Von " A " wie Auetaler bis " Z " wie Zisterzienserkloster – der Festumzug zur 1000-Jahr-Feier der Stadt bot in über 40 Bildern einen farbenprächtigen Abriss der Stadtgeschichte.

Wolmirstedt. An Mittagsruhe war gestern in der Ohrestadt nicht zu denken. Mit Kind und Kegel, Decke, Picknickkorb und Fotoapparat, machten sich die Bürger an die Straßenränder entlang der festgelegten Umzugsroute auf. Währenddessen herrschte zwischen dem Sportund Freizeitpark und der Tankstelle aufgeregte Betriebsamkeit. Zumindest bei den Helfern in den orangefarbenen Westen, die dafür sorgten, dass jede Gruppe einen Schilderträger bekam und auch wusste, wo sie zu stehen hat. Die Teilnehmer der Fußund Wagengruppen selbst bekämpften die Aufgeregtheit mit einem kleinen Schlückchen, was der guten Laune keinen Abbruch tat. Ganz im Gegenteil. Schon vor dem Startschuss um 13 Uhr war das Geschnatter groß, was die Pferde, die im Umzug mitlaufen sollten, nervös schnauben ließ.

Für die Wolmirstedter Zaungäste indes galt – frühes Erscheinen sichert die besten Plätze. Und so war der Lärmschutzwall an der Colbitzer Straße gut gefüllt mit Schaulustigen, Videof lmern und Hobbyfotografen, die das einmalige Ereignis für die Nachwelt festhalten wollten. An den beiden Moderationspunkten hielten Peter Aschmann und Uwe Wienbeck die Zuschauer in Stimmung, probten das Winken und den Applaus. Wienbeck hatte sich passend zum Anlass sogar mittelalterlich in Schale geworfen.

Punkt 13 Uhr stieg die Spannung am Zentralen Platz. Wann würde die Kapelle aus Wunstorf auftauchen und damit den Beginn des Festumzuges einläuten ? Nach einem kurzen Stau auf Höhe des Stadions wurden die Zaungäste am Straßenrand oder auf den Balkonen des Fünfgeschossers belohnt.

" Wir wären am

liebsten noch eine

Runde gegangen "

Schlag auf Schlag zogen die Gruppen vorbei, grüßten Landrat und Bürgermeister mit Ehefrauen und der Enkeltochter, jubelten die Stadträte aus ihren Planwagen, winkten die Fischer, Gaukler und Könige ohne Unterlass.

Besonderes schauspielerisches Talent legte die Gruppe der Pestkranken an den Tag. Hundeelend sahen sie aus, das Jugendrotkreuz hatte für die passenden ( aufgemalten ) Pestbeulen gesorgt. Als eine einzelne Dame am Straßenrand hüstelte, erkundigte sich einer der Darsteller vom Schwarzen Tod " besorgt " bei ihr : " Na, hast Du dich etwa auch schon angesteckt ?".

Gut eine Stunde lang zog der Festumzug an den Zuschauern vorbei. Im neuzeitlichen Teil präsentierten sich die Vereine, Schulen und Kindereinrichtungen der Stadt. Als die Kleingärtner um die Kurve in Richtung Rathaus einbogen, f ng es langsam an zu tröpfeln. Bis die Wolmirstedter Feuerwehr – das Schlusslicht des großen Umzuges – an der Halle der Freundschaft eintraf, war aus dem Nieseln ein leichter, aber beständiger Regen geworden. Doch die Stimmung blieb fantastisch. Alle, die im Umzug mitgelaufen und am Endpunkt angekommen waren, säumten die Gipfelstraße, um sich nachfolgende Gruppen anzuschauen und ihnen zuzujubeln. Die Frauen der Interessengemeinschaft Innenstadt sangen aus voller Kehle die Wolmirstedt-Hymne " Unsere Stadt hat Geburtstag heut ", die bei der historischen Ratssitzung Premiere hatte und sich bei der derzeitigen Euphorie wahrscheinlich auch als Handyklingelton gut verkaufen würde.

Bis sich alle über die verschiedenen Bilder verteilten Familien wieder gefunden hatten, dauerte es eine Weile. In der Zwischenzeit wurden nochmal die Kostüme fotografert und auf den gelungenen Festumzug angestoßen. Nicht nur die mehreren hundert aktiven Teilnehmer bedauerten, dass dieses einmalige Ereignis nach jahrelanger Vorbereitung und wochenlanger Vorfreude doch in relativ kurzer Zeit vorbei war. Zustimmendes Nicken für das Fazit einer der Umzugsteilnehmerinnen, die voller Inbrunst erklärte : " Wir wären am liebsten noch eine Runde gegangen !"