Haldensleben. Wie wohl alle Kinder hat auch Ines Orlicek Märchen gelesen, dann Winnetou und andere Indianerbücher. Sie war davon so fasziniert, dass sie einfach weitergemacht hat. Sie hat viel gelesen, anderen zugehört, ist zu Treffen Gleichgesinnter gefahren, und so hält sie es heute noch. Ihre Kinder sind noch ganz begeistert von der Week, einem großen Treffen von Freunden indianischen Lebens, das einmal im Jahr in Deutschland stattfi ndet.

Eine Woche lang leben alle in Tipis ohne Strom. Die Zeitung gibt es dort übrigens abends, die wichtigsten Nachrichten für das Tipidorf werden dann ausgerufen, nicht aufgeschrieben. So wird es früher in den Indianerdörfern auch gewesen sein. Leben kann man von dem, was die Natur bietet. Ines Orlicek hat sich inzwischen sogar ein großes Wissen über Heilpfl anzen angeeignet, übrigens nicht nur aus Überlieferungen der Indianer, sondern auch über Pfl anzen im deutschen Raum. Sie hat beispielsweise auch eine indianische Heilkundige bei einer Vortragsreise in Deutschland begleitet.

Viele Bücher über das Leben der Indianer gibt es nicht in deutscher Sprache. Deshalb hat die couragierte Frau, die mit ihrer Familie seit fünf Jahren in Klein Rodensleben wohnt und sich dort sehr wohl fühlt, schon zahlreiche Bücher aus dem Englischen für sich übersetzt. Lange hat sie im Arbeitskreis " Indianer heute " mitgearbeitet und kennt deshalb nicht nur das frühere Leben der Ureinwohner des amerikanischen Kontinents. Sie hat ein großes Tipi mit einem Durchmesser von etwa fünfeinhalb Metern, das auch öfter mal im Garten aufgebaut wird, und ein Tipi für Kinder, das einen Durchmesser von etwa zwei Metern aufweist. Und sie beschäftigt sich auch mit indianischen Kleidung und indianischem Spielzeug, pflegt auch die Perlenstickerei. Besonders interessiert sie sich für den Stamm der Kiowa.

Der achtjährige Forrest und die 16-jährige Anna kennen sich ganz gut aus im Leben früherer Indianergenerationen. Sie sind damit groß geworden. Ines Orlicek bietet inzwischen auch Veranstaltungen für Kinder an, um sie mit dem ursprünglichen, natürlichen Leben der Indianer bekannt zu machen. Und das will sie nun auch an der Kreisvolkshochschule in Haldensleben tun. Für den 5. September steht im KVHS-Programm ein Vormittag, an dem Ines Orlicek in das Kunsthandwerk nach Vorlagen der nordamerikanischen Ureinwohner einführen möchte. Traumfänger, Tierfiguren, Puppen und Schmuck können zum Beispiel gefertigt werden. Und das kann nicht nur Kindern, sondern der ganzen Familie Spaß machen. Am Abend des 1. September möchte die vielseitig interessierte Frau einen Einblick in die Kultur und Geschichte der Ureinwohner Nordamerikas geben. Dabei setzt sie sich auch mit Vorurteilen und romantischen Vorstellungen auseinander. Wer zu diesen Terminen keine Zeit hat, sich aber dennoch für das Thema interessiert, kann sich dennoch in der Kreisvolkshochschule melden, dann können auch andere Termine festgesetzt werden.

Da Ines Orlicek ausgebildete Landschaftsgärtnerin ist, kann sie übrigens auch Grundlagen der Gartenplanung weitergeben. Im dafür angesetzten Kurs am 15. September sind nur noch wenige Plätze frei.