Wolmirstedt. Stolz hält Madeleine Curth ihr Abschlusszeugnis der zehnten Klasse in den Händen. Wie die anderen Klassenkameraden der Leibniz-Schule auch. Und doch bedeutet dieses Zeugnis für Madeleine noch etwas anderes, nämlich einen Sieg über alle Prognosen und vor allem über sich selbst.

Als Madeleine in die erste Klasse der Diesterweg-Grundschule kam, wurde schnell klar, dass sie langsamer lernt, als andere Kinder. Hinzu kam eine Lese-Rechtschreibschwäche.

" Meinen Eltern wurde empfohlen, mich nach der Grundschule auf die Harnisch-Schule zu schicken ", sagt die inzwischen 18-jährige Samswegerin. Die Harnisch-Schule steht Kindern offen, die Schwierigkeiten mit der gewöhnlichen Wissensvermittlung haben. Madeleine folgte dem Rat. " Das langsame Tempo bekam mir gut ", sagt sie, " ich konnte dem Unterricht gut folgen. " Auch von zu Hause bekam Madeleine viel Unterstützung. " Meine beiden Schwestern - die eine jünger, die andere älter als ich - übten immer wieder mit mir. " Den Lehrern blieben Madeleines Ehrgeiz und Erfolge nicht verborgen. Sie empfahlen ihr die Rückkehr auf eine " normale " Schule. Madeleine wollte aber nicht. " Es gefiel mir gut auf der Harnisch-Schule. Ich hatte viele Freundinnen. "

Nach der neunten Klasse war jedoch Schluss. Ein höherer Abschluss ist auf der Lernbehindertenschule nicht vorgesehen. " Meine Lehrer glaubten noch immer an mich ", sagt Madeleine, " sie rieten mir, die neunte Klasse in der Leibniz-Sekundarschule zu wiederholen und damit den qualifizierten Hauptschulabschluss zu erreichen. " Madeleine wagte den Schritt. War die Umstellung komisch ? " Nein ", sagt das freundliche Mädchen, " ich habe wieder beste Freundinnen gefunden und auch die Lehrer der Leibniz-Schule glaubten an mich. " Und wirklich, Madeleine schaffte den qualifizierten Hauptschulabschluss und damit war der Weg frei für den Realschulabschluss.

Ihre Klassenlehrerin Frau Kramesberger ermutigte sie, auch die zehnte Klasse in Angriff zu nehmen. Madeleine traute sich. Das Abschlusszeugnis zum Schuljahresende war der vorläufige Höhepunkt ihrer Bildungskarriere.

" Ich würde wieder alles genauso machen ", sagt Madeleine im Rückblick, " ich habe die Zeit gebraucht, um bis hierher zu kommen und das war gut so. " Und nun ? " Ich möchte gerne Verkäuferin werden ", sagt Madeleine, " bisher hat aber noch nichts geklappt. " Für das Mädchen ist das kein Grund zu verzweifeln. " Dann mache ich eben erst mal ein Freiwilliges soziales Jahr ", lautet Plan B.

Die soziale Ader ist bei Madeleine ohnehin ausgeprägt. Neben der vielen Lernarbeit für die Schule engagiert sie sich im Deutschen Roten Kreuz. Während eines Rot-Kreuz-Treffens lernte sie ihren Freund Christoph kennen. Er wohnt in Aken, aber die beiden sehen sich, so oft es geht. Nun sind erst einmal Ferien und das heißt für die beiden, sie werden eine Woche lang mit anderen Jugendlichen in einem Lager des Roten Kreuzes verbringen.