Alleringersleben. Die Plätze in dem kleinen Kellerraum im Alleringersleber Sportlerheim reichen gestern Nachmittag kaum aus, so groß ist das Interesse an der von der Polizei und der Gemeinde einberufenen Veranstaltung. Ziel ist es, die Vorkommnisse vom Himmelfahrtstag am Alleringersleber Jugendklub Revue passieren zu lassen, um Aufklärung zu erhalten. Aufklärung darüber, was vorgefallen ist, wer und in welcher Form beteiligt war, ob ein Fehlverhalten der Beamten vor Ort vorliegt und wie sich die Einwohner vor solchen Übergriffen schützen können.

Beinahe minutiös haben die Beamten vom Revier Börde in Haldensleben die Ereignisse des 21. Mai zusammengetragen - von morgens um 8 Uhr, als die Jugendlichen ihren Klub für die Party vorbereiteten bis hin zum verhängnisvollen Eintreffen zunächst einer zum Teil stark alkoholisierten, dann einer zweiten Gruppe am Klub, in dessen Folge es zu Aggressivitäten, Prügeleien und dem Zeigen rechtsextremer Symole und dem Rufen ausländerfeindlicher Parolen kam.

Erst ein Leserbrief der Jugendlichen aus dem Klub in der Volksstimme vom 25. Mai hatte die Polizei überhaupt darauf gebracht, dass bei dem Überfall verfassungs- und ausländerfeindliche Hintergründe eine Rolle spielten. Hatte die Polizei vor Ort ihre Augen davor verschlossen ? Nach Ansicht der Jugendlichen sei das geschehen. Die Beamten vor Ort sagen hingegen, davon hätten sie nichts mitbekommen. Es sei bis dato nicht bekannt gewesen, dass Rechtsradikalismus in Alleringersleben eine Rolle spiele, betont die Polizeispitze gestern.

Bürgermeister Thomas Crackau erzählt : " Bis jetzt hatten wir zwar eineinhalb Jahre Ruhe, weil einer der Hauptakteure nicht in Alleringersleben war, doch nun ist er wieder da. " Er lobt die Jugendlichen für ihren Mut, das Thema angesprochen und damit einen Prozess in Gang gesetzt zu haben. Einen Prozess, in dessen Folge die Polizei für das Problem in der Gemeinde sensibilisiert wurde. Dass regelmäßig am Wochenende grölende Jugendliche mit dem Hitler-Gruß von der Bushaltestelle aus durch die Straßen zögen, kommt gestern ebenso zur Sprache wie die Angst der Einwohner, ihre Ruhe und Sicherheit zu verlieren.

" Das sind schwere Vorwürfe, die wir sehr ernst nehmen ", sagt Günter Romanowsky, der Dezernatsleiter Einsatz bei der Polizeidirektion ( PD ) Nord. Gegen die Beamten, die beim Einsatz dabei waren, werde wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt, sagt Klaus-Peter Deppe, stellvertretender Polizeipräsident der PD Nord. Er sei sehr bestürzt gewesen, dass es neben den körperlichen Attacken auch rechtsradikale Parolen gegeben habe.

" Wir konnten alle Straftaten aufklären ", sagt der stellvertretende Polizeipräsident. Intensive Ermittlungsarbeit hatten die Worte der Jugendlichen zur Folge. Nicht nur Körperverletzung und eine schwere Körperverletzung, sondern auch die sogenannten § 86 a-Verstöße konnten aufgeklärt werden, seien von den Beschuldigten zum Teil selbst eingeräumt worden, so Günter Romanowsky.

Der Appell der Polizeibeamten fällt eindeutig aus und wird mehrfach betont : Wir sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Während des Einsatzes hätte niemand der Jugendlichen davon gesprochen, dass es sich bei den Tätern um Rechtsradikale handelt.

Die Angst der Bürger sei verständlich, aber wenn das ganze Dorf bei der Bekämpfung zusammenrückt, würden das auch die Täter sehr bald merken, so Günter Romanowsky.

Klaus Czernitzki, Kreisvorsitzender der Linken, befürchtet, dass den Polizisten ein Fehlverhalten nicht nachgewiesen werden könne. Das räumt der Dezernatsleiter aufgrund der gesammelten, widersprüchlichen Zeugenaussagen ein, bittet aber auch zu bedenken, dass Polizisten auch ganz normale Menschen und damit nicht fehlerfrei sind.