Nicht nur einen, sondern gleich drei Gründe zu feiern gab es gestern im Bodelschwingh-Haus. Neben dem 15-jährigen Bestehen des Tageszentrums wurde auch dessen erfolgreich abgeschlossener Zertifizierungsprozess sowie das Ende der Sanierung des Altbaus mit zahlreichen Gästen gefeiert.

Wolmirstedt. " Arbeiten, wohnen, leben " – diese drei Schlagworte kennzeichnen schon lange den Charakter der Arbeit im Bodelschwingh-Haus. Dass Behinderte nicht nur betreut werden, sondern auch durch eine eigene Tätigkeit Anerkennung in der Gesellschaft erfahren wollen, das stellte Arvid Schaub gestern in seiner Ansprache heraus.

Gleich drei Ereignisse galt es zu feiern – das 15-jährige Bestehen des Tageszentrums, der erfolgreiche bestandene Zertifizierungsprozess nach ISO sowie die abgeschlossene Sanierung des Altbaus in der Ohrestraße. Das Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und in den vergangenen drei Jahren entkernt und neu aufgebaut. Ursprünglich war der Altbau das Magdalenenasyl, ein Heim für gefallene Mädchen. Auch die Kapelle befand sich einst in dem Klinkerbau, bevor sie auf dem Gelände neu errichtet wurde.

Mittlerweile bietet das Gebäude als Tageszentrum ein strukturierendes Angebot für Menschen mit schwersten Behinderungen, die nicht die Möglichkeit der Beschäftigung in der Werkstatt haben, sondern denen Arbeit in kleinsten Schritten angeboten wird. In eben diesen kleinen Schritten entstehen beispielsweise Holz- und Tonarbeiten, werden Kerzen oder Bilder gefertigt. " Wir schaffen vielleicht keine hohe Effzienz, aber die höchste Effzienz erreichen eh nur Roboter. Und die sind seelenlos, so wie wir nicht sein wollen ", erklärte Arvid Schaub.

" Als wir das Tageszentrum gegründet haben, fragten viele Leute, wo es sich befindet, denn damals war es verstreut, die Räume überall dort, wo man Platz fand ", erinnerte sich der 1. Vorstand des Bodelschwingh-Hauses. Er übte aber auch Kritik, denn " so ein Tageszentrum wird immer nur dann nötig, wenn es eine Gesellschaft nicht schafft, Menschen mit schwersten Behinderungen zu integrieren ". Es komme nicht darauf an, Behinderte nur zu versorgen, sondern Sinnstiftung zu betreiben, ihnen einen strukturierten Tagesablauf zu geben. Dass dies im Tageszentrum qualitativ hochwertig erfolgt, zeigt der bestandene Zertifizierungsprozess. Je ein Vertreter der verschiedenen Abteilungen – im Tageszentrum werden 76 Erwachsene in zehn Gruppen und einer Seniorengruppe betreut – erhielt ein Zertifikat, das die Einrichtung, die seit 2007 als selbstständige gGmbH fungiert, im bundesdeutschen Wettbewerb stärken soll.

Einrichtungsleiterin Regina Granse dankte ihren Mitarbeitern, den Beschäftigten und allen am Bau und der Zertifizierung Beteiligten für ihren Einsatz und ihre Ausdauer. Sie erinnerte daran, dass während der Sanierungsphase so manches Mal Humor gefragt war, " wenn beispielsweise in der Küche in der dritten Etage der Kühlschrank nur funktionierte, wenn das Raumlicht eingeschaltet war ".

Von solchen Pannen war nichts mehr zu sehen, als die Ehrengäste, darunter der Bürgermeister, Landrat Thomas Webel, Marlis Lüder vom Sozialamt des Kreises und ihr Amtskollege vom Sozialamt des Landes, Winfried Reckers, zum Abschluss des offiziellen Teiles durch die neuen Räume geführt wurden.