Sommerzeit ist Reisezeit. Und natürlich möchte man aus dem Urlaub auch Souvenirs mitbringen. Die Touristen, die Wolmirstedt besuchen, nehmen aber nicht nur Andenken mit, sondern vergessen auch Vieles im Hotel. Die Volksstimme hat sich einmal umgehört, was so alles auf den Zimmer zurückgelassen – oder daraus entwendet wird.

Wolmirstedt. Eines versichern die Wolmirstedter Hoteliers unisono : Die Gäste, die in der Ohrestadt Übernachtungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen, sind ehrlich. Und vergesslich. Denn es wird mehr in den Zimmern vergessen als daraus geklaut.

" Wir sind sicher einmal pro Woche bei der Post, um Gästen Dinge hinterherzuschicken, die sie vergessen haben ", erzählt Anja Pankonin vom Hotel Auerbachs Mühle. Ob T-Shirts, Handyladekabel, Fön oder Kontaktlinsen, es gibt fast nichts, was die Zimmermädchen noch nicht gefunden hätten. " Auch teure Cremes für Männerhaut sind schon liegengeblieben ", weiß die Wirtstochter. Im Hotel Glindenberger Hof ist es dagegen das Duschgel, was laut Wirtin Inka Krebs am häufgsten stehen gelassen wird. Auch ihr fällt nichts ein, was von den Gästen besonders häuf g gemopst werden würde.

Das kann auch daran liegen, dass die Hotels der Ohrestadt hauptsächlich Tagesgäste, Geschäftstouristen und Monteure empfangen. " Da wir kein klassisches Urlaubshotel sind, legen wir auch keine Bademäntel oder ähnliches aus ", erklärt Anja Pankonin.

Genauso verhält es sich bei Bernd Rothämel vom Wolmirstedter Hof. " Ohne eigenes Schwimmbad, Sauna oder Wellnesslandschaft muss man diese Dinge nicht auf den Zimmern anbieten. " Was dagegen auf die Hotelzimmer gehört, sind Fernseher und Telefon. Und da erinnert sich Rothämel an eine spektakuläre Diebesgeschichte, die ihm und seiner Frau Heidi vor mittlerweile zehn Jahren widerfahren ist. Damals, kurz nach seinem 50. Geburtstag, hätte ein besonders gewiefter Betrüger den Wolmirstedter Hof aufgesucht.

" Er erklärte, dass er von einer Telefonfrma käme, die hier im Krankenhaus eine alte Telefonanlage ab- und eine neue aufbauen müsste, und fragte nach vier Zimmern für sich und seine Kollegen. Dort wollten sie für die Zeit der Beschäftigung im Ort übernachten ", erinnert sich Heidi Rothämel. Der Gast, ein Mann Mitte 30, hätte sehr angenehme Umgangsformen an den Tag gelegt. Außerdem sprach er den Wirt gleich auf dessen große Geburtstagsfeier an, die damals gerade eine Woche her gewesen sei.

Nachdem man einen Preis für die Zimmer vereinbart hätte, bot der Gast an, gleich die Schlüssel für alle vier Zimmer an sich zu nehmen und diese an seine Kollegen zu verteilen. Und zwar mit der Begründung, dass die Mannschaft immer bis zwei Uhr in der Nacht beschäftigt wäre. " Dann fragte er höfich an, ob wir noch Kartons hätten, denn sein Chef hat verboten, dass die Männer die abgebaute Telefonanlage über Nacht im Auto lassen. " Auch diesem Wunsch kam das Ehepaar nach, holte leere Kisten aus der Boutique, die Heidi Rothämel damals noch besaß.

" Der Betrüger war

ein großartiger

Schauspieler "

Der neue Gast wäre danach am Tresen sitzen geblieben, mit einem Stammgast ins Gespräch gekommen und hätte mit diesem eine Flasche Campari getrunken. " Den Schnaps hat der Stammgast bezahlt, weil er den Mann so nett fand ", erinnert sich der Hotelbesitzer an die Geschichte. " Dann hat er gefragt, ob wir ihm Geld vorschießen könnten, da er zwar eine Geldkarte für die Post hätte, aber der Automat nicht funktionieren würde. Auch das hat gestimmt, zu der Zeit wurde in der Post gerade gebaut ", weiß Rothämel von damals. Trotzdem hat er natürlich kein Geld herausgegeben.

Am nächsten Tag, so gegen elf Uhr, wunderten sich die Angestellten, dass die Monteure gar nicht zum Frühstück aufgetaucht waren. Als man vorsichtig in den Zimmern nachschaute, fehlte in allen vier Räumen jeweils der Fernseher und das Telefon. " In der Nacht hatte der Betrüger noch teure Telefonsex-Hotlines angerufen – und zwar ziemlich ausdauernd, zumindest war es eine hohe Rechnung. " Rothämels erstatteten Anzeige. Die Zimmerschlüssel wurden kurz nach der Tat auf der Domäne wiedergefunden, wo der Dieb sie achtlos weggeworfen hatte.

Den Schaden übernahm die Versicherung. Kurios : Mit der gleichen Masche hatte der Mann kurz nach der Aktion in Wolmirstedt auch noch in einem Hotel in der Hohen Börde Erfolg. " Er wurde zwar gefasst, aber man hat ihn wegen Geringfügigkeit wieder gehen lassen ", so Bernd Rothämel.

Heute kann er über die Geschichte lachen. " Das war der beste Schauspieler, den man sich vorstellen kann. " Mittlerweile haben es Betrüger und Diebe schwerer, gibt es doch ein System, bei dem die Hoteliers per Fax oder E-Mail vor Maschen und bestimmten Tätern gewarnt werden. Und so hat auch das Ehepaar Rothämel nach dem spektakulären Diebstahl von 1999 keine Verluste mehr zu beklagen.

Auch im Wolmirstedter Hof sind es mittlerweile die kuriosen Fundstücke, von denen die Zimmermädchen berichten können. Hier beispielsweise ein Gebiss oder Unterwäsche nach einem Schäferstündchen. " Wer so etwas Pikantes vergisst, muss schon selber anrufen. Wir melden uns dann nicht ", verweist Heidi Rothämel auf das oberste Gebot der Hotelbesitzer. Und das lautet : Diskretion.