Wolmirstedt. " Charly " liegt auf dem Pfaster vor dem Eingang des Tierheims und hält die Nase in die Sonne. Wer den gutgenährten Rüden sieht, kann kaum glauben, dass er vor knapp einem Jahr dem Tod noch näher war als dem Leben.

Evelin Horwitz vom Tierheim kann ihre Rührung kaum verbergen, als sie Heike und Klaus-Peter Krüger um die Ecke biegen sieht. An der Leine hält das Ehepaar aus dem thüringischen Gera einen Rüden, der vor gut einem Jahr im Wald bei Dolle gefunden und monatelang im Tierheim aufgepäppelt wurde. Damals hatte man ihn " Lucky " genannt, weil er Glück hatte, dass der Förster ihn entdeckte. Sein früherer Besitzer wollte den Hund loswerden. Zwar war das Tier mitten im Wald nur mit einem dünnen Seil angebunden, aber " Lucky " war schon zu kraftlos, um sich selbst zu befreien. Er hatte sich in der Leine verheddert und keine Chance, das achtlos neben ihn gestreute Futter zu erreichen. Im Tierheim fütterte man ihn langsam mit Schonkost, gab ihm Liebe und Zuneigung. Um vermittelt zu werden, war " Lucky " lange zu schwach. " Wir konnten ihn zwar pf egen, aber er kam hier innerlich nicht zur Ruhe ", erinnert sich Andreas Tschiche vom Tierschutzverein.

Doch als im Februar dieses Jahres Uta Bresan für ihre Sendung " tierisch, tiersch " im Tierheim vorbeischaute, nahm man " Lucky " mit vor die Kamera. So kam es, dass Heike Krüger in Thüringen vom Schicksal des Hundes erfuhr.

" Wir wollten uns sowieso einen Hund holen – und zwar auf jeden Fall einen notleidenden, um zu helfen ", erzählt sie. Für " Lucky " habe sie gleich angerufen, so wie mehrere andere Interessenten auch. Aber als das Ehepaar im Wolmirstedter Tierheim vorbeischaute, war es auch bei dem Hund Zuneigung auf den ersten Blick. " Er hat gleich seinen Kopf auf ihren Schoß gelegt ", erinnert sich Evelin Horwitz an die erste Begegnung von Hund und neuen Besitzern.

Das ist jetzt gut ein Vierteljahr her. Aus " Lucky " wurde " Charly ", das gef el Klaus-Peter Krüger einfach besser. Der geschätzt zwischen acht und neun Jahren alte Rüde hat das Vertrauen in die Menschen nicht verloren, lässt sich gerne streicheln. Seine Pf eger aus dem Tierheim erkannte " Charly " sofort wieder, als er Anfang der Woche mit seinen neuen Besitzern zu einem Kurzbesuch in Wolmirstedt vorbeischaute. " So, wie es mit dem Hund gelaufen ist, das ist keine normale Geschichte. Aber eine, die Mut macht, wo man wieder weiß, warum man sich hier so engagiert ", sagt Tschiche.

Dass die Geschichte von " Lucky " vielen Fernsehzuschauer ans Herz gegangen ist, zeigt ein Erlebnis von Heike Krüger. " Als ich mit ‚ Charly ‘ in Gera zum Tierarzt ging, sprach mich eine Frau an, ob es sich dabei um den Hund aus dem Fernsehen handle ?" So, wie " Charly " heute aussieht, erinnert aber nichts mehr an sein trauriges Schicksal, das nun doch ein glückliches Ende fand.