Dorst / Dobbertin. Märchenhaftes passiert durch die Sägekunst von Lorenz Tacke. Der Zobbenitzer schnitzte vor kurzem im Klosterhof Dobbertin das Petermännchen, den Geist des Schweriner Schlosses, für die Sagenstraße in Mecklenburg-Vorpommern. Jetzt ist er dabei, einen Waldkauz aus einem Eichenstamm zu holen.

Ein ungewöhnlich lautes Heulen einer Motorkettensäge dröhnt in diesen Tagen durch das sonst so stille Heidedörfchen Dorst. Sägespäne f iegen vom Platz unter den alten Eichen mit dem Wind durch den Ort. Tacke ist der Ruhestörer. Der Zobbenitzer Kettensägenkünstler hat von der Gemeinde Dorst den Auftrag bekommen, aus einem alten maroden Baumstamm ein Kunstwerk zu schnitzen. Und dies tut er mit Leidenschaft und vollem Körpereinsatz. " Die Säge wiegt so etwa zwölf Kilogramm und hat 100 Kubik ", erklärt der Künstler.

" Der Baum ist trocken. Die Krone mit den schweren Ästen wurde bereits abgesägt. In der Nähe des Kinderspielplatzes stellte die kranke Eiche eine Gefahr dar, denn Äste hätten jederzeit runterkrachen können ", sagt Manfred Franke, Bürgermeister in Dorst. " Wir versuchen, aus dem Holz des kranken Baumes noch das Beste zu machen ", begründet der Ortschef.

Ein Waldkauz soll dem Stamm, der mit den Wurzeln noch in der Erde steckt, zu neuem Leben verhelfen. " Der Kauz ist schon im Stamm. Ich muss nur noch das Holz drumrum absägen ", feixt der Schnitzkünstler und schätzt, dass der Vogel etwa 1, 70 Meter groß werden wird. Verziert wird der Stamm noch mit eingesägten Eichenblättern und Motiven, die er noch nicht preisgibt.

" Die Kunst aus dem Baum ist eine willkommene Ergänzung zu unserem Naturlehrpfad. Der Waldkauz soll dann den Rundweg schmücken ", freut sich Franke und ergänzt : " Der Kauz wird sich bei uns wohlfühlen, schließlich wohnen im benachbarten Elektroturm noch richtige Eulen. " Im Rahmen des Dorffestes soll das Kunstwerk den Dorstern übergeben werden.

" Bevor die Wurzeln der Eiche irgendwann faulen, werden noch etliche Jahre vergehen ", schätzt Tacke. Aus den anderen großen übriggebliebenen Teilen des Baumes wird Tacke, wie es seine Zeit erlaubt, noch einige Spiel- und Sitzgelegenheiten schnitzen. Bezahlen kann man die schweißtreibende Arbeit nicht. Mit einem kleinen Obolus soll der Künstler für seine Mühen belohnt werden.

Eine Woche wird es dauern, bis das Werk vollendet ist. " Ich könnte schneller fertig werden, aber schließlich muss ich auch mit meiner Firma Geld verdienen und noch anstehende Aufträge zur Beseitigung von Sturmschäden erledigen ", erklärte der Unternehmer mit dem zeitaufwendigen Hobby.

Tacke schnitzt das

" Petermännchen "

In Mecklenburg-Vorpommern war Tacke vor ein paar Tagen auf einer ungewöhnlichen Mission. Er beteiligte sich am Holzskulpturenwettbewerb, bei dem Märchenf - guren geschnitzt wurden. Mit der Statur vom Petermännchen belegte der Zobbenitzer den zweiten Platz. Das Petermännchen für Schwerin, ein Mönch für Rehna, ein Räuber für Parchim - all diese Holzskulpturen sollen die Märchen- und Sagenstraße säumen. Erschaffen wurden die Eichenf guren von insgesamt 21 Künstlern aus ganz Deutschland. " Das Petermännchen ist der Geist des Schweriner Schlosses, der nach mehreren Sagen eine seiner Wirkungsstätten in den Kellergewölben des Schweriner Wahrzeichens hatte ", erklärt Tacke.