Bei vielen Wolmirstedtern ist die 1000-Jahr-Feier als " Sommermärchen " ins Gedächtnis gebrannt. Um ein bisschen von diesem Zauber mit in die Zukunft zu nehmen, trafen sich die Organisatoren noch einmal zu einer Auswertung.

Wolmirstedt. Die 1000-Jahr-Feier war ein Fest, das niemand üben konnte. Drei Feierwochen liefen ohne Generalprobe ab, und es gibt kein zweites Mal. Eine Punktlandung musste gelingen – und sie gelang. " Selbst der Regen hat niemanden gestört ", resümiert Norbert Franke. Er gehörte zu den Organisatoren der Ohre-Classic-Rallye und damit zum Kreis derer, die von Marlies Cassuhn zur Auswertungsveranstaltung eingeladen worden waren.

" Wir haben im Januar 2005 zu ersten Gesprächen mit Vereinen und Bürgern eingeladen ", blickt die stellvertretende Bürgermeisterin auf die lange Vorbereitungszeit zurück, " im Jahre 2006 gründete sich dann das Festkomitee. " Schritt für Schritt arbeiteten die Organisatoren auf das große Fest hin, es wurde ein grandioser Erfolg. Und nun stellt sich die Frage : Was bleibt ?

" Ich denke, wir sollten diese Erfahrungen nutzen, um die Qualität des Stadtfestes zu heben ", nennt Marlies Cassuhn einen Schwerpunkt, richtet den Blick aber auch über die Grenzen des Stadtfestes hinaus. " Wir müssen die Stadt mit ihrer Umgebung besser vermarkten, sollten unbedingt ein Stadtmarketing entwickeln. "

In diesen Tenor f elen Bastienne Schröter und Wolfgang Buschner postwendend ein. " Stadtmarketing ist ein weites Feld, was unbedingt bearbeitet werden muss ", sagt Bastienne Schröter. Wolfgang Buschner berichtete vom immer wieder gehörten Ausruf : " Ich wusste gar nicht, dass es hier so etwas Schönes gibt !" Damit meinten die Falkner, Künstler und Besucher der 1000-Jahr-Feier das Ensemble der Schlossdomäne. Er wünscht sich, dass diese Perle der Kleinstadt bekannter wird. " Es wäre schön, den Schlossgarten und die Freilichtbühne auszuschildern ", sagt Buschner.

" Stadtmarketing ist ein weites Feld, das unbedingt bearbeitet werden muss

Doch Plätze und Gebäude – und seien sie noch so romantisch gestaltet – genügen nicht für ein gelungenes Fest. " Bei diesem Fest wurde Kultur für Jedermann geboten ", sagt Burkhard Wiedemann. " Dadurch kam genau das Publikum nach Wolmirstedt, was sich die Veranstalter wünschen konnten. " Wiedemann ist Polizist, war als Leiter des Einsatzdienstes für die Sicherheit auf dem Fest zuständig, und kennt aus seiner Tätigkeit heraus ganz andere Feste. " Manche erinnern an einen kleinen Bürgerkrieg ", sagt er und ermutigt die Stadt zu weiteren interessanten Stadtfesten.

Natürlich läuft bei so einem Mammutfest nicht alles wie geschmiert. Das mittelalterliche Spektakel um den Einzug des Kurfürstenpaares war liebevoll und aufwändig organisiert und durchgeführt, aber wegen technischer Pannen " eine unsichtbare Flüstershow " geworden, wie Organisatorin Kerstin Andrée sagt. Als Ursache wurden Kommunikationsprobleme ermittelt. " Wenn sich Dritte in die bereits getätigten Absprachen schoben, lief es meist schief ", hatte auch Dirk Michel von der Sicherheitsfrma erfahren. Doch auch er bescheinigt dem gesamten Fest eine hohe Qualität. Und Kerstin Andrée schlägt vor : " Vielleicht können wir das Spektakel beim nächsten Stadtfest noch einmal zeigen. "

" Vielleicht wäre es gut, eine gesamte Beschallungsanlage zu installieren ", schlägt Dirk Illgas vor. Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes war während des Festes für die Sicherheit zuständig, gehörte zur Arbeitsgruppe Handel und Versorgung und war auch als Besucher beim Fest. " Über eine Anlage kann man beispielsweise Autos ausrufen, die etwas versperren, auf Programmpunkte hinweisen und man kann sie für Gesamtbeschallung nutzen ", so Illgas weiter. Sein Kollege Frank Schröder kümmerte sich mit seiner Arbeitsgruppe um die materiell-technische Basis, eine Arbeitsgruppe, die vor allem im Hintergrund unendlich viel zu tun hatte, wie Marlies Cassuhn noch einmal betont und in diesem Zusammenhang auch einen großen Dank an die Freiwillige Feuerwehr schickt.

Der Geist des Festes lebte vor allem von der Vielfalt und dem Zusammenspiel aller Beteiligten. Wer bis zur 1000-Jahr-Feier noch glaubte, die Leute mit kleinen Einzelaktionen hinter dem Ofen hervorzulocken, wurde spätestens im Juni eines Besseren belehrt. Die Vielfalt macht ein Fest interessant. Fallschirmspringer beim Großbootcup, Chorgesänge neben einem Keramikmarkt oder Sport neben der Oldtimershow lockten. " Eine Ohre-Classic-Rallye wird es ganz sicher wieder geben ", sagt Norbert Franke, " aber nur im Zusammenspiel mit anderen Aktionen. "

" Für jeden hat das

Fest ganz individuelle Höhepunkte

geboten "

Auch Gerhard Thiede von der Wolmirstedter Wohnungsbaugesellschaft möchte die guten Erfahrungen des Mieterfestes für künftige Jahre nutzen und sich damit auch in kommende Stadtfeste einklinken.

Was bleibt, sind jedoch nicht nur Erinnerungen und Erfahrungen, sondern auch ein paar Souvenirs, Shirts, Schirme, Becher, Kalender und Pins. " Im nächsten Jahr haben die Restbestände ihren Wert endgültig verloren ", sagt Marlies Cassuhn. " Darum überlegen wir, an einem Tag im September diese Souvenirs zum Sonderpreis abzugeben. Über genaue Modalitäten berät noch der Förderverein. "

" Für jeden hat das Fest ganz individuelle Höhepunkte geboten ", weiß Marlies Cassuhn. " Das Schönste aber war ", sagt Kerstin Andrée, " alle Wolmirstedter hatten sich lieb. "