Es gibt sie noch, die Heimwerker, die um ihrer selbst Willen werkeln und stolz wie Bolle auf das Ergebnis verweisen. Michael Tschenisch, Hans-Jürgen Hallmann und Bodo Kähne sind solche Männer. Sie wohnen alle in der Colbitzer Straße, ihre Gärten grenzen aneinander und an das Stadion des Friedens. Die Fußballfreunde bastelten sich eine Magische Bank. Von der aus können sie dicht unter der Krone des Kirschbaums die Spiele verfolgen. Dieses obskure Objekt verleiht den Herren eine gewisse Gelassenheit, die Gelassenheit von Männern, die wissen, worauf es im Leben ankommt.

Wolmirstedt. Wer die Fußballfans sucht, muss nur seinen Ohren folgen. Sobald auf dem Fußballplatz ein Tor fällt, greift Bodo Kähne in die Saiten seiner E-Gitarre – einer Strato-Caster – und spielt die typischen Takte von AC / DCs " Smoke on the water ". Michael Tschenisch und Hans-J ürgen Hallmann drücken eine Tröte. WOW ! Doch damit sind die Torfeierlichkeiten aus dem Fanblock im Kirschbaum längst nicht vorbei. Die Männer drehen den Deckel eines Kümmerlings auf und prosten sich zu. " Diese Zeremonie machen wir bei jedem Tor, egal, welche Mannschaft es schießt ", verrät Kähne.

Am Sonnabend spielt Kali Wolmirstedt gegen die Mannschaft von Ethingen / Rätzlingen. Beim 3 : 0 sind die Herren schon sehr entspannt. Was sagen die Frauen dazu ? " Probleme hatten wir nur, als in einem Spiel zwölf Tore gefallen waren ", meint Michael Tschenisch. Aber eigentlich haben an der Magischen Bank ohnehin die Frauen " schuld ". Schon immer saßen die Männer der Colbitzer Straße auf der Bank bei Familie Hallmann und schauten Fußball im Grünen. " Aber dann wollte Frau Hallmann einen Brennholzschuppen am Ende des Grundstückes haben ", erzählt Michael Tschenisch, " und den hat unsere liebliche Ines bekommen. " Doch der Holzschuppen versperrte den Herren die Sicht auf den Platz. " Das ging ja nun nicht ", betont Bodo Kähne, " wir mussten handeln. " Erst wollten die Männer ein Gerüst bauen und darauf die Bank stellen. " Aber das hätte dann ja auf Ewig die Sicht von der Terrasse ins Grüne verschandelt ", sagt Hans-J ürgen Hallmann. Also legten die Männer ihr gesamtes Know-how auf den Tisch und erdachten einen Plan. Das Zauberwort für die Lösung hieß " Hydraulik ". Ein Podest wurde auf einen Stahlbolzen gestellt, der hydraulisch nach oben fährt. Auf dem Untergrund steht die Bank, ist durch ein Verdeck vor Regen geschützt. Im ausgefahrenen Zustand sieht die Magische Bank aus wie das Hexenhaus von Baba Jaga, das auf einem Hühnerbein steht.

Die Männer, die im Garten von Hallmanns Fußball gucken, haben allerdings so gar nichts hexenhaft Böses an sich, sondern überbieten sich in ihrem trockenen Humor. " Bevor wir das 1, 50 Meter tiefe Fundament gossen, feierten wir eine Grundsteinlegung ", erzählt Bodo Kähne, " in eine Flasche steckten wir einen aktuellen Zeitungsartikel und einen Cent. " Zu diesem feierlichen Akt spielte Musikfreund Kähne die Hells Bells, die Höllenglocken von AC / DC. " Wir sind auch eine richtige GmbH ", grinst Bodo Kähne, " zu unserer Firma gehören Günther, Michael, Bodo und Hans-J ürgen. Nun lest mal unsere Anfansbuchstaben. "

Auf dem Platz fällt wieder ein Tor. Bodo Kähne schaltet den Verstärker an und " Smoke onthe water " -Takte dröhnen aus der Krone des Kirschbaums. Kümmerlinge werden geköpft.

Die Frauen der drei gehen derweil mit dem Hund spazieren oder pf anzen Sommerblumen ins Beet. " Unsere Frauen müssen diese Bank einfach mögen ", sagt Michael Tschenisch, " schließlich wissen sie so immer, wo wir sind. Sie können uns jederzeit durchzählen. " Hans Jürgen Hallmann zeigt auf die Bierhalter und Becher für Kümmerlinge, die an Besenstielen fxiert sind, und feixt. " Aber wir haben auch noch weitere Pläne ", verrät Michael Tschenisch, " Wir wollen die Elektrik verändern, so dass die Kabel von Bodos Gitarre hier nicht immer so herumhängen. "

Auf dem Platz wird derweil zur Halbzeit gepfffen. " Lass uns Nachschub holen ", sagt Michael Tschenisch, und Bodo Kähne wirft den Motor der Magischen Bank an. Sie dreht sich leise rumpelnd erst ein bisschen nach links, elegant am Ast des Kirschbaumes vorbei, und dann erst nach unten. Nun können die Herren gemütlich aussteigen und ihre Bierf aschen wechseln. Die Bank steht nun ganz harmlos inmitten des Rasens und hat so gar nichts magisches mehr an sich.

Inzwischen ist auch Ines Hallmann gekommen und hat die beiden Enkelkinder Christian und Tia mitgebracht. Christian ( 9 ) hat das Blut seines Opas in sich, er trainiert schon lange beim FCM, sitzt auch nur selten auf der Magischen Bank, schon gar nicht, wenn er einen Ball bei sich hat. Dann laufen die Spieler von Kali Wolmirstedt und Ethingen / Rätzlingen wieder auf den Platz. Die drei Fans nehmen Platz, Bodo Kähne platziert seine Gitarre, die Bank fährt hinauf, und die drei Herren schmunzeln wieder still vor sich hin.