Jürgen Wolniczak interessiert sich für die Geschichte. Nicht nur, weil seine persönliche so spannend ist : 1945 auf der Flucht aus Breslau geboren und mit der Mutter und den drei Geschwistern nach Glindenberg gekommen, erforscht der 64-J ährige seit Jahren die Geschichte seiner Heimat. Bei den Recherchen fand er heraus, dass der Ortsteil im Jahr 2012 allen Grund hätte, eine 800-Jahr-Feier zu veranstalten.

Glindenberg. Die Informationen, die Jürgen Wolniczak über seinen Heimatort Glindenberg gesammelt hat, füllen mehrere dicke Ordner im Wohnzimmerschrank. Die Chronik der Ortschaft macht er ohne Auftrag, rein aus privatem Interesse, allerdings mit vorbildlicher Akribie.

Auf den ersten Griff f ndet der 64-J ährige, was er zeigen möchte. Einen Brief, den ihm das Landesarchiv Sachsen-Anhalt geschickt hat, datiert auf den Monat April des Jahres 2001. Der wichtigste Satz des Schreibens befndet sich im unteren Drittel der ersten Seite. Denn dort steht : " Deshalb kann 1212 als gesichertes Ersterwähnungsjahr gelten, obwohl der Ort ( Glindenberg ) als solcher erst in der Urkunde von 1221 aufgeführt ist. (…)"

Landesarchiv gibt Jahr

1212 als gesichert an

Das Landesarchiv in Magdeburg hat auf Anfrage des Glindenbergers nachgeforscht, wann die Elbgemeinde erstmalig urkundlich erwähnt wurde. So stieß man auf das Jahr 1212, in dem ein Ritter Heinrich von Glindenberg in Urkunden des Erzbischofs Albrecht genannt wird.

" Der Nachweis eines Zusammenhanges zwischen dem persönlichen Namen des Ritters und dem Ortsnamen ist dadurch gegeben, dass sowohl Heinrich von Glindenberg als auch der Ort Glindenberg in einer Urkunde vom 20. September 1221 genannt werden, in der Erzbischof Albrecht dem St. Lorenzkloster zu Magdeburg seine Besitzungen bestätigt ", heißt es in der Erklärung des Landesarchivs weiter.

Für Jürgen Wolniczak ist das Grund genug, darüber nachzudenken, ob Glindenberg nicht im Jahr 2012 das 800. Jubiläum seiner Ersterwähnung feiern könnte. Denn bisher gab es seines Wissens nach kein solches Fest in der Elbgemeinde.

Auf der letzten Einwohnerversammlung, die Anfang Juni stattfand, sprach der Glindenberger das Thema erstmalig öffentlich an. " Aber da gab es so kurz vor der Kommunalwahl und der Eingemeindung ja erstmal wichtigere Themen. "

Gelegenheit zum Feiern sollte genutzt werden

Wolniczak selbst hat nach der 1000-Jahr-Feier von Wolmirstedt, bei der er im Flüchtlingstreck des großen Festumzuges mitlief, Blut geleckt. Deswegen fände er es schade, wenn seine Ortschaft ihr Jubiläum ungefeiert verstreichen lassen würde. " Es muss ja nicht so groß werden wie in Wolmirstedt ", erklärt er schmunzelnd.

Wie Ortschaftsrat Alfons Hesse ( CDU ) versichert, wäre das Alter der Ortschaft bisher kein Thema im Rat gewesen. " Die Erkenntnis hat uns nach der Versammlung alle etwas überrascht ", bestätigt auch Ortsbürgermeisterin Gisela Gerling-Koehler. Zwar hätte man im Arbeitskreis der Vereine das Thema schon mal angesprochen, aber noch nicht nachhaltig verfolgt. " Das müssen wir jetzt mit Beginn der neuen Legislatur unbedingt mal anschieben ", so die Ortsbürgermeisterin, die sich eine 800-Jahr-Feier in Glindenberg durchaus vorstellen kann.