Wolmirstedt. Schon seit dem 31. August wird in der Stadtbibliothek mal auf ganz andere Weise geschuftet. Viele verschiedene Firmen geben sich dort die Klinke in die Hand, um gemeinsam eine barrierefreie Toilette zu bauen. Diese soll es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, auch in der Bibliothek das Stille Örtchen aufzusuchen. Die fl eißigen Handwerker, die den Umbau vornehmen, kommen aus sechs unterschiedlichen Bereichen : Maurer, Klempner, Tischler, Fliesenleger, Elektriker und Maler tragen zum Fortschritt der Bauarbeiten bei.

" Bislang hatten wir zwei Toiletten, aber die waren sehr eng. Jetzt wollen wir die Toilette für alle Bürger nutzbar machen ", erklärt Bastienne Schröter. Die Leiterin der Bibliothek sagt, es wäre nun die Zeit für einen solchen Schritt gewesen – zumal es schon seit Jahren Probleme wegen Geruchsbelästigung gab. Mit dem Umbau wird es dann in Zukunft nur noch eine Toilette in der Stadtbibliothek geben, die dafür behindertengerecht eingerichtet ist.

Konkret wurde bei den Bauarbeiten die Wand im Flur versetzt, weil die Durchgangstür dort künftig eine Schiebetür sein wird. Auch die Öffnung, die in den Toilettenraum führt, wurde verbreitert, so dass sie für Rollstuhlfahrer passierbar ist. Weiterhin wurde natürlich die alte Toilettenanlage abgerissen, und später durch eine neue, barrierefreie ersetzt. Die Wasser- und Abwasserleitungen mussten zudem komplett neu verlegt werden.

" Der Umbau gestaltet sich aufwendiger als erwartet ", erzählt Bastienne Schröter. " Eigentlich sollten die Bauarbeiten bis zum nächsten Lesetee am 24. September beendet sein, doch das werden wir sicher nicht schaffen. " Die Gründe dafür sind verschiedener Art. Zum einen wäre die Zeitplanung ohnehin knapp bemessen gewesen. Andererseits kämen Arbeiten dazu, die nicht auf der Tagesordnung standen. So müssten beispielsweise die Fliesen im Flur erneuert werden, da unerwartet viele nicht nur über die Jahre, sondern auch durch das Versetzen der Wand kaputt gegangen wären.

Geplant war hingegen der Einbau der Heizkörper im Flur und im Toilettenraum. Zu kalt sei es dort vor allem in den Wintermonaten gewesen. In dieser Woche ruhten die Arbeiten weitgehend. Die weiteren Schritte mussten vom Ingenieurbüro Erhard Jahn festgelegt werden, das im Auftrag der Stadt die Planung und Bauleitung übernommen hat.

Gestern ging der Umbau wieder voran, die Trockenbaufi rma fügte das Toilettenmodul in die Wand, außerdem wurden die Rohre verkleidet. Für die nächste Woche wird der Tischler erwartet, der die Innentüren einsetzen soll. Auch den Elektriker hat Bastienne Schröter bestellt : " Wir richten im Toilettenraum einen Behindertennotruf ein. Wenn ein Rollstuhlfahrer nicht zurechtkommt, kann er die Zugschnur betätigen. Das wird den Mitarbeitern im Ausleihraum über einen Ton oder Licht signalisiert. "

Die Bibliotheksleiterin hofft, dass der Umbau bis Anfang Oktober abgeschlossen ist. " Bis dahin kann der Arbeitsbetrieb zum Teil nur eingeschränkt ablaufen ", so Schröter. " In der ersten Woche mussten wir sogar schon durch das Fenster ausleihen. " Es sei nicht auszuschließen, dass diese unkonventionelle Art der Ausleihe nochmals notwendig wird.