Wolmirstedt ( gbi ). Ute Beckmann und Helga Wahnschaap wohnen in der Julius-Bremer-Straße, ganz unten im Parterre des Zehngeschossers. Sie leben dort schon seit vielen Jahren – und leben dort gern. Weil sie ganz unten wohnen, ist ihnen das Grün vor dem Fenster besonders wichtig.

Ute Beckmann pflanzte schon zu DDR-Zeiten Rosen in ihren Vorgarten. Helga Wahnschaap pflegt auf ihrem Balkon eine sehr üppige Pracht aus Geranien, Petunien und Goldzweizahn. Dafür bekam sie von der Wolmirstedter Wohnungsbaugesellschaft ( WWG ) im Juni sogar einen Preis für den schönsten Balkon verliehen. " Über diese Anerkennung habe ich mich riesig gefreut ", strahlt Helga Wahnschaap.

Doch ein Wermutstropfen war über die ganze Freude gewachsen. Die Hecke vor den Balkons streckte ihre Zweige höher und höher. Das sah nicht nur etwas wild aus, die Zweige ragten auch an die Balkonblumen heran, Läuse sprangen über. " Ich musste spritzen, was ich eigentlich gar nicht mag ", sagt Helga Wahnschaap, " außerdem ist das Mittel recht teuer. "

Also nutzten Helga Wahnschaap und Ute Beckmann nach der Auszeichnung die Gunst der Stunde und baten WWG-Chef Gerhard Thiede um einen Heckenschnitt. Er sagte zu, doch es passierte nichts. " Wir fühlten uns veralbert ", erinnert sich Ute Beckmann, nachdem beide Frauen bis September gewartet hatten. " Von dieser Zusage weiß ich nichts ", hieß es von Claudia Schröder, Abteilungsleiterin Wohnungswirtschaft der WWG. Gerhard Thiede selbst ist derzeit im Urlaub. Was Claudia Schröder aber mit Sicherheit sagen kann, ist : " Wir haben daraufhin die Hecke gegen Läuse gespritzt. Mindestens zwei Mal. "

Damit war das Problem aber nicht völlig gelöst. Denn die Zweige der Forsythien wurden so lang, dass sie einerseits über die Blumenpracht wuchsen, andererseits bei Wind gegen die Fensterscheiben schlugen. Und weit und breit war niemand in Sicht, der die Hecke schnitt.

" In den kommenden Wochen beginnt der Heckenschnitt "

Vor ein paar Tagen hatten die beiden Frauen dann schließlich genug und griffen mit ihren Familien selbst zur Schere. Mindestens zehn Meter Hecke wurden gerade geschnitten. Die Balkonpflanzenpracht kann nun auch wieder von außen bewundert werden. Verärgert sind die beiden Frauen trotzdem und fühlen sich von der WWG im Stich gelassen. " Wir lassen die Hecke turnusmäßig zweimal im Jahr schneiden, im Frühjahr und im Herbst ", so Claudia Schröder, " in den kommenden Wochen beginnt der Heckenschnitt. "

Was aber geschieht, wenn die Natur über die Vorgaben wächst ? " Wir würden ja auch öfter schneiden ", sagt Claudia Schröder, " aber dadurch steigen dann wieder die Betriebskosten. " In diesem Dilemma zwischen Heckenwachstum, Vorgaben und Geld ist nur schwer die Mitte für alle Mieter zu finden. Dies erfuhren Helga Wahnschaap und Ute Beckmann auch während ihres Heckenschnitts. " Die Leute sagten zu uns : Warum macht ihr das, ihr bezahlt doch dafür ", erzählt Ute Beckmann. Doch die beiden sind froh, dass es vor ihren Wohnungen nun wieder ordentlich aussieht. " Der Grünschnitt wurde übrigens umgehend abgeholt ", wissen die beiden Frauen. Claudia Schröder schlägt für das nächste Mal vor : " In solchen akuten Fällen können die Mieter auch unseren Hausmeister Gerald Brandt ansprechen. "