Ein Jahr lang besuchte Johanna Keilwitz ein College in Kentucky. Das war die Initialzündung, auch das restliche Studium jetzt in Amerika zu absolvieren.

Wolmirstedt. " Meine Englisch-Lehrerin aus der Schule hat mir eigentlich abgeraten ", sagt die 19-jährige Wolmirstedterin, " aber deren Befürchtungen haben sich nicht erfüllt. Ich habe in Amerika sofort alles verstanden. " Johanna ist ohnehin nicht über den großen Teich gefogen, um ihrer Englisch-Lehrerin irgendwas zu beweisen. Der Weg war in ihrem Lebensplan schon lange vorgezeichnet. Schließlich spielt die blonde Wolmirstedterin seit der zweiten Klasse Basketball und Amerika ist das Mutterland dieser Sportart.

Angefangen hatte alles bei den Wolmirstedter Baskets. " Ich habe mit acht Jahren begonnen, bei Uwe Mombrei zu trainieren ", erzählt Johanna, " meine große Schwester Elisabeth hat mich damals mitgenommen. " Uwe Mombrei merkte recht bald : " Jojo ist ein Kämpfertyp ". Als Johanna größer wurde, besuchte sie das Sportgymnasium in Magdeburg. " Dort gab es nur sehr wenig Mädchen, die Basketball spielen ", sagt sie, " eine wirkliche Zukunft gab es da nicht. " So wechselte sie mit der neunten Klasse nach Halle. " Damit fel endlich die Fahrerei zwischen Wolmirstedt und Magdeburg weg. Außerdem liegen Schule, Internat und Sportstätten auf einem Campus, alles war gut organisiert. " Mit ihrer Mannschaft gewann sie sowohl die deutschen als auch die norddeutschen Meisterschaften.

" Ich wollte nie eine Einzelsportart machen ", sagt Johanna, " dabei können ein paar hundertstel Sekunden alles vergeigen. In einer Mannschaftsportart kann man Fehler schnell wieder ausgleichen. Wenn der Ball weg ist, hole ich ihn mir eben wieder zurück. "

Als das Abitur am Horizont erschien, fragten die Eltern nach Zukunftsplänen. Und wieder zeigte die große Schwester die Richtung, empfahl : " Geh doch nach Amerika. " Johanna dachte nicht lange nach. Sie bestand ihr Abitur mit einer Eins vor dem Komma und f og nach Miami. " Dort absolvierte ich zehn Tage lang ein Auswahlcamp für Basketballspielerinnen, als Lohn winkte ein Stipendium. " Johannas sportliche Leistungen überzeugten. Sie bekam ein athletisches Stipendium, konnte sich eine Universität mit einer Basketballmannschaft aussuchen. " In Kentucky studierte ich Business-Managment. " Das klingt wie ein fertiger Studiengang, " aber ich belegte dort Kurse, wie Mathe oder Geschichte, die für jedes Studium grundlegend sind. " Der nächste Satz geht eigentlich wieder an die besagte Englisch-Lehrerin : " Ich habe alle Kurse mit Eins abgeschlossen. "

Auch sportlich fühlte sich Johanna in ihrem persönlichen Himmel angekommen. " Fast jedes College hat eine eigene Mannschaft. Bei Spielen ist der gesamte Campus in der Halle, alle feuerten uns an. " Mit ihrer Mannschaft fuhr sie zu Meisterschaften, bei denen nur die besten 32 Teams der USA teilnehmen dürfen. " Wir schafften es immerhin unter die ersten 16 Plätze. "

Doch trotz aller Euphorie verschonte auch Johanna das Heimweh nicht. " Wenn es mich überkam, habe ich zu Hause angerufen. Oder ich bin in die Sporthalle gegangen. Man darf sich nur nicht runterziehen lassen. " Amerikaner sind ohnehin keine Kinder von Traurigkeit. " Man lernt sich am Anfang viel schneller kennen. Danach ist es wie hier, entweder vertieft man die Freundschaft oder bleibt locker miteinander bekannt. "

Diese Lebensart möchte Johanna noch ein bisschen genießen. Und zwar während ihres Wunsch-Studiums. " In New York werde ich drei Jahre lang Stadtplanung studieren und weiter Basketball spielen. " Bis zum Bachelor-Abschluss. Und das Heimweh ? " Die Sommerferien dauern dreieinhalb Monate ", sagt Johanna, " die verbringe ich sicher zu Hause. "