Wolmirstedt. Harald Wendt hat einen direkten Blick auf die Baustelle des neuen Verwaltungsgebäudes des Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverbandes ( WWAZ ) : Die Architektur ist futuristich, das Ensemble mit dem neuen Rathaus passig, das Gebäude gibt dem Zentrum ein schönes Aussehen.

Harald Wendt, der in der Samsweger Straße wohnt, sieht es ähnlich und der 66-Jährige kann sich durchaus darüber freuen, was dort mitten in der Stadt entsteht. Aber seitdem das neue Verwaltungsgebäude eingedeckt ist, anthrazitfarbene Ziegel das riesige Dach zieren, ist der Rentner einfach nur noch ärgerlich. Nicht auf den Neubau, nicht auf die Bauarbeiter, sondern auf die Stadt. Und den Ärger kann man auch verstehen, wenn man seine Geschichte kennt.

Harald Wendt lebt seit den 40er Jahren in der Samsweger Straße in einem Haus, das der Familie bereits in dritter Generation gehört. Und in den Jahren bis 1996 war das Haus stets und ständig grau eingedeckt. " Es passte farblich einfach zu dem Naturstein. "

Der heutige Hausbesitzer erinnert sich sogar noch sehr genau, denn es waren Schindeln. Doch der Zahn der Zeit hat auf dem Dach seine Spuren hinterlassen. Mitte der 90er Jahre wollte der Wolmirstedter dann sein Haus neu eindecken lassen. Aus Kostengründen nicht wieder mit Schindeln. Er entschied sich für anthrazitfarbene Dachsteine. " Um den Gesamteindruck auch in Zukunft zu erhalten ", wie Harald Wendt betont.

Um als Bauherr aber auf der sicheren Seite zu sein, stellte er am 4. September 1996 an die Stadtverwaltung einen Antrag, der aber bereits am 7. Oktober des Jahres abschlägig beantwortet wurde. Denn, was der Mann nicht wusste, das Sanierungsgebiet " Stadtkern – Wolmirstedt " ließ keine grauen Dächer mehr zu. Dem Wolmirstedter wurde der Antrag, sein Dach neu einzudecken, aber nur unter der Auf age bewilligt, dass zur Eindeckung nur naturrote, unglasierte und nicht-engobierte Tonziegel verwendet werden dürfen.

In einer Rechtsbehelfsbelehrung seinerzeit wurde dem Wolmirstedter offeriert, dass er gegen diesen Bescheid Widerspruch einlegen kann. Hat Harald Wendt aber nicht, weil er die Bürokratie kennt, wie er sagt.

Seitdem lebt er nun unter einem roten Ziegeldach. Doch glücklich ist der Mann nicht, denn es ist eben nicht mehr das Haus seiner Vorfahren.