Die Hohe Börde hat am Sonntag die Abgeordneten der 14 Gemeinderäte der Verwaltungsgemeinschaft gewählt. Eine erste Analyse der vorläufgen Wahlstatistik bringt interessante Aspekte ans Licht.

Hohe Börde. Die Wahlbeteiligung lag zwischen 32,3 Prozent (Eichenbarleben) und 59,9 Prozent in Bornstedt. Das hohe Wählerinteresse in Bornstedt dürfte mit dem gleichzeitig durchgeführten Bürgerentscheid zusammenhängen. Neben der Ratswahl hatten die Bornstedter auch darüber zu befnden, ob ihre Gemeinde freiwillig eine Einheitsgemeinde Hohe Börde mit den übrigen dazu bereiten Gemeinden der VG Hohe Börde bilden soll. Die Bornstedter sagten mit 68,6 Prozent deutlich "Nein". Somit fällt die Entscheidung zurück an den Gemeinderat, der sich heute wohl ebenfalls gegen die freiwillige Bildung der Einheitsgemeinde aussprechen wird. Damit stehen die Zeichen auf Zuordnung von Bornstedt in der so genannten staatlichen oder Zwangsphase, die nach dem 30. Juni beginnt. Allerdings fehlt für die Praxis der Zuordnung noch ein entsprechendes Landesgesetz.

Bei der Wahlbeteiligung am Sonntag fällt eines auf: Tendenziell steigt die Wahlbeteiligung von Ost nach West. In den Gemeinden der ehemaligen Nördlichen Börde liegt die Quote durchweg bei über 40 Prozent, ebenso in Ochtmersleben. In den östlichen Gemeinden mit großen Neubausiedlungen, gern auch als Schlafdörfer im Magdeburger Speckgürtel bezeichnet, liegt die Quote zwischen 30 und 37 Prozent, Ausnahme ist Irxleben mit 40 Prozent.

Eine mögliche Interpretation dafür ist die – angenommene – stärkere Identifkation der Bürger in den westlichen Gemeinde mit ihren Dörfern. In den Neubausiedlungen im Speckgürtel leben viele ehemalige Magdeburger, die womöglich geringeres Interesses am Gemeindeleben vor ihrer Haustür verspüren und immer noch mit Magdeburg verbunden sind.

Nimmt man die Wahlergebnisse unter die Lupe fallen einige Besonderheiten auf. So hält in Hohenwarsleben mit der fünfköpfgen und neu angetreten Aktiven Bürgerinitiative für Hohenwarsleben (ABI) eine starke neue Fraktion Einzug und verschiebt die Mehrheitsverhältnisse im Rat erheblich. Stark abgeschnitten hat die CDU in Wellen und Eichenbarleben. In Eichenbarleben kamen sechs von sieben CDUKandidaten in den Rat, in Wellen schafften es alle sieben. Stark schnitt auch die Listenvereinigung "Bürger für Groß Santersleben" ab. Zehn der elf Kandidaten wurden in die Ratsrunde gewählt. SPD und CDU schafften es hier nur auf je einen Sitz.

Auffällig ist auch der bereits vor der Wahl diskutierte Einfuss von Bürgermeisterkandidaturen auf die Wahlergebnisse. Die Bürgermeister können nur bei Verzicht auf ihr Bürgermeisteramt "normaler" Gemeinderat werden. Sie wollen aber mit ihrer Kandidatur Stimmen für die eigene Fraktion ziehen. Und das hatte am Sonntag trotz Kritik im Vorfeld durchschlagenden Erfolg. So bescherte Rottmerslebens SPDBürgermeister Hans Eike Weitz seiner SPD-Liste mit 286 Stimmen mehr als doppelt so viele Stimmen wie alle übrigen gewählten SPD-Räte zusammen (139). Irxlebens Bürgermeister Thomas Schultze holte mit 328 Stimmen 94 mehr als die übrigen FDP-Leute im neuen Rat zusammen (234). Ähnlich sieht es in Nordgermersleben aus. Hier bekam Bürgermeister Ingo Steinmann (FDP) 105 Stimmen, die beiden anderen FDP-Räte zusammen 93. Hermsdorfs Bürgermeister Dieter Dähnhardt holt mit seinen 232 Stimmen zehn Mal mehr als der siebte Rat der von ihm vertretenen Freien Wähler (24 Stimmen).

Neu im Rat ist auch die Bebertaler Liste Sport/Feuerwehr. Sie stellt vier Räte und ist damit genauso stark wie die CDU.

Mit dem langjährigen Rottmersleber Rat Helmut Harpke verlieren die Bündnisgrünen den letzten Gemeinderat der Hohen Börde, der auf einer ihrer Listen angetreten war.

Das fulminanteste Einzelergebnis erreichte der Bornstedter Frank Hafenrichter. Er bekam mit 179 Stimmen jede vierte aller abgegeben Stimmen. Das ist so viel, dass es für ein Doppelmandat reicht, und somit nur sieben der eigentlich acht Ratssitze besetzt werden.