Mose geht nach Wolmirstedt. Nicht nur als Gemeinde, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes. Über sechzig Moser Bürger machen sich am 21. Juni auf den Weg über den Acker nach Wolmirstedt und reihen sich in den Festumzug ein.

Mose. Im Dorfgemeinschaftshaus ist es eng. Sämtliche Stühle sind besetzt. Die Männer, Frauen und Kinder, die keinen Platz abbekommen haben, drängen sich an den Wänden. Dabei wird hier gar nichts Spektakuläres verkündet. Es geht " nur " darum, die Teilnahme am Festumzug zur 1000-Jahr-Feier Wolmirstedts zu organisieren.

" Mose ist schon vor Wolmirstedt, nämlich im Jahr 937 erstmals erwähnt worden ", erzählt Anneliese Kitzel. " Wir feiern 2012 unsere 1075-Jahrfeier. " Diese lange Geschichte wurde von Ortbürgermeisterin Helga Steinig und anderen schon längst aufgearbeitet. Und so gehört den Mosern und ihrer Geschichte das Bild Nummer 36 der über 40 historischen Bilder des Festumzuges.

" Zwischen Wolmirstedt und Mose wurde Graf Dedi von Wettin erschlagen ", erklärt Helga Steinig. Diesem Umstand verdankt auch Wolmirstedt seine erste Erwähnung, und zur Erinnerung an diese blutige Geschichte wird das Moser Bild von vier Rittern angeführt. " Mose war einst sogar ein Fischerdorf ", weiß Helga Steinig. " Später wurde der See dann wegen der Torfgewinnung trockengelegt. " Sieben Fischer werden an diese Zeit erinnern.

Für die Existenz eines Mönchsklosters gibt es keine Beweise mehr. " Aber ", erinnert sich Helga Steinig, " wir haben davon alle in der Schule gehört. " Durch diese mündliche Überlieferung gilt die Existenz eines Mönchsklosters als gesichert, und vier Moseraner Männer werden sich für die Zeit des Festumzugs von allen irdischen Freuden lossagen und als Mönche daherkommen.

Der ganz große Teil des Moser Bildes gehört den Bewohnern und dem Gesinde des Gutshofes. " Der gehörte seit 1906 dem Gutsherren Druckenbrot ", sagt Helga Steinig. Hinter dem Gutsherrenpaar – dargestellt von Andrea und Thomas Nagel – gehen die Hausdamen, Waschfrauen, der Besuch aus der Stadt, die Wasserträger und Jäger. Natürlich gehören zu einem aktiven Landleben auch Marktfrauen und Händler, vor allem aber das tagtäglich schwer arbeitende Landvolk. Dieses Landvolk besitzt auch im Jahre 2009 noch Weitblick und lebt mit der Natur. Das beweisen die Moser auch im Hinblick auf den Festumzug. " Wir haben schon im letzten Jahr die Korngarben für den Festumzug geschnitten und getrocknet ", sagt Anneliese Kitzel. In diesem Jahr wäre das Korn noch gar nicht weit genug gewesen.

Die rege Beteiligung des Ortsteiles am Festumzug ist kein Zufall. Anneliese Kitzel hat viele Moser persönlich angesprochen und zig Kostüme genäht. Viel gibt der häusliche Fundus her. Sie schwatzte der Tochter einen Hut ab, zupfte eine Dekoblume aus dem Wohnzimmergesteck – und schon ist wieder ein Landfrauenhut fertig. Dreschflegel, Handwagen, Forken und Sensen stehen ohnehin noch in vielen Moser Scheunen. " Wir müssen aber nicht mit den Forken auf der Schulter bis nach Wolmirstedt laufen ", weiß Helga Steinig. " Die Geräte werden gefahren. " Eigentlich schade. Es wäre bestimmt ein schönes nostalgisches Bild geworden, angeführt von einem Ackerwagengespann mit einer Erntekrone. Doch für den Festumzug laden sich die Moser die Nostalgie wieder auf.

Der große Trumpf des kleinen Ortes stammt sowieso aus der Neuzeit. Es ist die im Maßstab 1 : 3 nachgebaute Rakete, die an den ersten unbemannten Raketenstart auf der Moser Wiese im Juni 1933 erinnert. Das Himmelfahrtsgerät fährt auf einem Wagen durch die feiernde Stadt.

Im Moser Gemeinderaum ist es längst nicht mehr still. Erste Kostüme werden sortiert und anprobiert. Und es wird klar : Das Thema " Festumzug zur 1000-Jahr–Feier " ist eben doch sehr spektakulär.