Christliche Werte haben im Leben von Karl-Josef Grau einen hohen Stellenwert. Auch für Politik hat er sich Zeit seines Lebens interessiert. " Aber bis zur Wende habe ich mich nie in einer Partei engagiert ", erinnert sich der Elbeuer. Obwohl auch schon zu DDRZeiten die CDU angefragt hatte, ob er nicht Mitglied werden wollen würde.

Doch Grau blieb seinen Prinzipien treu. Erst, als Raimund Kreuz und Victor Fostitsch nach der Wende an ihn herantraten, ließ sich der 74-J ährige zu politischem Engagement überzeugen. " Ich wollte nie eine politische Karriere machen, sondern den Neuaufbau mitgestalten ", erklärt Grau im Rückblick die Beweggründe, die dazu führten, dass er zu den Gründungsmitgliedern des ersten Ortsverbandes der CDU zählte.

Nach den Wahlen zog Karl-Josef Grau in den Kreistag des Altkreises Wolmirstedt ein. Während der ersten Legislaturperiode hatte er keine einfache Aufgabe übernommen, stand dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss vor. " Das war eine schwierige Arbeit, man hat furchtbare Geschichten gehört ", erinnert er sich. Überwiegend Privatpersonen meldeten sich bei diesem Ausschuss und beschwerten sich darüber, wie zu DDR-Zeiten mit ihnen umgegangen worden war. " Es ging nicht nur darum, dass sich die Bürger benachteiligt oder beleidigt fühlten. Wir hatten auch Fälle aus dem Pass- und Meldewesen des Volkspolizeikreisamtes zu überprüfen, bei denen Familien getrennt wurden oder sich Mitarbeiter in Leitungspositionen unsachgemäß geäußert oder benommen hatten. " In der Nachwendezeit wurde auch die Vergangenheit der Mitglieder des Kreistages unter die Lupe genommen. " Die meisten haben sich dann diskret aus der Schusslinie zurückgezogen. Aber ich erinnere mich an einen Fall, bei dem jemand, der für die Stasi tätig gewesen war, sich hinstellte, die Tätigkeit zugab und selbstbewusst fragte ‚ was habt Ihr denn ?‘. Dieses Auftreten macht mich heute noch sprachlos. "

Dem eigenen Anspruch voll gerecht geworden

Innerhalb des Kreistages im Altkreis Wolmirstedt war Grau auch im Kultur- und Rechtsausschuss sowie im Umweltausschuss tätig gewesen. Nach der Kreisfusion 1994 wechselte er in den Stadtrat, war zuletzt bis zur Wahl im Juni dieses Jahres im Elbeuer Ortschaftsrat tätig.

Wenn er auf die fast 20 aktiven Jahre in der Politik zurückschaut, dann sieht Grau, dass er seinem Anspruch, Neues mitzugestalten, gerecht geworden ist. Und das besonders zwischen 1990 und 1997, als er – zuerst in der Position des Geschäftsführers – für den " Verein zur Entwicklung der Infrastruktur von Wolmirstedt und Umgebung " ( VEW ) tätig war. " Wir hatten Unterstützung von Fachkräften aus Wunstorf und haben bis zu 800 ABM-Kräfte koordiniert. Da hieß es dann, nicht rumzuspielen, sondern richtig ranzuklotzen. " In dieser Zeit wurden unter anderem Parkplätze und Radwege geschaffen, Flagstellungen der Russen im Küchenhorn beseitigt, die LPG im Lindhorster Weg zurückgebaut und deren Güllegruben verfüllt. " Heute gehe ich sehr gerne durch unsere schöne Stadt. Entscheidungen, die wir getroffen haben, waren immer richtig, auch wenn wir manchmal belächelt wurden. "

Jetzt, nachdem sich Grau aus familiären Gründen aus dem aktiven politischen Leben zurückgezogen hat, verfolgt er die Entwicklung in der Stadt weiter mit offenen Augen. Den noch aktiv Tätigen wünscht er vor allem politischen Nachwuchs, damit es in Wolmirstedt weiter gut vorangeht.