300 kleine Tonplättchen mit Fingerabdrücken von Menschen aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sind die Grundlage für ein einmaliges Kunstwerk. Ein Teil dieser Platte hängt seit gestern Nachmittag an der Kulturfabrik in Haldensleben, der andere Teil am Gebäude der Kreisverwaltung in Helmstedt.

Haldensleben. 20 Jahre ist es her, dass sich die Grenzen im geteilten Deutschland wieder öffneten. Das sei ein Glück und eine große Chance gewesen, Deutschland wieder zusammenzuführen, resümierte Haldenslebens Bürgermeister Norbert Eichler gestern Nachmittag. Gemeinsam mit dem Helmstedter Landrat Gerhard Kilian, dem Landrat des Landkreises Börde Thomas Webel, dem Vorsitzenden der Deutschen Region ( Deuregio ) Ostfalen Rolf Reinemann und weiteren Mitgliedern der Deuregio übergab er ein Kunstwerk der Öffentlichkeit, das dieses Zusammenwachsen auf beeindruckende Weise deutlich machen will.

Die Künstlerin Anke Sondhof hatte die Idee zu diesem ungewöhnlichen Werk. Bei der Elm-Lappwald-Messe im vergangenen Jahr hat sie mit Gästebetreuerinnen Besucher gebeten, ihren Fingerabruck auf einem Tonplättchen zu hinterlassen. 300 Frauen, Männer und Kinder haben einen Finger in den Ton gedrückt getreu dem Motto " Deuregio Ostfalen – Menschen machen Eindruck ". Aus diesen Tonplättchen hat die Keramikerin zwei Tafeln gestaltet. Eine hängt jetzt in Haldensleben, die andere – spiegelverkehrt angelegt – in Helmstedt. " Zwei Menschen begegnen sich, sie grüßen sich, sie arbeiten miteinander ", erläuterte Anke Sondhof ihr Werk. Neben der so dargestellten Figur befindet sich eine Platte aus refektierendem Glas. " Der Betrachter sieht sich darin und wird einbezogen in diese Gemeinschaft. " Die Gemeinschaft sei nicht immer da, sie müsse immer wieder neu geschaffen werden, refl ektierte die Künstlerin.

Dass sich diese Gemeinschaft grenzübergreifend im Rahmen der Deuregio, das heißt der Landkreise Helmstedt und Börde, gut entwickelt, konnten Rolf Reinemann und Thomas Webel feststellen. Die Landkreise, Bürgermeister, Vereine, Abgeordneten, die Menschen in der Region hätten die Chance nach der Wende genutzt, versicherte Rolf Reinemann. " Wir arbeiten freiwillig zusammen ", darauf legte Thomas Webel besonderen Wert. Auch sein Daumenabdruck sei auf einem Plättchen, meinte er, aber wahrscheinlich in Helmstedt. Im Eingang zur Haldensleber Kulturfabrik habe er ihn jedenfalls nicht gefunden.

Haldensleben und Helmstedt seien nach der Wende Partnerstädte geworden, erinnerte Norbert Eichler. Die Kulturfabrik sei ein guter Ort für das Kunstwerk der Keramikerin, stellte der Bürgermeister fest. Schließlich stehe die Kulturfabrik auf dem Gelände einer ehemaligen Keramikfabrik. Eine Tafel neben dem neuen Kunstwerk weist auf die Geschichte hin.