Haldensleben. Plaudern wie einst 1824 im Salon der kunstsinnigen Christiane Mertins war das Anliegen einer Veranstaltung, zu der Literaturfreunde ins Museum eingeladen hatten. Damals war der Schriftsteller Carl Leberecht Immermann im Haus Magdeburger Straße 26 zu Gast und las aus seinen Werken. Zu den schöngeistigen Gesprächen über das Gehörte erklang auch Gesang.

Diese Art der Beschäftigung mit Literatur und Musik lebte in einem literarischen Salon wieder auf, der allerdings nicht im besagten Haus in der Magdeburger Straße, sondern im Haldensleber Museum eingerichtet wurde. Initiator war die Magdeburger Immermann-Gesellschaft, sie fand aber in der Kreisstadt viel Unterstützung, denn besonders Ulrich Hauer, Leiter des Museums und Vorsitzender des Vereins Kultur-Landschaft Haldensleben-Hundisburg, beschäftigt sich seit einigen Jahren mit den Werken Immermanns.

Hauer hatte kriminalistische Ermittlungen zu den wahren Hintergründen des Immermannschen Epochenromans " Die Epigonen " angestellt. Für den Hundisburger steht fest, dass Immermann sich Anregungen in der Region Hundisburg, Haldensleben, Bebertal geholt hatte, nachzulesen in dem 2008 von der Kultur-Landschaft veröffentlichten Buch " Die Epigonen ".

In diesem Jahr nun hat der Verein Immermanns satirische Geschichte " Von dem Schlosse Schnick-Schnack-Schnurr und seinen Bewohnern " neu aufgelegt. Hauer vermutet, dass sich Immermann von dem 1811 auf Schloss Hundisburg vollzogenen Besitzerwechsel inspirieren ließ, als er eine morsche Adelswelt auf einem verfallenen Schloss und das herannahende Industriezeitalter karikierte. Damals übernahm der Kaufmann Johann Gottlob Nathusius das Schloss von dem völlig verschuldeten Georg von Alvensleben.

Die satirische Geschichte ist dem 1838 / 39 erschienenen Roman " Münchhausen " von Immermann entnommen. Ingrid von Koppelow las in großer Runde im Museum aus dem Roman. Die Zuhörer konnten teilhaben an dem Leben des alten Barons und seiner Tochter Emerentia, an dem Wirken des kuriosen Schulmeisters Agesel und vor allem an dem Auftreten des geheimnisvollen Münchhausen und seinem Diener Karl Buttervogel.

Haldensleberin führte

einst beliebten Salon

Brigitte Köther, stellvertretende Vorsitzende der Magdeburger Immermann-Gesellschaft, war begeistert, dass die Einladung in den literarischen Salon zu Immermanns Geburtstag solch große Resonanz fand. Es mussten immer wieder Stühle nachgeholt werden.

Ulrich Hauer erzählte in der Runde ebenso vom Studium der Tagebücher Immermanns, in denen er auch über Krankheit und Todesahnung schrieb. Ernst Herbst von der Immermann-Gesellschaft ergänzte die Nachforschungen und Kombinationen Hauers. Herbst sieht in dem Münchhausen eine Personifzierung des damaligen Zeitgeistes.

Im literarischen Salon, der dem Immermann-Geburtstag gewidmet war, ging es aber nicht nur um diesen Schriftsteller. Judith Vater hatte sich intensiver mit der Biographie von Gabriele Reuter beschäftigt, an die eine Gedenktafel am Haldensleber Bürgerbüro erinnert. Und sie versprach, weiter dran zu bleiben, denn auch die Werke wie das Leben von Gabriele Reuter sind typisch für die damalige Zeit.

Außerdem widmete sich die Runde der Freundschaft des Haldensleber Bürgermeisters Johann Nathanael Schulze mit Gleim. Schulze hatte großen Anteil an der Entwicklung des Schulwesens in Haldensleben.

Und wie einst in den Salons der kunstinteressierten Deutschen voriger Jahrhunderte fehlte im literarischen Salon im Haldensleben der Jetztzeit auch die Musik nicht. Die Musikrichtung allerdings dürfte sich schon unterscheiden. Die Sängerin Eva Maria Eggers, von Wolfram Steinacker begleitet am Piano, begeisterte die Zuhörer mit internationalen Liedern. Und sie sang, sie möchte mal mit Willi auf dem Mond sein, und der müsste auch noch unbewohnt sein. Eine originelle Ergänzung zur angeregten Gesprächsrunde.

Heute um 19 Uhr stellt Ulrich Hauer übrigens " Schnick-Schnack-Schurr " beim heimatkundlichen Stammtisch auf Schloss Hundisburg vor.