Wolmirstedt. Mehmet Barkodat lebt seit nunmehr 21 Jahren in Deutschland. Kein Grund für den gebürtigen Türken, mit alten Traditionen zu brechen. Heute beginnt für ihn und für alle anderen Muslime der Fastenmonat.

" Wenn jemand den Ramadan auch mal praktizieren möchte, erzähl ich ihm oder ihr alles darüber ", antwortet Mehmet Barkodat scherzend auf die Frage nach den Gewohnheiten während des Fastenmonats. Aber er ist auch ohne Zugeständnis bereit, Auskunft zu geben. Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender und gehört zu den fünf Säulen des Islam. Das sind die Hauptpflichten, die ein Muslim als Gottesdienst leisten muss. Dazu zählen ebenso die Glaubensbekenntnis, das Gebet, die Wallfahrt nach Mekka und das Entrichten der Almosensteuer. Für jeden gläubigen Muslim, der die Pubertät erreicht hat, ist es verbindlich, die Regeln des Ramadan einzuhalten. Kinder müssen die strengen Normen noch nicht befolgen. Aber manche fasten auch ein paar Tage, um sich langsam daran zu gewöhnen.

Seit 2002 lebt Mehmet in Wolmirstedt. Obwohl es in der Umgebung nicht so viele Muslime gibt und er zum Besuch der Moschee bis nach Magdeburg fahren muss, ist es für ihn kein Problem, seine Gewohnheiten zu pfl egen. " Warum sollte ich darauf verzichten ? Es ist unsere Religion und unsere Tradition. " Die ersten beiden Tage des Ramadan sind für den Bingöl-Grill-Besitzer die schwierigsten. Er müsse sich erst daran gewöhnen, tagsüber auf Essen und Trinken zu verzichten.

Denn von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dürfen keine Lebensmittel verzehrt werden, und körperliche Zuneigung ist auch nicht gestattet. Dass er dabei seine Gäste mit Speisen versorgt und selbst nicht zugreifen darf, spielt für Mehmet jedoch keine Rolle. " Ich weiß, dass ich wieder etwas essen kann, wenn es dunkel wird. " Und dann trifft sich der Türke auch mit Freunden und anderen muslimischen Familien aus der Umgebung, um den Ramadan zu feiern.

" Wir laden uns gegenseitig zu Besuchen ein, helfen einander, kochen für einander – jeder ist für jeden da ", äußert er sich stolz. Schließlich geht es um mehr, als nur Spaß zu haben. Auch wenn das Fest kleiner ausfällt als in seinem Heimatland Türkei, so ist es doch etwas Besonderes. Mehmet Barkodat vergleicht den Ramadan mit dem Weihnachtsfest : " Es ist wundervoll, wenn Familie und Freunde zusammenkommen und gemeinsam feiern. "

Den Höhepunkt der Zelebration bildet das Fastenbrechen am Ende des Monats, im Türkischen auch " Zuckerfest " genannt. " Dann ziehen wir uns elegant an, gehen in die Moschee und feiern anschließend zusammen mit einem großen Festmahl ", erzählt Mehmet weiter. Aber bis es so weit ist, muss er sich erst 30 Tage lang in strenger Enthaltsamkeit üben.