Die marode Ohrebrücke am Bodelschwingh-Haus ist demontiert. Spezialisten einer Stahl- und Anlagenbaufirma aus Staßfurt rückten gestern gegen 7 Uhr mit schwerer Technik an und lösten sie binnen zwei Stunden aus ihrer Verankerung. Mitte September wird dann die umfassend sanierte Fußgängerbrücke, wobei große Teile komplett erneuert werden, wieder eingeschwenkt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 60 000 Euro.

Wolmirstedt. Die Demontage der Fußgängerbrücke am Bodelschwingh-Haus dauerte gestern Vormittag nicht einmal 120 Minuten. Danach war die zerschlissene und in die Jahre gekommene Ohrebrücke in ihre Einzelteile zerlegt, ragten lediglich noch die Fundamente aus der Ohre. Helmut Prellberg, 70 Jahre, der mit anderen Wolmirstedtern die Arbeiten mit dem nötigen Sicherheitsabstand beobachtete, lüftete ein Geheimnis : " Die Brücke soll 1959 gebaut worden sein. Das hat mir ein guter Bekannter gesagt, der selbst an diesem Projekt mitgearbeitet hat. " Und dann machte der 70-Jährige noch eine Rechnung auf : " Zur 950-Jahr-Feier der Stadt wurde die Fußgängerbrücke montiert, bis zur 1000-Jahr-Feier hat sie unzählige Bürger sicher ins Küchenhorn gebracht. " " Und das wird ab Mitte September auch wieder so sein ", erläuterte Bauamtsleiterin Sabine Bednorz. " Bis dahin aber ist das Küchenhorn allein über die Amtsbrücke zu erreichen. " In diesen zwei Monaten wird die Brücke, lange Zeit Streitapfel im Bauausschuss und Stadtrat, in Staßfurt umfassend saniert. Sabine Bednorz aber verspricht : " Wenn die Brücke wieder eingeschwenkt und sicher auf den Fundamenten verankert sein wird, ist es eine nagelneue Brücke, die den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht und eine lange Lebensdauert bietet. "

Gestern aber wurde die alte Brücke von den Spezialisten erst einmal demontiert. Projektleiter Jens Hoffmann, der auf der Baustelle die Verantwortung trug, sah beim Abbau der Brücke keinerlei Probleme. " Doch ohne schwere Technik, sprich mit einem Autodrehkran, hätten wir zumindest das Mittelstück nicht bewegen können ", so Hoffmann. Als Erstes aber wurden die Verankerungen gelöst, was ohne Schweißbrenner nicht mehr möglich war. Anschließend mussten die beiden Rampen, die ein Gewicht von 500 Kilogramm und eine Länge von knapp fünf Metern hatten, vom Mittelteil der Brücke getrennt werden und schwebten anschließend am Kranhaken ans Ufer. Ausgesprochene Präzisionsarbeit verlangte das riesige 18 Meter lange Mittelteil der Brücke. Die Seile mussten punktgenau angeschlagen werden, bevor der Autodrehkran den 18 Tonnen schweren Brückenkörper anheben und vom Fundament lösen konnte.

Was an der Brücke getan wird, wie der Ersatzneubau aussieht, wusste Norbert Richter vom Magdeburger Ingenieurbüro. " Großteile der alten Brücke müssen erneuert werden, das Geländer gänzlich, denn es entspricht schon längst nicht mehr den geforderten Sicherheitsstandards. " Auch der Brückenbelag, so der Fachmann, wird erneuert und durch zertifiziertes Tropenholz ersetzt. " Auch wenn es für den Außenstehenden wie eine Luxusvariante klingt ", betont der Ingenieur, " so war es doch eine vorausschauende Entscheidung. "

Der Grund : Das Holz hat gegenüber einheimischen Hölzern die geforderte Härte, außerdem muss es, das ist der entscheidende Vorteil, nie wieder behandelt werden. Immer vorausgesetzt, dass der Zahn der Zeit nicht an einer anderen Stelle nagt. Doch das ist ein Thema, das den neuen Stadtrat sicherlich die nächsten Jahre nicht bewegen wird.