Wolmirstedt. Die Stadt an der Ohre, die inzwischen in die Jahre gekommen ist, weiß tausend Geschichte zu erzählen. Die aber niedergeschrieben werden wollen. Doch wer kann das, wer macht sich diese Mühe ? Die Aufgabe wird noch schwieriger, wenn man weiß, dass Geschichte ( n ) erst dann authentisch werden, wenn sie trotz des zeitlichen Abstandes lebendig erzählt oder niedergeschrieben sind.

Otto Zeitke, 84 Jahre jung, Schriftsteller, hat das Wissen, die Muse und die begnadete Schreibe. Elfmal hat er es in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt, dabei nicht nur den Ohrestädtern mit seinen Büchern die Geschichte ( n ) der Stadt Wolmirstedt ein Stück näher gebracht und damit erlebbarer.

Am Mittwoch die erfolgreiche Premiere seines 12. Buches " In Ufernähe " im Schlosskeller auf der Domäne. Der Ort war nicht bewusst gewählt, obwohl viele seiner Geschichten hier zu Hause angesiedelt sind – wie zum Beispiel " Das Geheimnis Schlosshof ". Der Schriftsteller machte aus der Not eine Tugend, denn die Zahl seiner Leserschaft wuchs mit jeder Neuauf age. So reichte der Platz im Bürgerhaus in der Vergangenheit längst nicht aus, traf sich daher Otto Zeitke mit seinen Lesern auch am Mittwoch im Schlosskeller. Einmal mehr an seiner Seite Marianne Döring, die zwei seiner Geschichten " Fluss-Weiden " und " Das Geheimnis Schlosshof " sehr einfühlsam erzählte.

Wer zu Otto Zeitke geht, weiß im Voraus, was ihn erwartet – Geschichte ( n ), tiefsinnig hinterfragt und wortreich verpackt. Auf der einen Seite kurzweilig spannend, auf der anderen tiefsinnig lyrisch – aber nie steril chronologisch. Beim " Geheimnis Schlosshof " schlägt er sogar den kritischen Bogen bis in die Gegenwart.

Wer aber in seinen Bücher ein Vorwort oder gar einen Leitfaden erwartet, sieht sich nur im ersten Moment enttäuscht. Denn der Ur-Wolmirstedter nimmt den Leser an die Hand und somit durch die Geschichte ( n ). " Die erste Seite des Buches lasse ich bewusst leer, denn sie bietet mir den Platz, meinen Lesern ein ganz persönliches Wort mit auf den Weg zu geben. " Und fast jeder im Schlosskeller verließ an diesem Abend die Domäne mit einem Buch mit Widmung.

Doch trotz der festlichen Atmosphäre ( auch zur späten Stunde ) hatten es nicht wenige der Gäste dann plötzlich sehr eilig, nach Hause zu kommen. Sicherlich auch, weil die Geschichten " In Ufernähe " der Ohre, wie zum Beispiel " Suche nach Saalhausen " oder " Am Gerberbrunnen ", sie neugierig auf Mehr gemacht haben.

Aber keiner verließ den Schlosskeller ohne ein lobendes Wort und der durchgängige Tenor lautete : " Hier hat ein liebenswerter Wolmirstedter mit viel Herz eine Liebeshymne auf seine Heimatstadt geschrieben. "