Es war am Sonntag nicht ganz klar, was in der Burgstraße 1 mehr zu bestaunen war : Das liebevoll sanierte Haus des Holzpantoffelmachers Adolf Wess oder die Arbeiten der Textilwerkstatt mit Motiven zur 1000-Jahr-Feier. Wer genug gute Laune hatte, erfreute sich einfach an allem. Schon vor der Tür war eine Textilarbeit ausgestellt und machte neugierig auf das, was aus Wolle, Garnen und Stoff entstehen kann.

Wolmirstedt. Dr. Gisela Krohn ist die Hausherrin und hatte zu einem Tag der offenen Werkstatt geladen. Auch sonst steht ihre Textilwerkstatt für jeden offen. Jedenfalls immer montags ab 14 Uhr.

Die Textilkünstlerinnen arbeiteten bisher im Keller der Fachschule für Sozialpädagogik, und zum Jubiläumsjahr unserer Stadt hatten sich die Frauen sogar ein Thema gesetzt. 1000 Jahre Wolmirstedt – was sonst ? Petra Taubert hat das Stadtwappen auf Seide dargestellt und mit Szenen aus der Geschichte angereichert. " Das Thema hat mich einfach inspiriert ", gesteht sie. " Für mich kam nur eine Filzarbeit in Frage ", sagt Silke Kiefer, " und das Motiv des Bürgerhauses fi nde ich toll. Von Anfang an hatte ich eine feste Vorstellung davon, wie mein Bild aussehen soll. " Silke Kiefers farbenfrohe Arbeit hängt nun in den Räumen der Textilwerkstatt.

Weniger Glück hatte Sina Lentge. " Offensichtlich war meine Applikationsarbeit so schön, dass sie schon vor der Ausstellung einen Liebhaber gefunden hat ", sagt sie. Zumindest sei das Stück nicht mehr auffindbar. Doch sie hatte noch einen Trumpf im Ärmel und beteiligt sich nun mit einem Rosenquilt an der Ausstellung.

Patchwork, Applikation oder auch Stickerei

Außerdem hat sie längst ihre Mutti angesteckt, die den Anblick der Zielitzer Kalihalde in Hardanger-Technik verewigt hat. Susan Jerziorski hingegen hat sehr viele Stunden auf die Darstellung der Kirche verwendet, Stunden, die sie gerne gegeben hat. " Ich sticke für mein Leben gern ", sagt sie, und ihre Arbeit fand, wie die anderen Arbeiten auch, sehr viel Anerkennung der Besucher am Sonntag.

Die Vielfalt der textilen Möglichkeiten kann Freiheit bedeuten, aber manchmal fällt die Entscheidung auch verwirrend schwer. Doreen Möhring war sich nicht gleich sicher, mit welcher Technik sie arbeiten möchte. " Ob Patchwork, Applikation oder Stickerei – alles mache ich gern. " Letztlich entschied sie sich für eine Nadelfilzerei sowie das Motiv der Mühle und schuf so einen bemerkenswerten Wandbehang.

Auch die Werkstattleiterin selbst beteiligte sich mit Arbeiten an der Ausstellung. " Sieben Jahre lang bin ich von Magdeburg nach Wolmirstedt zur Arbeit gefahren, und bei jedem Wetter und veränderter Sonneneinstrahlung sah die Kalihalde hinter der Stadt faszinierend anders aus ", begründet Gisela Krohn ihre Motivwahl. " Das machte mir schon lange Lust, dieses Bild künstlerisch umzusetzen. " Als Gestaltungsmittel entschied sie sich für die Kluge-Strickart, eine Arbeit mit extrem dünnen Fäden.

Es haben noch mehr Frauen ausgestellt, es gibt noch mehr Arbeiten zu besichtigen, aber auch die Wandmalerei, die Gisela Krohn freigelegt hat, ist einen Blick wert. Ornamente auf blassblauem Grund werden auch nach der Sanierung und der Verkleidung der Wände in zwei Rahmen gezeigt. " Diese Malerei hat bestimmt nicht mal der Herr Wess gesehen ", mutmaßt sie, " die ist viel älter als er. Und der Holzpantoffelmacher wurde immerhin über 100 Jahre alt. " Ob sie noch eine Tafel mit der Geschichte des Hauses an die mediterran gestrichene Hausfassade anbringt, weiß Dr. Gisela Krohn noch nicht genau. " Darüber denke ich noch nach. " Sicher ist sie jedoch, dass sie sich montags über Besucher freut. Wer Lust hat, mit seinen Händen selbst textile Wunderwerke zu schaffen, ist herzlich willkommen.