Jeder wird sich schon einmal gefragt haben : Was machen eigentlich Schwimmmeister und Rettungsschwimmer im Freibad, wenn das Wetter schlecht ist ? Nichts tun und die Füße hochlegen ? Weit gefehlt ! Denn vor allem zum Saisonausgang gibt es dort allerhand zu tun.

Wolmirstedt. " Offiziell ist die Saison für Freibäder immer am 15. September beendet ", erzählt Schwimmmeister Stefan Grahn, " doch praktisch machen wir es natürlich auch vom Wetter abhängig, wann wir schließen. " Die ersten Septembertage mit bis zu 30 Grad Celsius hätten ihm Grund zur Annahme gegeben, das Schwimmbad in Wolmirstedt noch länger öffnen zu können. Wider Erwarten zeichnete sich jedoch in der vergangenen Woche ab, dass sogar schon der 11. September der letzte Tag für fröhlichen Badespaß – bei allerdings eher trübem Wetter – sein würde. So teilte Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander am vergangenen Freitag das Saisonende mit. Zu schnell hätten sich die Außentemperaturen schließlich doch abgekühlt.

Daher sind Schwimmmeister Grahn und Rettungsschwimmer Andreas Harwig seit dem 12. September nur noch in einer Mission unterwegs : Das Schwimmbad winterfest zu machen. " Am vergangenen Sonnabend haben wir hier die Schotten dicht gemacht, seitdem sind wir dabei, alles für die kalte Jahreshälfte vorzubereiten ", erklärt Grahn. Bis zum Monatsende seien beide so sicher noch beschäftigt.

Angefangen hätten sie damit, das gesamte Wasser von Sonntagmorgen bis zum Dienstag hochzuchloren. " Das ist wichtig, um alle Filter und Rohre keimfrei zu kriegen ", so der geprüfte Meister für Bäderbetriebe. Die intensive Chlorung stellt damit die erste Stufe der Reinigung dar.

Wasserstand wird um 40 Zentimeter abgesenkt

Alle Leitungen würden dabei durchgespült, damit über den Winter keine chemischen Restbestände haften bleiben. Auch die Messleitungen, die sonst unter anderem der Kontrolle von pH-Wert und Chlorgehalt im Wasser dienen, werden der Spülung unterzogen.

" Nach einer weiteren Säuberung wird das komplette Filter- und Rohrleitungssystem inklusive aller Pumpen, die im Sommer zur Wasserumwälzung unerlässlich sind, entwässert ", sagt Grahn. Das sei notwendig, damit im Winter kein Wasser in den Leitungen frieren und die Luft dort ungehindert zirkulieren kann. Einige Geräte, wie die Filteranlage oder die Messtechnik, würden außerdem noch auseinandergebaut und trocken gelagert.

Erst nach diesen Tätigkeiten, die schon mehrere Tage in Anspruch nehmen, und die sich wohl höchstens Poolbesitzer ansatzweise vorstellen können, werden die nächsten Vorbereitungen getroffen. Diese könnten wohl auch dem unaufmerksamen Beobachter nur schwerlich entgehen. " Danach gehen wir nach draußen, um in der Außenanlage unsere Arbeit fortzusetzen. Wir beginnen damit, Schilder abzubauen und sowohl Mülltonnen als auch Bänke zu säubern und wegzustellen ", erläutert Grahn das Vorgehen der zweiköpfigen Schwimmbadpatrouille.

Anschließend wagen sich Grahn und Harwig in die Nähe der Becken : " Die Erlebnisduschen und alle Leitern werden ausgebaut und gereinigt. Außerdem werden die Überlaufrinnen mit den Rosten am Beckenrand gesäubert ", zählt der Schwimmmeister auf. Selbst das Wasser wird über den Winter abgesenkt. Ganze 40 Zentimeter tiefer befindet sich die Wasseroberfläche, während es draußen zunehmend kühler wird. Überwinterungsmittel kippe Grahn dann ins Wasser : " Dadurch setzen sich Schmutzteile nicht am Boden oder am Rand fest. Die Reinigung im Frühjahr wird so erleichtert ", erklärt der 42-Jährige. Nur ab und zu müssten er und sein Kollege Harwig Regenwasser ablassen. Regelmäßige Kontrollen mindestens einmal in der Woche sind ohnehin auch im Herbst und im Winter unabdingbar.

Erst im Herbst ist Zeit für den Sommerurlaub

Weiterhin werden die große Wasserrutsche mit einem Hochdruckreiniger gesäubert und die Druckknopfgarnituren der Duschen abgebaut. Auch erledigen die beiden Männer alles, was im Herbst in einem Garten anfällt : " Wir nehmen einen Grünschnitt vor, und auf der ganzen Anlage wird der Rasen gemäht. Sogar den Basketballkorb bauen wir ab, da er den Witterungsbedingungen nicht standhält ", erzählt Grahn.

Zuletzt ist natürlich noch eine Grundreinigung des Schwimmbadgebäudes notwendig. Dazu gehören unter anderem die Kassenräume sowie Toiletten und Duschen. Die Räumlichkeiten dienen in den kälteren Monaten der Einlagerung vieler Gerätschaften.

Stefan Grahn zeigt sich erleichtert, dass die Vorbereitungen für den Winter endlich begonnen haben : " Andreas Harwig und ich sind seit Anfang April sechs Tage in der Woche mindestens acht Stunden hier. Jetzt freue ich mich, dass bald Freizeit winkt. " So blickt er frohen Mutes dem Urlaub entgegen, den er im Sommer nicht machen konnte – eine Voraussetzung für die Saisonarbeit. Zudem arbeiten Grahn und Harwig in den Wintermonaten in den Sportstätten der Stadt als Hallenwarte.

Im nächsten Jahr werden die beiden dann wohl auch wieder ab dem 1. April durch das Schwimmbad wirbeln, denn am 1. Mai wird die Saison 2010 eröffnet. Erfahrungsgemäß dauert der " Frühjahrsputz " sogar noch länger als die rund zweiwöchigen Tätigkeiten im Herbst. " Unsere Anlage hier ist groß. Da fallen überall Arbeiten an, von denen die Badegäste nichts sehen und ahnen ", weiß Grahn. Dankbar, dass die beiden Herren diese Arbeit immer wieder auf sich nehmen, sind die Wolmirstedter sicherlich trotzdem – weswegen sie auch im nächsten Jahr in hoffentlich großer Zahl wiederkommen.