Wolfgang Erdmann aus Loitsche verfügt über viele Talente. Seine Computergraf - ken konnten schon bei so mancher Ausstellung bewundert werden, und bei den alljährlichen Plakatwettbewerben zum Sachsen-Anhalt-Tag hat Erdmann schon einmal Platz zwei und einmal Platz drei belegt. Doch Wolfgang Erdmann kann mehr.

Loitsche. " Die ersten Geschichten habe ich geträumt. Ich bin nachts aufgestanden und habe sie aufgeschrieben ", erzählt der frühere Polizist, der jetzt als Sachbearbeiter im Innenministerium arbeitet, wie er dazu kam, ein Märchenbuch zu schreiben. " Der vergessene Laden ", so der Titel des Buches, in dem auf 140 Seiten die märchenhaften Abenteuer des Zwillingspaares Meike und Klaus beschrieben werden. " Geschichten im Traum erdacht und erzählt ", hat Erdmann dem Buchtitel noch als Unterzeile hinzugefügt.

Fortsetzung ist bereits als Roman in Arbeit

Und was die beiden Kinder in Erdmanns Buch erleben, steht einem Harry Potter kaum nach. Da gibt es den Teller mit leckeren Pfannkuchen, der sich immer wieder füllt oder den zerstreuten Zauberer, der aus seinem Zauberbuch ein Kochbuch und aus seinem Zauberstab einen Dirigentenstab gezaubert hat und nur durch die Hilfe der Kinder einen Ausweg f ndet.

" Etwa sechs Monate habe ich daran geschrieben ", berichtet Wolfgang Erdmann, der inzwischen bereits an einer Fortsetzung arbeitet. " Dieses Mal sind es allerdings nicht Einzelgeschichten, sondern ein ganzer Roman. Der soll auch ältere Kinder ansprechen, denn Meike und Klaus sind darin auch älter geworden. " Noch hat der 53-jährige Loitscher keinen Verleger für sein Buch gefunden. " Es gibt allerdings inzwischen einen interessierten Verlag in Braunschweig ", hofft Wolfgang Erdmann, dass sein Buch veröffentlicht werden kann. Es ist allerdings nicht sein Erstlingswerk. " Ich hatte vor etwa fünf Jahren schon einmal ein Sachbuch verfasst, das sich mit dem magischen Rubik-W ürfel beschäftigt. "

Doch Erdmann belässt es nicht beim Gestalten von Internetseiten, beim Entwerfen von Plakaten oder beim Schreiben von Büchern. Neuerdings ist noch ein weiteres Hobby dazugekommen, das sehr viel Kreativität verlangt. " Ab und an setze ich mich an meinen Schnitztisch im Keller und schnitze ", verrät der Loitscher. So schnitzt er mit Vorliebe geheimnisvolle keltische Knoten oder originelle walisische " Lovespoons ". " Diese Löffel werden in Wales meist zu besonderen Anlässen verschenkt ", weiß Erdmann.

f Die Abenteuer der zehnjährigen Zwillinge Meike und Klaus schildert Wolfgang Erdmann in seinem ersten Märchenbuch " Der vergessene Laden " - Geschichten für Kinder, im Traum erdacht und erzählt. Nachfolgend eine kleine Leseprobe :

" Meike ", f üsterte Klaus. " Wollen wir Schattenraten spielen ?" Das Mädchen antwortete nicht. Sie war schon fast in den Schlaf gesunken. " Meike, schläfst du schon ?", rief Klaus etwas lauter. Meike brummte etwas Unverständliches, aber dann gab sie doch nach. Schattenraten war ein spannendes Spiel, das man nur nachts spielen konnte. Man brauchte dafür nur den Mond und Wolken. Dazu setzten sich die beiden auf das Fensterbrett und beobachteten, wie der Wind dem Mond Wolken in den Weg schob. Sie hatten auch schon viele aufregende Figuren auf ihrer Zimmerwand entdeckt. Manche waren so komisch, dass sie vor Lachen fast von der Fensterbank gefallen wären Hin und wieder erschienen auch unheimliche Gestalten, die ihnen Angst machten. Zum Glück kam dann aber ein Wind, und die Figur verfog im Nichts. In dieser Nacht sahen die Schattenbilder jedoch anders aus. Es schien, als würde eine Gruppe von Menschen an ihrer Zimmerdecke herumlaufen und Lärm schlagen. Und ziemlich weit oben, dicht unter der Decke ihres Zimmers schien hinter der alten, gestreiften Tapete ein Dachfenster zu sein. Das war allerdings sehr merkwürdig. Wie es schien, bewegte ein Lufthauch die Tapete hin und her, als wäre sie eine leichte Gardine. Klaus füsterte Meike zu : " Siehst du das auch ? Das kann doch gar nicht sein. " Meike antwortete gleichfalls im Flüsterton : " Mir ist das unheimlich. Können wir die Schatten nicht wegfegen ?" Eigentlich war Klaus ja auch etwas ängstlich, aber er musste doch seiner kleinen Schwester Mut machen. " Es ist doch nur ein Schattenspiel ", füsterte er. Dann meinte er energisch : " Wir werden nachsehen, was da oben ist. " Die Kinder schoben leise den Tisch aus der Mitte des Raumes an die Wand und stellten noch einen Stuhl obendrauf. Sie hätten auch gern die Leiter aus dem Flur geholt, aber das hätte sicher viel zu viel Lärm gemacht. Tapfer stieg Klaus nach oben und begann, die Stelle zu untersuchen.