Haldensleben. Pfingsten 1927 wurde die Haldensleber Jugendherberge als " Mittelelbehaus " eingeweiht. Willi Koch, Mittelschullehrer und Kreisjugendpfleger, hatte das Wachsen und Werden des Hauses in einem Album festgehalten, das das Museum Haldensleben der Volksstimme zur Verfügung gestellt hat.

Das Tagebuch beginnt mit Fotos von der Suche nach Wasser. Fotos vom Beginn der Bauarbeiten im Winter 1926 folgen und weitere Bilder vom Fortgang der Arbeiten. Festgehalten ist auch der Richtspruch, den Maurerpolier Fritz Riemann hielt. " Beschützet sei dies Haus vor all ‘ und jedem Schaden, und nie mit irgend einem Ungemach beladen ! Kein Zankgeschrei erschall in seinen Mauern, und niemand muss in ihm ein Missgeschick betrauern ... " hieß es darin. Nach dem Richtspruch begaben sich alle zu einer würdigen Feier in den " Bierkeller ". Dazu schrieb Willi Koch : " Ein anspruchsloses Essen, viel Scherz und Gesang, alte Handwerksbräuche und -spiele und Vorträge ( alles ohne Besäufnis !) ließen das Richtfest harmonisch ablaufen und zeigten, wie man alten Bräuchen einen neuen Inhalt geben kann. "

Dann nach viel Arbeit die Einweihung Pfingsten 1927 mit vielen, vielen Gästen. Bürgermeister Otto Boye hielt die Weihrede. Willi Koch hat auch Aufnahmen von der Umgebung, von Moosbruchwiese und Pulverturm dazugestellt, wie auch Aufnahmen der einzelnen Räume und von Besuchern. Als die Arbeitslosigkeit wuchs, rief ich den freiwilligen Arbeitsdienst ins Leben. So wurde auch das Haus weiter verschönert. Weiter schrieb er zum Arbeitsdienst : " Als er sich uniformierte, war meine Aufgabe beendet. "

Mit Datum vom 1. September 1933 endet das Album. Willi Koch zieht auf dieser Seite Resümee : " Von all den vielen Werken, die ich während der Zeit, da ich Kreisjugendpfleger war, geschaffen habe oder an denen ich mithelfen konnte ( 1925 – 33 ), ist mir die Jugendherberge besonders ans Herz gewachsen. Vom ersten schüchternen Gedanken bis zum letzten Nagel strebte ich für dieses Haus, das ein Zentralpunkt jugendlichen Lebens der Heimatstadt werden sollte und auch geworden ist. Die Entwicklung ist anders gelaufen, als ich sie erstrebt habe. 1933 musste ich mein Amt als Kreisjugendpfleger niederlegen. Es zog ein Geist in diesem Hause ein, dessen Krönung nur der Krieg sein kann. So nehme ich denn Abschied von meinem Kinde ; mir ist zumute wie einer Mutter, die ihr Liebstes zum ersten Male in fremde Hände geben muss : Ich wünsche ihm alles Gute auf seinem Lebenswege und werde doch die Sorgen nicht los. "