Darius-Alexander Nöldge liest in diesen Wochen noch mehr als sonst. Er sucht ein gutes Buch, aus dem er am 25. Juni beim Bundesausscheid des Vorlesewettbewerbs im Schloss Bellevue eine originelle Textstelle vorlesen kann. Der Landessieger der Gymnasiasten weiß, wieviel von einem geeigneten Text abhängt.

Haldensleben. Lesen, das ist Darius-Alexanders Welt. Seine Eltern haben ihm immer viel vorgelesen, als er noch klein war. Die Buchstaben kannte er schon, als er zur Schule kam, und in der zweiten Klasse hat er sich bereits Bücher aus dem Schrank seines großen Bruders geholt. " Harry Potter ", " Herr der Ringe " und " Merlin " verschlang er viel früher als andere Gleichaltrige.

Fantasiebücher mag Darius am liebsten. Davon kann er gar nicht genug bekommen. Doreen Wittich, seine Lehrerin an der St .-Hildegard-Grundschule,

brachte ihm ebenfalls Bücher mit. Heute unterstützt ihn seine Lehrerin Gudrun Wahrendorf vom Professor-Friedrich-Förster-Gymnasium.

Die dritte Klasse hat Darius übersprungen, so ist er heute am Haldensleber Gymnasium in der 6. Klasse mit elf Jahren der Jüngste und auch der Kleinste. Dennoch hat er sich beim Vorlesewettbewerb der Sechstklässler erst in der Klasse und an der Schule, im Kreis- und schließlich im Bezirkswettbewerb durchgesetzt. Dass er den Landessieg beim Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des deutschen Buchhandels auf Gymnasiumsebene holte, ist bisher einmalig im Landkreis Börde. Irgendwann in der Kette dieser Vorleseausscheide hatte sich Darius vorgenommen : " Ich will dem Bundespräsidenten Horst Köhler vorlesen. " Köhler ist Schirmherr des Wettbewerbs, und der Endausscheid fndet in Berlin im Schloss Bellevue statt. Darius hat sein Ziel erreicht. Am 25. Juni fährt er nach Berlin, wird dort das ausgewählte Buch und den Autoren vorstellen und eine Textstelle vorlesen.

Aus " Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft " hat der Elfjährige beim Landeswettbewerb vorgelesen. Er hat eine lustige Stelle ausgesucht, erzählt er. Man müsse den Text gut vortragen können. Lange hat er überlegt, mit seinen Eltern darüber gesprochen, zunächst seine Überlegungen zu Buchauswahl und Autor auf einen Zettel geschrieben, immer wieder geübt.

Ins Auge gefasst hat er für den nächsten Ausscheid das Buch " Die schlimmste Schule der Welt ", in dem es um die waghalsigen Abenteuer von Emmaline und Rubberbones geht. Ganz schlüssig ist er sich aber noch nicht. Immer wieder leiht er sich auch Bücher in der Bibliothek aus.

Wer nun denkt, Darius sitzt den ganzen Tag über den Büchern, der irrt. Der Gymnasiast ist auch ein erfolgreicher Judoka, hat schon Siege geholt hat bei Wettkämpfen. Er geht in eine Mathematik-Arbeitsgemeinschaft, spielt beim HSC Schach, nachdem er bei Richard Ludwig an der Grundschule die Grundzüge gelernt hat, und er lernt Keyboard an einer Musikschule, hat auch schon beim Schulkonzert mitgespielt.

Zum Schach geht inzwischen auch die siebenjährige Schwester Christina-Marie mit. Sie eifert ihrem Bruder auch beim Judo nach. Nachdem die beiden Kinder die Judomatte für sich entdeckt hatten, stieg auch Vater Mike Nöldge mit ein. Inzwischen ist er Vorsitzender des Haldensleber Judoclubs " Ohre-L öwen ". Zu DDRZeiten hatte sich der Diplom-Ingenieur, der als Hub Manager bei der Hermes Logistik GmbH arbeitet, bereits mit Judo beschäftigt, war auch Leistungssportler.

Nöldges leben seit 15 Jahren in Haldensleben. Hergezogen waren sie, weil Dr. Angela Nöldge hier eine interessante Arbeit fand, sie ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Oberärztin im Ameos-Klinikum. Inzwischen hat auch Mike Nöldge in Haldensleben Arbeit, er muss nicht mehr pendeln. Die Familie fühlt sich hier wohl. Christoph-Maximilian, der älteste Sohn, ist 18 Jahre alt und hat bald sein Abiturzeugnis in den Händen. Auch er liest gern, doch besonders haben es ihm die Naturwissenschaften angetan. Auch Christina liest gern und freut sich mit ihrem Bruder.

Darius wird wohl wieder der Jüngste sein, wenn die Sieger der Sechstklässler der Gymnasien aus den Bundesländern in Berlin zusammentreffen. Das macht ihm nichts aus. Er scheint die Ruhe selbst zu sein, hoffentlich auch in Berlin.