Die Stadt ist stolz auf ihre starken Polizisten. Das stellte die stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn gestern deutlich klar, als sie Thorsten Schulz, Stefan Günther und Mario Schulz begrüßte, die bei den " World Police & Fire Games " im kanadischen Vancouver angetreten und mit Medaillen, persönlichen Bestzeiten und einem Weltrekord in die Ohrestadt zurückgekommen sind.

Wolmirstedt. Ungewöhnlich hohe Polizeipräsenz gab es gestern Vormittag im Rathaus. Aber Thorsten Schulz, Stefan Günther und Mario Schulz waren zusammen mit Revierleiter Aribert Schierenberg auf Einladung von Marlies Cassuhn zur Stadtverwaltung gekommen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin empfing die Athleten nach deren Rückkehr aus dem kanadischen Vancouver, wo sie zwischen 31. Juli und 10. August an den " World Police and Fire Games " teilgenommen haben ( Volksstimme berichtete ). Auf dem Rückfl ug hatten die drei Polizeibeamten zwei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille, einen Weltrekord sowie persönliche Bestzeiten im Gepäck.

" Wir sind sehr stolz darauf, dass Sie den Namen der Stadt und des Revierkommissariates in die Welt getragen haben ", so Marlies Cassuhn. Die Reise nach Vancouver hatten Thorsten Schulz, Stefan Günther und Mario Schulz selbst fi nanziert und monatelang diszipliniert darauf hin trainiert. " Man hat zwar schon Ergebnisse bisheriger Spiele gesehen, aber erst zwei Tage vor dem Wettkampf, als die Listen der Teilnehmer aushingen, konnte man sehen, wo man mit der persönlichen Leistung so etwa steht ", erklärt Mario Schulz.

Er trat, genau wie Stefan Günther, beim Bankdrücken und beim " Push / Pull ", einem Wettbewerb, bei dem neben dem Bankdrücken auch das so genannte Kreuzheben zählt, an. Mit 122, 5 Kilogramm sicherte sich Schulz beim Bankdrücken in seiner Altersklasse die Goldmedaille, beim Push / Pull gab es dann noch Bronze. Stefan Günther siegte in seiner Altersklasse beim Push / Pull mit 170 Kilogramm beim Bankdrücken und 280 Kilogramm beim Kreuzheben – " das war sogar Weltrekord ", freute sich Günther über den Erfolg. Das Ergebnis beim Bankdrücken brachte ihm dann zusätzlich noch die Silbermedaille.

Solche Erfolge funktionieren natürlich nur mit Training. " Wir haben in Vancouver eine Möglichkeit gesucht, wo wir trainieren können, aber das gestaltete sich als schwierig ", erzählt Stefan Günther nach der Rückkehr. Ein Magdeburger Kollege schenkte ihnen seine Eintrittskarte für ein Fitnessstudio, das sonst mit 30 Dollar pro Tag die Reisekasse belastet hätte.

Mit lokalen Besonderheiten hatte auch Triathlet Thorsten Schulz in Kanada zu kämpfen. " Von unserem Hotel bis zum Wettkampfort waren es durchschnittlich vierzig Minuten Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. " Als er einmal mit dem Fahrrad eine Trainingsrunde drehte, bemerkte er im Eifer des Gefechtes nicht, dass auf kanadischen Radwegen ein Tempolimit von 15 Stundenkilometern gilt.

" Er ist unseren Kollegen davongerast ", bemerkt Stefan Günther lachend. " Ich bin halt in die Pedale getreten. Und als ich einmal anhielt, um auf den Stadtplan zu schauen, tippte mich ein schwitzender Polizist von der Radstreife an, der mir gefolgt und ganz schön außer Puste war, und zeigte auf die Tempo-Markierung ", erinnert sich der Triathlet lachend.

Schulz trat bei drei Wettkämpfen an, brauchte für die zehn Kilometer Crosslauf nur 38 Minuten. " In meiner Altersklasse, zwischen 30 und 34 Jahren, war ich mit dieser Zeit chancenlos. Der Sieger benötigte für diese Strecke nur 31, 10 Minuten ", erinnert sich der Helmstedter. Auch beim 3, 8 Kilometer-Schwimmwettbewerb auf dem offenen Meer reichte es leider nicht für eine Platzierung auf dem Treppchen.

Und das, obwohl Schulz bei jedem Wettbewerb persönliche Bestzeiten hinlegte, den Triathlon in zwei Stunden und acht Minuten schaffte, sich zum Schluss noch vom siebenten auf den fünften Platz von über 300 Teilnehmer vorarbeitete. " Der Sieger kam nach einer Stunde und 55 Minuten ins Ziel. Solche Spitzenzeiten schafft man nicht, wenn man täglich im Streifenwagen sitzt ", weiß Schulz. Die Vermutung, dass unter den 10 500 Teilnehmern auch Profi s waren, können alle Drei nicht ausschließen.

Überhaupt wird das sportliche Engagement der Polizisten und Feuerwehrleute in anderen Ländern durchaus mehr unterstützt. Die Spanier beispielsweise werden ein Jahr vom Dienst freigestellt, um sich auf die " World Police & Fire Games " vorzubereiten. " Das können wir zwar hier nicht bieten, aber wenn die drei Kollegen in zwei Jahren in New York an den Start gehen, werde ich alles möglich machen, damit sie so oft wie möglich trainieren können ", versprach Revierleiter Aribert Schierenberg.

Dass sie in zwei Jahren wieder an den Spielen teilnehmen, steht für die drei Polizeibeamten fest. Schon jetzt haben sie mit den Planungen begonnen und nach idealen Unterkünften Ausschau gehalten. " Vielleicht mieten wir mit ein paar anderen Polizisten, die wir in Kanada kennengelernt haben, ein Haus ", wirft Stefan Günther einen Blick voraus.

Denn, eines ist ihnen bei den Spielen aufgefallen : " Die anderen Nationen präsentieren sich viel mehr als Team, schon allein durch einheitliche Mannschaftsbekleidung. Bei den Deutschen gab es eher Einzelsportler, als eine Mannschaft ", bedauert Thorsten Schulz. Ihre eigene kleine Gruppe bildete aber während der ganzen Reise eine Einheit, man feuerte sich gegenseitig an, betreute und motivierte.

Die Erlebnisse, die sie in zehn Tagen Kanada hatten, kann den drei Männern sowieso niemand mehr nehmen. Dazu gehören neben den Wettkämpfen vor allem die beeindruckende Eröffnungsfeier im zweitgrößten Stadion Vancouvers und die Abschlussveranstaltung unter freiem Himmel mit einer Fliegerstaffel.

Mit dem Wissen, dass sie 2011 in New York in den Kraftsportdisziplinen als Titelverteidiger an den Start gehen, stürzen sich die Drei jetzt schon in die Vorbereitungen für die Spiele in New York. Und damit Thorsten Schulz, Stefan Günther und Mario Schulz Platz haben für die Medaillen, die sie dann holen werden, gab es von der Stadt als kleines Geschenk für jeden eine neue Sporttasche.