Tausend Jahre Wolmirstedt bringen tausend Musiker in die Stadt. Und so verkündeten die zehnten Landesmeisterschaften des Landesmusikverbandes am Wochenende auch dem noch ahnungslosen Bürger : Ab jetzt wird gefeiert. Und zwar noch an den beiden kommenden Wochenenden. Mit einem Sternmarsch kündigten die Blaskapellen, Fanfaren-, Spielmannszüge und Schalmeienorchester ihr Kommen in der Stadt an.

Wolmirstedt. Es wurde ( nicht nur ) am Sonnabendvormittag so richtig laut in der Stadt, aber es war wohlklingend. Von der Harnisch-Schule, der Tankstelle, der Zielitzer Straße und vom Bahnhof marschierten vier Musikzüge durch die Stadt. Viele Bürger ließen sich von den Klängen zum Sternmarsch vor die Tür locken, standen am Straßenrand. Dem Spielmannszug Cochstedt folgten sogar etliche Wolmirstedter bis zum gemeinsamen Treffpunkt auf der Schlossdomäne. Hier wurden die zehnten Landesmeisterschaften im Beisein vieler Musikfreunde vom Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander eröffnet. " Musik verbindet " gab Stefan Hinze, Präsident des Landesmusikverbandes Sachsen-Anhalt, als Motto aus. Noch zu Beginn der Wertungsspiele war den Musikern das Wetter hold und so stimmten sie auf dem Platz vor der Museumsscheune gemeinsam das Lied " Das Lieben bringt groß Freud " an.

Dann wurde es für die Musiker ernst. In der Museumsscheune und in der Aula des Gymnasiums stellten sich die Laienmusiker den kritischen Ohren der Jury. Doch die Juroren zeigten sich mit der Gesamtleistung äußerst zufrieden. " Manche Stücke sind sogar für Berufsmusiker schwer zu spielen ", lobte Jurymitglied Reiner Fiedler das Niveau der Formationen. " Ganz besonders freue ich mich, dass die Kapellen sich intensiv um den Nachwuchs kümmern und viele junge Leute unter den Musikern sind. " Fiedler bewertete die Aufführungen im Gymnasium. Hier herrschte ein reges Kommen und Gehen. Ganze Busladungen von Musikern warteten hier auf ihren Auftritt oder schauten anschließend ihren " Kollegen " zu. Doch wer glaubte, Blasmusik sei eine Sache zum Schunkeln und Klatschen, der irrte sich. Zumindest während der Wertungsspiele. Da herrschte nämlich absolute Ruhe.

Niemand durfte den bis auf den letzten Platz besetzten Zuschauerraum betreten oder verlassen. " Wir müssen jede Ablenkung vermeiden ", erklärte Mike Müller, Geschäftsführer des Landesmusikverbandes. Nach einer knappen halben Stunde wechselten jedoch die Formationen, und auch die Zuschauer durften sich wieder bewegen. Wer keinen Platz in der Aula bekommen hatte, blieb im Foyer. Dort wurde die Musik auf einer großen Videoleinwand ausgestrahlt. Carsten Bleichert ( 19 ) und Max Trepels ( 13 ) schauten gebannt der Darbietung des Genthiner Musikexpress ‘ zu. " Unsere Schalmeienkapelle Zickeritz ist erst in einer Stunde dran ", erzählt Carsten Beichert, " bis dahin gucken wir, was die anderen so für Instrumente haben, wie sie spielen. " Die beiden Jungs zollten den anderen Kapellen hohen Respekt, " Aber wir hoffen natürlich, zu den Besten zu gehören ", sagt Max Trepels. Der letzte Auftritt an beiden Tagen war dem Schallmeienorchester aus Kleinmühlingen vorbehalten. Gegen 15. 30 Uhr zog gestern wieder Ruhe im Gymnasium ein. Das f nale Geschehen verlagerte sich auf die Schlossdomäne, wo nach klangvollen Auftritten die besten Orchester geehrt wurden. Auch wenn der Altkreis keine eigenen Klangkörper in der Wertung hatte, gab es für Wolmirstedt als Gastgeber von allen Seiten viel Lob. Beifall, Gold, Silber und Pokale gab es für die Orchester und für die besten sechs noch den Landesmeistertitel. Das waren das Barneberger Schallmeienorchester von 1956, die bei den Junioren und Senioren in der Freien Klasse gewannen. Bei den Orchestern und Big-Bands siegte das Stadtorchester Dardesheim, bei den Spielmannszügen war der FF Harsleben eine Klasse für sich, der auch in der Freien Klasse A-Gemischt den Titel holte. Als jüngster Landesmeister wurde der Kinder & Spielmannszug Burg geehrt.