Haldensleben. Zu dem Kreuchen im Seidenraupenhaus des Haldensleber Museums hat sich nun auch ein Flattern gesellt : Einige Raupen der Seidenspinnerzucht haben sich mittlerweile in Schmetterlinge verwandelt. " Oberzüchter " Museumsleiter Ulrich Hauer gewährt Neugierigen gern einen Einblick in die Zucht, die in der Rolandstadt eine lange Tradition hatte. Etwa 1740 soll mit der Seidenherstellung in Haldensleben begonnen worden sein. Zu Hochzeiten standen im Gebiet Benitz mehr 11 000 Maulbeerbäume, deren Blätter die Futtergrundlage für die Seidenraupen darstellen.

Weitaus kleiner ist die Zucht des Museums. Von den 25 " importierten " Seideraupen aus dem Brandenburgischen sind 122 Raupen geworden. Und die haben feißig gefressen, sind um das 7000 fache schwerer und das 30 fache länger geworden. Der nächste Schritt war das Einspinnen in einen Kokon. Aus diesen weißen und gelben " Seidenbällchen ", die aus einem drei bis vier Kilometer langen Faden bestehen, sind die ersten Falter, die Seidenspinner geschlüpft. Gleich nach dem Schlüpfen haben sie sich einen Partner gesucht. Denn ihr kurzes Leben dient nur der Fortpf anzung. Der Falter nimmt keine Nahrung mehr auf. Und mit der Eiablage beginnt der Kreislauf der Verwandlung von neuem, weiß Ulrich Hauer.

Für die eigentliche Seidenherstellung ließ man es früher erst gar nicht bis zum Schmetterling kommen. Da er den Kokon zerstört, wurde zur Gewinnung der Seidenfäden die Puppe bereits sechs bis zehn Tage nach dem Einspinnen in kochendem Wasser abgetötet. Nicht so im Museum, hier dürfen sich die Seidenspinner lieben und vermehren – unter Aufsicht allerdings. Denn zu viele Tierchen dürfen es dann doch nicht werden, sagt Ulrich Hauer.

Der Museumsleiter forscht unterdessen weiter in der Haldensleber Geschichte der Seidenherstellung. So hat er mittlerweile erfahren, dass in den 40 er und 50 er Jahren auch im Landeskrankenhaus eine Seidenraupenzucht betrieben worden sei. Ulrich Hauer sucht weitere Hinweise aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer ihm dabei behilfich sein kann, kann sich im Museum melden.