Heute um 18 Uhr werden die 28 Ratsmitglieder, die am 7. Juni mit der Kommunalwahl ihr Mandat erhielten, durch den dienstältesten Stadtrat amtsverpflichtet. Die Programme und damit die Ziele, die die Parteien jetzt angehen, sind bekannt. Doch es bleibt eine Frage : Sind Aufgabenstellungen der Stadträte und die Wünsche der Wähler deckungsgleich ? Die Volksstimme wollte Antwort und fragte im Bereich der August-Bebel-Straße nach.

Wolmirstedt. Gestern war Markttag in Wolmirstedt. Neben Gemüse, Obst und Textilien geht an so einem Tag auch manch Wissenwertes über den Ladentisch. Neuigkeiten werden ausgetauscht, seinem Ärger Luft gemacht. Nur wenige Tage nach den Kommunalwahlen und wenige Stunden vor der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrates ist auch die Kommunalpolitik ein Thema. Die Volksstimme mischte sich unter die Marktbesucher und fragte : " Welchen Wunsch haben Sie an den neuen Stadtrat ?" Um es vorwegzunehmen, einen speziellen Wunsch hatten nur wenige bei dieser kleinen, wenig repräsentativen Umfrage, und das Gros der Befragten war auch durchweg mit der Arbeit der Stadtväter zufrieden. Und deshalb wurden meist nur gut gemeinte Hinweise gegeben.

So wünscht sich die agile 84-jährige Gertrud Schulz, dass die neuen Stadträte in der kommenden Legislaturperiode endlich damit beginnen, fraktionsübergreifend im Sinne der Wolmirstedter tätig zu werden. Wie sagte die rüstige Rentnerin so treffend : " Gemeinschaftssinn bringt Wolmirstedt weiter. "

Denn dann hätte auch das Krankenhaus nicht abgerissen werden müssen. Rosemarie Seelandt, 73, die bis zum verdienten Ruhestand als Medizinisch-Technische Assistentin arbeitete, bemängelt, dass mit dem Verlust des Krankenhauses die medizinische Betreuung gerade für ältere Bürger schlechter geworden ist.

Auffallend bei dieser Umfrage, dass sich die Bürger von Wolmirstedt besonders um die älteren Menschen sorgen. " Die sind oft nicht motorisiert und darauf angewiesen, dass sie alles im unmittelbaren Umfeld bekommen ", meint Werner König, 59 Jahre, Invalidenrentner. Und er wünscht sich, dass der Boulevard mit Hilfe des neues Stadtrates stärker belebt wird. Das sagt er nicht ohne Grund. So hat er erst jüngst von sich aus eine ältere Dame in die Rogätzer Straße zum Einkaufen gefahren. " Hätte ich nicht meine Hilfe angeboten, allein hätte die Rentnerin, die nicht gut zu Fuß war, den Einkauf nicht bewältigt. "

" Wozu der Stadtrat in der Lage ist, zeigten die Feierlichkeiten zur 1000-Jahr-Feier, als er gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helfern die Vorbereitungen schulterte und ein nachhaltiges Fest auf die Beine stellte ", weiß Dieter Stichnoth, 72, der die konstituierende Sitzung des Stadtrates heute besuchen wird. Karin Haselhorst, 52, Krankenschwester, fühlt sich in Wolmirstedt bestens aufgehoben. Auch, weil die Stadt in den vergangenen Jahren immer liebenswerter geworden ist. " Natürlich gibt es in Wolmirstedt noch manchen Schandf eck. Aber ich denke, die werden verschwinden, wenn wieder Geld in der Stadtkasse ist und die Stadtväter handlungsfähig sind. " Gert Haubitz, 65, gestern noch Glindenberger, nach der Eingemeindung nun Wolmirstedter, hat nur einen Wunsch, dass die Stadträte auch weiter so zielgerichtet arbeiten " Da bin ich ganz optimistisch. Auch, weil Glindenberg mit fünf Stadträten vertreten ist, "

Die Volksstimme hat nicht nur gefragt, sie hat auch " Wunschzettel " der Wolmirstedter bekommen. Recht ausführlich formulierte Christian Hamel seinen Wunsch, nämlich, dass endlich im Bereich Küchenhorn etwas geschieht. " Es geht um das Stadion und die Straße, die dorthin führt ", schreibt der Wolmirstedter und erinnert daran, dass sich in den vergangenen 24 Jahren nicht viel verändert hat. " Eine neue Weitsprunganlage gab es in der Zwischenzeit und ein Wurfkäfig im Außenbereich. An der Bahn hat sich aber nichts geändert und der Belag ist noch immer der gleiche wie damals. " Sein Wunsch : Viele Sportler würden sich freuen, wenn das Stadion im Küchenhorn und dessen Zuwegung endlich erneuert würde.

Jürgen Wolnicza stellt in seiner Mail die Frage nach dem schönsten Radweg im Bördeland und gibt selbst die Antwort : " Da kann man mit Gewissheit sagen, dass der am 4. April 1998 freigegebene Radweg zwischen Glindenberg und Wolmirstedt einer der schönsten ist. Kommend aus Glindenberg fährt man an einer alten Linden- und Eichenallee über die Ohrebrücke, am Kiesbaggerloch und modernem Kuhstall vorbei. Dahinter stehen zwei Behelfsheime, seit über 20 Jahren nicht mehr bewohnt, jedoch mit Graffiti, verschönert ‘. Ein wahrhaft trostloser Anblick. "

Der Wolmirstedter aber ist sich sicher, dass nicht nur dieser Schandfleck bald " entsorgt " sein wird.