" Unsre Stadt hat Geburtstag heut – dam dam, dam dam – darüber freuen sich alle Leut – dam dam, dam dam. " Es war eine historische Ratssitzung, die so recht zum großen Stadtjubiläum passte. Auf der Freilichtbühne saßen oder standen die Leute dichtgedrängt, als am Sonnabend punkt 11 Uhr die Ratsfrauen und –herren sowie der Burmeister in prächtigen historischen Gewändern stolz die Treppe herunterschritten und zur öffentlichen Sitzung Platz nahmen.

Wolmirstedt. In weiten Teilen hatte Autorin Gudrun Billowie wie immer amüsant einen Blick in die Stadtgeschichte mit dem heutigen Leben in Wolmirstedt verwoben. Diese Mischung kennen und lieben die Wolmirstedter. Zur 1000-Jahr-Feier aber hatte Gudrun Billowie sich besonders viel Mühe gegeben.

Und so wurde die übliche Neckerei zwischen Burmeister und Ratsherren diesmal verbunden mit Originalzitaten aus " Willkür und Statuta " von 1590. Außerdem musste die " Sitzung " mehrmals aus sehr erfreulichem Anlass unterbrochen werden. Eine wirklich gelungene Überraschung war die Verleihung des Goldenen Stadttalers an fünf Bürger, die Anteil an der guten Entwicklung der Stadt haben. Unter großem Beifall nahmen Günther Oelze, Konrad Riedel, Werner Schierhorn und Alfred Wiese die Ehrung entgegen. Reinhard Langer war leider nicht anwesend.

Eine sehr gute Idee auch, besonderen Gästen des großen Festes eine Bühne zu geben. Mit Fanfaren und großem Hallo wurden also die Gesandten aus Bulgarien, Todor Projkow, und der Partnerstadt Wunstorf, Burmeister Rolf-Axel Eberhardt, begrüßt. Die waren natürlich zum Geburtstag mit Geschenken gekommen. Aus Bulgarien 250 Flaschen Wein. Die Wunstorfer übergaben ein großes Bild und einen Gewinn für die Tombola ( Wochenendreise ).

Wunstorf würde sich

eingemeinden lassen

Außerdem waren von den beiden Gästen die reinsten Lobeshymnen auf die Stadt zu hören. Das ging so weit, dass Eberhardt das " reiche " Wolmirstedt um Solidarität für das " arme " Wunstorf bat.

Der übliche Blick der Ratsherren in die Geschichte ging passend zum Jubiläum diesmal 1000 Jahre zurück, nämlich zur Ersterwähnung. Der Anlass hätte damals nicht spektakulärer sein können, ging es doch um eine große Liebe und einen Mord. Und das interessiert natürlich die Leute heute noch brennend. Wie war das also ?

Luitgard war in Werner von Walbeck verliebt, sollte aber dem Kaiser angetraut werden. Die Weigerung Luitgards erzürnte ihren Bruder Dedi, der gern des Kaisers Schwager geworden wäre, dermaßen, dass er die Wolmirstedter Burg anzündete. Dafür wurde er von Werner und dessen Bruder Friedrich bei Mose erschlagen.

Natürlich sparte die Autorin wie gewohnt nicht mit aktuellen lokalen Spitzen, auf die ihr Publikum immer besonders gespannt ist. So spielte mal wieder die Frieden zwischen Bürgermeister und dem Rat eine Rolle. Auch über das prächtige neue Rathaus, die Ausrüstung der Feuerwehr, die Schäfergruppe auf der Domäne oder die Jahnhalle wurde hergezogen.

Am Applaus und Zwischenrufen merkte man, dass die Wolmirstedter auch kleine Andeutungen verstanden. Das Spektakel endete zur Freude der Gäste wie gewohnt mit Freibier.

Zuvor aber stimmten alle in das Geburtstagsständchen nach der Melodie " Marmor, Stein und Eisen bricht " ein. " Tausend Jahre Wolmirstedt, wer hier lebt, der ist furchtbar nett. Alles, alles geht voran, und wir haben Fun. " Der Text der Geburtstagshymne stammt ebenfalls von Gudrun Billowie, eingesungen wurde das Ständchen von Kurt Prilloff und Theo Lindenberg.