Die Türme im Magdeburger Wappen sind zu niedrig. Die Frau ist zu groß. Und die proportionale Aufteilung unausgewogen. Magdeburgs Stadtwappen entspricht nicht vollständig den Grundsätzen der Wappenkunde. Aber warum ist es wichtig, wie groß die Frau ist ? Antwort gibt die Heraldik und mit ihr ein Magdeburger, der sich mit ihr auskennt : Jörg Mantzsch. Er schuf auch das Wappen des Landkreises Börde – den stilisierten Hornhäuser Reiter.

Magdeburg. Jörg Mantzsch lebt in Magdeburg und ist der momentan gefragteste Kommunalheraldiker Ostdeutschlands. Er entwirft ausschließlich Wappen für Gemeinden und Landkreise, nicht für Privatpersonen, und führt diese durch das Genehmigungsverfahren.

Ursprünglich studierte Mantzsch Journalistik und Publizistik. Parallel hat er sich aber stetig für die Geschichte interessiert. So veröffentlichte er in der Mitteldeutschen Zeitung einmal wöchentlich einen Beitrag über historische Ereignisse, Orte oder Namen in Deutschland.

Schon damals wurde Mantzsch durch die Geschichte ein wenig mit der Heraldik konfrontiert. So kam es, dass 1992 die damalige Bürgermeisterin Unseburgs anfragte, ob Mantzsch nicht ein Wappen für ihre Gemeinde entwerfen könne. So konstruierte Mantzsch die silberne Burg auf Rot, die noch heute auf dem Unseburger Wappen prangt, und führte sie durch das Genehmigungsverfahren : Er war von der Heraldik begeistert.

Das führte dazu, dass Mantzsch noch weitere Wappen für Gemeinden des Salzlandkreises gestaltete. Daraufhin bat der Abteilungsleiter des Innenministeriums Mantzsch, ihm bei der Ausarbeitung heraldischer Richtlinien zu helfen. Gemeinsam formulierten sie den Runderlass " Genehmigung der Wappen und Flaggen von Gemeinden, Verwaltungsgemeinschaften und Landkreisen ". Sein steigendes Interesse veranlasste Mantzsch zu intensivem Selbststudium. Dabei arbeitete er eng mit dem Landeshauptarchiv Magdeburg und dessen Mitarbeitern zusammen. " Ich hielt teilweise Primärquellen aus dem 16. Jahrhundert in meinen Händen ", schwärmt Mantzsch. Und so stieg der diplomierte Journalist nach und nach mit ganzem Herzen und Wissen in die Heraldik ein.

Dies praktiziert er nun schon seit 17 Jahren. Wenn man ihn nach seinem Beruf fragt, antwortet er : " Ich bin Journalist und Heraldiker, Letzteres in erster Linie. "

Denn Mantzsch besitzt das Fachwissen für die Wappenkunde, die Kreativität für die Wappenkunst und die Kenntnis des Wappenrechts. Dies und die Leidenschaft, mit der er an seine Arbeit geht, unterscheidet ihn wohl von anderen Heraldikern und erklärt seinen Erfolg.

Er hat schon über 500 Wappen entworfen, mehr als jeder andere Kommunalheraldiker unserer Zeit. Dazu gehören unter anderem die Wappen von dem Berliner Stadtteil Pankow, fast der Hälfte der sachsen-anhaltinischen Landkreise und vielen weiteren Gemeinden und Städten in alten wie neuen Bundesländern.

Quedlinburg führt

sein Lieblingswappen

Sein Lieblingswappen ist das der Stadt Quedlinburg. Diese bekam von Otto dem Großen ihr Siegel verliehen, woraus ihr Wappen entstand. Das im Gewohnheitsrecht geführte Wappen wurde von Jörg Mantzsch korrigiert. " Otto der Große hat der Stadt das Siegel gegeben und ich das Wappen : Das ist schon ein sehr erhabendes Gefühl ", erklärt Mantzsch.

Seine Frau, Buchhalterin, und sein Sohn, der bald mit dem Studium beginnt, haben sich daran gewöhnt, den Heraldikmeister Deutschlands in der Familie zu haben. Die Familie selbst besitzt auch ein Wappen. Es ist ein bürgerliches Wappen aus dem Königreich Sachsen, welches ein Vorfahre, Großbauer, 1532 für seine Familie entwerfen ließ.

In der Zeit, die er nicht mit der Heraldik oder dem Journalismus verbringt, ist Mantzsch vielfach ehrenamtlich tätig. So sitzt er beispielsweise im Vorstand eines Fördervereins und ist Chefredakteur einer Schulzeitung. Ganz nebenbei ist er übrigens noch leidenschaftlicher Gemüsegärtner, " bis hin zur Selbstversorgung ", wie er sagt. Eine weitere seiner Passionen ist, in völliger Abgeschiedenheit im Urwald Schwedens Fische zu fangen. Die Zeit mit seinen Freunden, seiner Familie und seinem Gemüse steht neben dem Beruf bei ihm an oberster Stelle.

Die Frage bleibt offen, wie viel Geld eine Gemeinde oder Stadt für ein Wappen solch eines gefragten Heraldikers zahlen muss. Mantzsch sagt dazu : " Es gibt einen Tarif für Graf kdesignleistung, hinterlegt beim Ministerium für Arbeit und Soziales der Landesregierung Sachsen-Anhalt. Ich unterschreite diesen Tarif um bis zu 80 Prozent. Denn die Heraldik verbinde ich weniger mit kommerziellem Interesse. Es ist für mich eine große Befriedigung und Genugtuung, dass die Ergebnisse meiner Arbeit noch lange nach mir bestehen werden. Wenn Bücher namhafter Autoren nach Jahren vergessen und man Gebäude von Architekten nach Jahrzehnten abreißt, so werden Städte und Gemeinden noch in Jahrhunderten meine Wappen tragen. "

Da hat er wohl recht. Schon jetzt sind in der Online-Enzyklopädie Wikipedia 346 kommunale Wappen von Mantzsch beschrieben.

f Die Heraldik lässt sich in drei Themengebiete

gliedern : Wappenkunde, Wappenkunst und Wappenrecht. Die Wappenkunde setzt sich mit der Bedeutung einzelner Symbole auseinander. " Eine Lilie auf einem Wappen bedeutet nicht, dass die Stadtbewohner Blumenfreunde sind ; sie ist ein Symbol der Reinheit und Unschuld ", so Jörg Mantzsch.

f Die Wappenkunst beschäftigt sich mit der Darstellung der Symbole, deren Anordnung und Platzierung im Wappen, beispielsweise, ob ein heraldischer Adler nun sechs oder sieben Federn hat.

f Das Wappenrecht def niert, wer ein Wappen führen darf und wozu. Das darf heutzutage jede Stadt, jeder Landkreis und jede Gemeinde, solange das Wappen sich an die Richtlinien der Heraldik hält und staatlich genehmigt ist, überdies jede Privatperson, insofern keine Schutzrechte verletzt werden.